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Sandmann fährt alte, kantige und durstige Autos mit Seele. Was im Alltag nicht immer einfach ist. Dies ist sein Tagebuch.
Ein Denkmal für ein unzerstörbares Automobil.
Mir ist so danach, diesen Bericht mit den Worten “es begab sich aber zu der Zeit, da…” anzufangen
Nun ist Weihnachten aber (noch) ein paar Wochen entfernt, und soooo alt ist dieses Auto ja auch (noch) gar nicht. Aber er verleitet schon sehr zu klassisch-biblischen Formulierungen, dieser Mercedes-Benz, wie er da so in der Morgensonne steht wie eine von alten Ägyptern in Stein gemeißelte Botschaft des endgültigen Friedens. Wie eine von südamerikanischen Ureinwohnern in Tropenholz geschnitzte heidnische Maske der Ewigkeit. Wie eine von mittelalterlichen Handwerkern geschmiedete Gussform des Widerstands gegen die immerwährenden Naturgewalten. Liebe Leser, ich muss euch und Ihnen einfach ein paar Bilder zeigen und diesem Daimler ein Denkmal setzen für genau das, was er für mich sein soll. Ein anspruchsloser Wellenbrecher in den Fluten des Berufsverkehrs. Eine mich umgebende Burg mit dem Komfort eines Wohnzimmers. Eine blechgewordene Reinkarnation der Zuverlässigkeit! Prost.
Ay Gemeinde,
süßer die Glocken nie klingen? So weit ist es noch lange nicht, die farbenfrohe Lichterwelt der Weihnachtszeit schein im Moment so fern wie die Möglichkeit, im eigenen Garten noch ein Abgrillen in der Abendsonne zu veranstalten. Plötzlich ist das gute Wetter vorbei. Es ist nass, es ist kalt, es ist nebelig und die letzten Blätter und mit ihnen ein Rest Farbe verabschieden sich mit den aufkommenden Herbststürmen. Der November wird der Katastrophenmonat für lichthungrige, ansonsten eher fröhliche Individuen, umso schwerer fällt es dem arbeitnehmenden Automobilisten, sich zu unmenschlichen Morgenzeiten aus dem weichen und warmen Bett zu quälen, sich in sein kaltes Auto zu setzen und zu einem weit entfernten Arbeitsplatz zu fahren! Entwickeln wir doch einmal gemeinsam ein paar übertragbare Rezepte, wie wir alle diese Zeit besser überstehen…
Es geht mir ganz gewaltig auf den Pinsel!
Streik bei der Nord Ostsee Bahn. Oder dem Metronom. Oder wie sie alle heißen. *gähn* schon wieder!!!? Und dabei bin ich noch nicht einmal ein regelmäßiger Bahnpendler, auch wenn das bei meinem aktuellen Kiel-Hamburg-Daimler wahrscheinlich ein bisschen wirtschaftlicher wäre. Doch was brächte mir jegliche Wirtschaftlichkeit, wenn ich in diesem Jahr gefühlt niemals pünktlich, wenn überhaupt mal irgendwann an meinem Arbeitsplatz erschienen wäre? 55 Streiktage allein bei der NOB, insgesamt im Norden schon über 70 Tage ohne oder mit stark eingeschränktem Bahnverkehr. Das muss einen durchschnittlichen, arbeitnehmenden Bürger doch maßlos ankotzen! Ich war schon immer der Schiene sehr zugetan, aber jetzt frage ich mich und Sie ernsthaft: Sind die Gewerkschaften eigentlich noch ganz dicht?
Es muss so um 1980 gewesen sein.
In der Grundschule haben wir in den großen Pausen immer Sesamstraße gespielt. Sybille war Lilo, Henning war Henning, ich war Samson (bitte an dieser Stelle keine Fragen über das warum) und die kleine rothaarige Michelle war Tiffy. Mir offenbarte sich eine derart klare Rollenverteilung, ich MUSSTE mich einfach in Tiffy verknallen. Samson und Tiffy. In einer Zeit, als die Sesamstraße noch zum all-abendlichen Pflichtprogramm eines jeden Kindes um 18:00 Uhr im Dritten zählte hört ein 10jähriger zum ersten mal bewusst das Klopfen seines Herzens. Heute, in einer Zeit, wo die Sesamstraße im frühmorgendlichen NDR Randprogramm um 6:55 Uhr nur noch halbherzig von unausgeschlafenen Vorschülern beachtet wird kann ich die Nachricht auf Facebook kaum fassen. Tiffy heiratet. Und Samson ist eingeladen…
Was für ein Unsinn
Da an dieser Stelle der eine oder andere Gastautor episch über seine ausgelebte Zuneigung zum Automobil schreibt, die sich darin manifestiert, dass er oder sie auch mal selbst Hand anlegt… also, am Auto, meine ich… möchte ich als Gastgeber nicht den Eindruck erwecken, ich würde nun GAR nichts mehr selbst machen. Aber nein. Dank der schon nahezu geschmacklosen Einfachheit meines Pendeldaimlers (im Vergleich zum Technologieträger Audi V8) habe ich mir mutig vorgenommen, noch vor Einbruch der Dunkelheit die vorderen Scheibenbremsen nebst Klötzen zu tauschen und außerdem das alte Öl aus dem Hinterachs-Differential abzulassen. Und natürlich frisches einzufüllen. Wohlan, heute scheint ein guter Tag dafür zu sein! Erwarten Sie diesmal keine Katastrophen, es erfolgt eine kleine, banale Zwischenmeldung
Es begab sich aber zu der Zeit…
… da eine Welle von Umbrüchen über das Land zog. Eine Zeit der Unsicherheit. Nach Jahren der Dürre und Entbehrung donnerte der Hammer der Veränderung brutal auf den Amboss des Lebens eines einfachen Mannes. Ein Mann, der seit er denken konnte nur in einer runden, übersichtlichen Welt seinen Frieden mit allen machen wollte. Dies ist eine kleine Geschichte über Jay T. Kieler, der in der Mitte seines Lebens noch einmal ganz von vorn anfing. Der noch nicht zu alt war, um zu merken, dass er in eine falsche Richtung lief. Der ein Jahrzehnt an Arbeit, Schweiß und truhenweise Gold aufgab für die Erfüllung eines Traums, weil er noch Träume hatte und noch nicht so ausgebrannt war, um diese nicht auch leben zu wollen. Und es ist die Geschichte von Tut-Vogel.
Herr F. wird älter.
Und es ist schon länger her als manche von Ihnen auf diesem Planeten wandeln, da hat er von einem Bekannten aus erster Hand einen VW K70 gekauft. Sein Auto. Denn es hatte damals alles, was man so braucht, und verglichen mit Käfer und Co. sogar noch einiges mehr. Die Jahre, die Jahrzehnte sind an beiden nicht spurlos vorübergegangen, weder am Käufer noch am Kaufobjekt. Ein K70 war damals nicht für die Ewigkeit gebaut worden, viel zu viele Sicken und doppelte Bleche, unlackierte Stellen und Wasserfallen gaben der braunen Pest vor fast 40 Jahren ein ungebremstes Angriffsziel auf die damals visionäre NSU Entwicklung. Und deshalb sind sie auch nahezu alle verschwunden. Herr F. ist noch da. Das Garagentor öffnet sich quietschend und zeigt, dass sein K70 auch noch da ist. Aber nicht mehr lange.
Die Sonne scheint, die Vöglein singen.
Nach diesem sumpfig-verregneten Frost-Sommer kann ich es kaum glauben und blinzel verwundert ins Licht. Hallo schöner Tag, sei mein Freund, denn ich möchte gleich mal dieser wuchernden grünen Pest den benzinverbrennenden Kampf ansagen. Mensch und Maschine. Rasen mähen mit dem Verbrennungsmotor ist fast so asketisch wie Auto fahren, und nebenbei strenge ich mich auch noch ein bisschen an und werde vielleicht um den Bauch rum etwas dünner. Also raus aus dem Schuppen mit dem guten alten Stück, den letzten Schluck Benzin tanken, primen, anreißen und mit Kampfesgebrüll von bläulichen Abgaswolken umhüllt meinen Garten entern! *KRAAACK* Nein, es ist nicht der Sprung in der Scheibe vom lieben Carglas-Profi. Der dünne, schwarze Griff ist unten stumpf vom Metall abgebrochen. Und mein Schweißgerät ist kaputt. Und Örg ist nicht erreichbar. Und jetzt?
Mann, war ich lange nicht mehr hier!
Warum auch? Für den Audi V8 gibt es keine Teile auf dem Schrott… verzeihung, beim zertifizierten Autoverwerter. Schrott gibt es seit einigen Jahren nicht mehr, heute wird ja sogar aus Fäkalien Trinkwasser gewonnen. Für V8-Teile muss man das Internet oder die privaten Halden der Community durchforsten, was zumeist zeitaufwändig und teuer ist. Und auch nicht so viel Spaß macht wie das hier
“Das hier” ist in meinem Fall die Kieler Autoverwertung, inzwischen auch eine umzäunte Hochsicherheitsanlage mit Direktverkauf, aber noch immer auf Wunsch begehbar. Ich brauche, nein ich möchte gern einen Außentemperaturfühler für meinen alten Daimler. Und der soll hier irgendwo zu finden sein…
AAAAAAHHHHHHHHHH!!!
Meinen Audi V8 hat es erwischt, und so wie es aussieht ist dieses mal ein bisschen mehr zu tun als nur eine schnelle Schrauberei vor der Garage. Vor allem fehlt mir die Zeit! Aber das ist eine andere Geschichte. Fakt: Es muss kurzfristig ein kommoder Ersatz her, der mich demnächst nahezu täglich von Kiel nach Hamburg und wieder zurück tragen soll. Und der das extrem zuverlässig bewerkstelligt, ohne viel zu kosten. Geht nicht? Gibts nicht. Meine Favoriten: Ein Ford Scorpio (die letzte große deutsche Designfäkalie) oder – aus verschiedenen im September noch zu definierenden Gründen – ein Daimler. Ein möglichst genügsamer, aber bequemer Benz. Ein robuster ständiger Begleiter mit einem Stern auf der Haube. In Kiel steht gerade so einer bei einem privaten Anbieter auf dem Hof, keine 10 Kilometer weg, schwarz, noch TÜV und keine 1000 Euro. Na – den gucke ich mir doch mal an…