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Sandmann fährt alte, kantige und durstige Autos mit Seele. Was im Alltag nicht immer einfach ist. Dies ist sein Tagebuch.
Rudolf ist kein Traumwagen. Er ist ein Diesel, ein 16 Jahre alter TDI, ein Kombi, zudem auch noch grün und schon recht betagt. Aber er nennt sich inzwischen mein Freund und wird mich die kommenden fünf Tage begleiten. Ich werde viele viele Traumwagen fotografieren, wie man das so als Redakteur macht. Nur – dass ich so blöd bin, und auf eigener Achse reise. Was nimmt der bloggende Redakteur so mit?
Schatz, hast du auch den Herd ausgemacht? Kennen Sie es, dieses Gefühl, irgend etwas vergessen zu haben, vornehmlich wenn man gerade urlaubsreif am Flughafen steht und in den Süden will? Schicksalshaft und unerwartet passieren offensichtlich auch mal blöde Sachen, wenn man nicht aus Versehen etwas vergessen hat. Wir hören sie dann beispielsweise im Verkehrsfunk. Ich finde es erschreckend, wie oft da die Rede von einem brennenden Fahrzeug ist. Oder wir kommen direkt am Ort des Geschehens vorbei, bremsen, wenden und stehen sprachlos vor einem Urlaubstraum, der keiner mehr ist…
Kennen Sie das fröhliche Kirchenlied von Martin Gotthard Schneider noch aus dem Jugendgottesdienst, der Jungschar oder von den Pfadfindern? Tankeeee….. für jeden neuen Taaag. Morgen ist der 1. März 2012. Wahrhaftig kein denkwürdiges Datum, würde nicht ein Thema die digitalen Welten entzweien – mal wieder. Die Benzinpreise! Auch hier haben wir es schon von links nach rechts gekrempelt, und dieses mal wird gut vernetzt zu einem großen Tankboykott an eben jenem 1. März aufgerufen. Wir sollen an diesem Tag nicht tanken. Machen Sie mit? Finden Sie das albern? Haben Sie andere Getanken? Ich habe mir einmal ein paar zum Thema gemacht und bin auf Ihre Meinung gespannt.
Eine kleine Geschichte über… nichts.
Zeit. Das halbfinnische Fräulein Altona verweilt dieser Tage aus dem einen oder anderen Grund in Berlin und in Kölle, ist also temporarily not available, um es einmal wie mein Telefon auszudrücken. Meine minderjährige Brut treibt sich das bevorstehende Wochenende organisiert jenseits der Casa Sandmann rum. Und was mache ich selbst nun aus diesem unerwarteten Freizeit-Loch? Hm. Rudolf ist vollgetankt, und alles in mir drängt laut und eindringlich nach einer kleinen Pause.
Hallo Dänemark. Du kommst mal wieder wie gerufen. Was spricht gegen einen kleinen egomanen Roadmovie, nur ich und mein Auto und Musik über 200 Kilometer? Und am Ende der Strecke warten Wasser, ein Horizont und ein guter Freund in einem knusprig geheizten Haus. Das klingt gut. Also los.
Sie pendelt wieder, die automobile Elite des Schrauberwahnsinns. Gestern Abend aber hatte ich zunächst nichts Besseres zu tun, als meinen dieselnden Rudolf seufzend vor der Tür meines halbfinnischen Fräulein Altonas abzustellen und dem kälter werdenden Tag adios zu sagen. Ich hätte wohl noch tanken können, 1200 Kilometer sind rum, aber ich war zu müde. Das kann ich ja auch heute machen. Heute will ich bei strahlendem Wintersonnenschein über setzen auf die andere Seite des Nordens, nach Kiel, um die geneigte Leserschaft mit salbenden Salven von Buchstaben und Phrasen zu unterhalten – und mein Pendelkombi springt nicht an! Das als nahezu unzerstörbar und zuverlässig geltende heizölverbrennende Aggregat orgelt und dreht, aber es will sich kein rechter Verbrennungsvorgang einstellen. Und das bei -8 Grad. Toll. Und jetzt???
Zumindest das rechte Radlager von Rudolf…
Was haben Sie so zwischen den Tagen oder über Silvester gemacht? Oder gar am Heiligen Abend? Familienfeiern? Schöne Momente mit den Menschen, die Sie lieben? Na super, ich habe da eine Alternative der ganz besonderen Art: Radlagerwechsel an der Hinterachse eines 1996er Passat TDI, im seichten Nieselregen, ohne Halle oder Werkbank. Direkt am Straßenrand, am Morgen des Heiligen Abends. Damit das Fest stattfinden kann und der Jahreswechsel nicht unter dem Credo “Rad ab” stattfindet… Und das alles mit einer kräftigen Prise Symbolcharakter. Jungejunge…
Was ist denn hier bloß in den letzten Wochen los? Also, hier, auf der A7 zwischen Kiel und Hamburg? Ich pendel die Strecke regelmäßig seit Anfang September, und immer war mehr oder weniger alles okay. Das hat sich geändert. In diesen Tagen und Wochen wohnt hier jeden, JEDEN Morgen ein respektabler Stau ab Quickborn. Für die Südlichter unter Ihnen – das ist vom klassischen Nadelöhr Elbtunnel noch runde 25 Kilometer entfernt, damit hat es also nichts zu tun. Na denn. Das geht so nicht weiter. Also setze ich meine Papiertüte auf den Kopf und fahre die Strecke heute in dieser Form ein letztes mal…
Ein mal noch unter dem Stern über den Highway…
Und dann ist Schluss. Schluss mit Super Bleifrei! Bei aller Landstraßen-Romantik, aber ich habe die Kosten selbst bei einem für dieses Modell moderaten Verbrauch von gut 10 Litern auf 100 Kilometern unterschätzt. Auch wenn ich sie ganz leicht hätte ausrechnen können, aber so sind wir Männer nun mal. Spielkinder, die ihr Spielzeug bis kurz vor Walhalla verteidigen. Mit der A7 ist im Jahr 2012 für mich auch Schluss. Aber das ist eine andere Geschichte, heute geht es zunächst ein weiteres mal auf die beliebte Achse zwischen Kiel und Hamburg…
Ich verkünde das offizielle Ende einer Mini-Ära. Drei Monate ich und der dicke Daimler, das war aus Komfortgesichtspunkten durchaus eine positiv colorierte Grenzerfahrung. Und auch wenn der Durst des alten Herren mit 10 Litern Super für seine Leistung und sein Alter angemessen ist – für einen Pendler mit einer Strecke von 200 Kilometern am Tag geht das zu sehr ins Geld. Für die Taler könnte ich mir lieber ein paar schöne entspannte Tage an der Seite meines halbfinnischen Fräulein Altonas gönnen. Aber Bahn fahren will ich auch nicht jeden Tag. Also? Es muss ein anderes Auto ran, erstmal, eines mit genügsamem Durst und der Robustheit einer Deutschen Eiche. Am Freitag geht es über ein paar Umwege Richtung Thüringen. Sandmann kauft sich… *nnghhhhh* … einen KOMBI!
Schlimmer gehts immer.
Habe ich mich nicht vor einiger Zeit noch episch über die verblödenden Teleshopping-Kanäle und Dauerwerbesendungen im Deutschen Fernsehen aufgeregt? Ha. Gerade habe ich mein Nirvana gefunden.
gniiihihi… Hier haben wir endlich mal einen Homeshopping Kanal, der hochwertige Produkte zu sagenhaften Preisen anbietet und auf gänzlich unaufdringliche Art den allgemeinen Autofahrer einfach nur… bereichert… Ich bin ja so glücklich und freue mich maßlos, Euch und Ihnen an dieser Stelle mal unverhohlene Superwerbung auf die Augen und auf die Ohren drücken zu können!