Die Technik um autonomes Fahren schreitet immer weiter voran und mit unter anderem Mercedes und Audi befinden sich auch so einige deutsche Autohersteller an der Spitze der Forschung. Einen großen Teil dieser Forschung erledigen die Konzerne jedoch nicht in Deutschland – das verhindern die hier geltenden Gesetze. Mit dem Ziel innerhalb der nächsten fünf Jahre weltweit wichtigster Anbieter für selbstfahrende PKWs zu werden, plant die Bundesregierung einige neue Gesetze.

Der jetzige Stand

Während deutsche Autohersteller definitiv ihren Teil zur Forschung im Bereich autonomes Fahren beitragen, tun sie dies vor allen Dingen in Amerika. Grund dafür sind vor allem die hier geltenden Gesetze: Zwar bietet Deutschland mit einem Teilstück der A9 eine Teststrecke für die selbstständigen Personenkraftfahrzeuge an, doch bei der Autobahn handelt es sich auch um die einzige Straße, auf der die Fahrzeuge im echten Verkehr zum Einsatz kommen. In Amerika hingegen dürfen die Wagen von Google und Co. unter Umständen auch ohne EInschränkungen auf die öffentlichen Straßen.
Das könnte sich jedoch schon bald ändern: Noch vor wenigen Monaten hieß es, dass der Fahrer zu jeder Zeit die Kontrolle über die Technik und das Auto haben muss. Aber mit der A9 als erster Schritt in Richtung Straßenzulassung für autonome Autos plant Verkehrsminister Alexander Dobrindt Deutschland attraktiver für Hersteller selbstständiger PKWs zu gestalten und sich so zu einem der wichtigsten Anbieter der fahrerlosen Wagen zu entwickeln.

Von null auf Führungsposition in fünf Jahren

Innerhalb der nächsten fünf Jahre will Deutschland auf eine Führungsposition beim Thema autonomes Fahren aufsteigen. Die A9 war dabei der erste Schritt, doch das sei noch nicht genug, so zum Beispiel der Volkswagenchef Martin Winterkorn. Sollte die Bundesregierung beispielsweise keine weiteren Teststrecken eröffnen, drohe die Forschung immer weiter nach Kalifornien abzuwandern.
Die Bundesregierung kommt diesem Wunsch zumindest teilweise nach: Zwar gab sie in dem Sachstandsbericht zum Thema autonomen Fahren an, dass vollautomatische PKWs bisher nicht zu den Diskussionsthemen gehören, allerdings plant sie sich zumindest für Assistenz-Systeme und zeitweilige Kontrolle des Autos durch Soft- und Hardware stärker einzusetzen. Bis zum September 2015 will Dobrindt zumindest „erste Eckpunkte“ vorlegen.

Dem Sachstandsbericht zufolge scheint sich Deutschland mit der Unterstützung für vollständig autonomes Fahren auch noch einige Zeit zu lassen: Nicht nur macht der Bericht auf zahlreiche rechtliche Fragen aufmerksam, sondern gibt auch an, dass vor allen Dingen Innenstädte kaum beherrschbar für die Sensoren der selbstständigen Auto seien. Auch Ralf Herrtwich, Daimlers Leiter im Bereich autonomes Fahren, glaubt, dass völlig selbstständige Autos wohl erst 2030 straßenreif sind.

Rechtliche und ethische Fragen

Das größte Problem, das sich der Bundesregierung stellt, ist die Anpassung der Gesetze und Verordnungen für den Straßenverkehr. Mit Fahrtfehlern als Ursache von 90 Prozent aller Unfälle sollen autonome Fahrzeuge die Straßen sogar sicherer gestalten, doch vor allem einige ethische Fragen bleiben bestehen. Kommt ein selbstständiges Auto beispielsweise in eine Situation, in der sich ein Unfall nicht mehr vermeiden lässt – wie wählt das Auto die richtige Vorgehensweise für die Situation? Läuft ein Kind plötzlich auf die Straße, bremst es einfach oder weicht es in die Menschenmenge am Straßenrand aus? Wer wählt aus, wessen Leben gefährdet wird? Weitere Probleme drehen sich unter anderem um die Schuldfrage im Falle eines Unfalls, doch zumindest Google gab an, für alle Fehler ihrer Systeme Verantwortung zu tragen. Eine Blackbox, wie sie schon in Flugzeugen zu finden ist, ist auch eine Möglichkeit, Schuldfragen zu klären.

Deutsche Fahrer noch nicht an Bord

Jedoch ist nicht nur die Regierung beim Thema autonomes Fahren zaghaft: Auch die deutschen Autofahrer haben das ein oder andere Bedenken zu den selbstständigen Fahrzeugen. So gaben bei einer Umfrage von „Die Welt“ knapp 42 Prozent der Befragten an, sich durch autonome Autos in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt zu fühlen. Auch glauben 31 Prozent noch immer, dass die Roboterautos Gefahr für Fahrer und Beifahrer darstellen, obwohl die Fakten die Sicherheit autonomer Wagen bestätigt: Google beispielsweise geriet während ihrer nun schon mehrjährigen Testphase in nur zwölf Zwischenfälle – in jedem Fall sorgten aber die jeweils anderen Verkehrsteilnehmer für die Unfälle.

Google plant bis 2017 die ersten vollständig autonomen Wagen auf die amerikanischen Straßen loszulassen. Herrtwich rechnet wie schon erwähnt erst 2030 mit der Straßenzulassung, die meisten anderen Hersteller sehen die selbstständigen Autos bis etwa 2020 auf den verschiedenen Straßen. Eine Führungsposition Deutschlands scheint innerhalb der nächsten fünf Jahre also durchaus unwahrscheinlich, zumindest sollte sie komplett autonome PKWs, wie im Sachstandsbericht verkündigt, weiterhin ignorieren. Ob sich ihre Entscheidung mit der fortschreitenden Forschung in Amerika ändert und ob die deutschen Straßennutzer ihre Meinung zu den Roboterautos in der näheren Zukunft überdenken, bleibt also abzuwarten.