Geschrieben am 19.07.2012 von .

Zum Wunschauto durch Kauf oder Leasing?

leasing

Kaufen oder leasen?

Wer in der glücklichen Lage ist, sein Auto bar bezahlen zu können, sollte das tun. Das optimiert nicht nur die Verhandlungsposition, sondern ist zudem die günstigste Lösung – geliehenes Geld kostet den Kreditnehmer immer Leihgebühren. Doch ist eine Barzahlung nicht mögich, stellt sich die Frage der passenden Finanzierung über einen Ratenkredit oder einen Leasingvertrag.

War Leasing als Finanzierungsform beim Autokauf bislang fast ausschließlich für Geschäftskunden interessant, wählen auch immer mehr Privatkunden diese Form der Autofinanzierung (ca. 20 Prozent) – nicht zuletzt aufgrund der geringeren psychologischen Hemmschwelle, die der Abschluss eines Leasingvertrages gegenüber dem Kredit mit sich bringt.

Eigenschaften von Leasingverträgen

Leasingverträge haben einen ähnlichen Charakter wie Mietverträge. Im Gegensatz zur Miete wird jedoch die mietvertraglich geschuldete Wartungs- und Instandsetzungsleistung bzw. der Gewährleistungsanspruch auf den Leasingnehmer umgewälzt und nicht durch den Vermieter getragen.

Als Leasinggeber treten neben unabhängigen Leasingunternehmen auch mit den Interessen einer Bank oder eines Herstellers verbundene Leasingunternehmen auf – wie es beispielsweise beim Autoleasing der Fall ist. An Leasinggeschäften können darüber hinaus neben dem Leasinggeber, -nehmer und dem Lieferanten weitere Parteien wie Kautionssteller oder Bürgen, Vermittler und Banken beteiligt sein.

Leasing lässt sich nach zahlreichen Aspekten klassifizieren. Die für den Autokauf relevanten sind vor allem das Kilometer- und Restwertleasing.

Beim Kilometerleasing erfolgt eine Abrechnung über die gefahrenen Kilometer. Diese werden bei Vertragsabschluss für die gesamte Laufzeit vereinbart. Fährt der Kunde mehr, muss er pro Kilometer einen zuvor vereinbarten Satz nachzahlen, fährt er weniger, bekommt er für jeden Kilometer Geld zurück. 2.500 Kilometer Mehr- oder Minder-Fahrleistung bleiben bei der Berechnung unberücksichtigt.

Beim Restwertleasing wird ein Wert festgelegt, den der Kunde am Ende der Vertragslaufzeit als Abschlusszahlung leisten muss. Liegt der von einem Gutachter ermittelte Fahrzeugwert bei Vertragsende unter dem kalkulierten Restwert, muss der Kunde nachzahlen. Wird das Auto für einen höheren Betrag veräußert, erhält der Kunde vom Mehrerlös 75 Prozent, die Leasinggesellschaft 25 Prozent.

Vorteile von Leasing gegenüber dem Kreditkauf

Kein Wertrisiko

Einen wesentlichen Aspekt beim Autokauf stellt der Restwert eines Autos dar. Der Wertverlust eines Fahrzeuges beginnt bereits mit der Zulassung, ohne dass das Fahrzeug einen einzigen Kilometer gefahren ist. Dementsprechend erweist sich das Leasing als risikoärmere Alternative: Während beim Kauf über Kredit einzig und allein der Kunde den Wertverlust zu tragen hat, spielt dieser beim Leasing nur im Falle eines Restwertvertrages eine Rolle, wohingegen beim Kilometerleasing ausschließlich die Laufleistung von Bedeutung ist.

Geringe Kosten

Die geringeren Kosten stellen den wichtigsten Vorteil des Leasings gegenüber dem Ratenkauf dar. Der Kunde leistet eventuell eine geringe Vorabzahlung in Höhe von 20 Prozent des Neupreises und kommt dann lediglich für die Nutzung auf. Für Kleinwagen kann durchaus eine Leasingrate von 50 Euro ausreichen, die im Haushaltsbudget kaum auffällt. Darüber hinaus sind keine finanziellen Vorleistungen notwendig, da sich das Objekt durch produktive Nutzung laufend selbst finanziert („Pay as you earn“-Effekt/Kostenkongruenz).

Kreditrahmen bleibt erhalten

Für den Kunden bedeuten die geringen monatlichen Kosten der vollständige Erhalt des Liquiditätsrahmens: Ein mit Banken vereinbarter Kreditrahmen bleibt uneingeschränkt erhalten und wird durch die Leasinginvestition nicht in Anspruch genommen.

geringe Bonitätsanforderungen

Vorteilig wirken sich außerdem die geringen Anforderungen an die Bonität des Kunden aus. Während für den Abschluss eines Kreditvertrages eine umfassende Auskunft gegeben werden muss, gelten für Leasingsverträge weniger strenge Kriterien, da das Risiko durch die monatlich geringeren Raten für die Banken geringer ausfällt.

Individuelle Vertragsgestaltung und hohe Kalkulationssicherheit

Die Leasingrate wird auch langfristig nicht von Zinsänderungen beeinflusst und dient so als sichere Kalkulationsgrundlage während der gesamten Vertragsdauer. Höhe der Leasingraten und Vertragslaufzeit stehen von Beginn an fest, wobei eine individuelle Vertragsgestaltung in Bezug auf Laufzeit, Amortisations- und Zahlungsverlauf sowie die Zahlungsweise Anpassungen an verschiedene Bedürfnisse ermöglicht.

Weitere Vorteile für Geschäftskunden

Leasingverträge sind aufgrund der steuerlichen Vorteile insbesondere für Geschäftskunden attraktiv, da sie im Vergleich zu Kaufverträgen einige Besonderheiten aufweisen, die finanzielle Vergünstigungen ermöglichen.

Bilanzneutralität

Für Geschäftskunden hat Leasing den Vorteil der Bilanzneutralität, also einer gleich bleibenden Eigenkapitalquote, da das Fahrzeug nicht erworben wird und sich damit der Firmenbesitz nicht verändert. Die Leasing- bzw. Mietaufwendungen werden dabei in der Gewinn- und Verlustrechnung als Betriebsausgaben verbucht und senken damit den Gewinn. Dementsprechend erweist sich das Leasing einfacher in der Buchhaltung, da sich der Betriebsbesitz nicht verändert und damit keine Abschreibungen getätigt werden. Bei nicht bilanzierungspflichtigen Freiberuflern, Behörden, Vereinen usw. kommen diese Vorteile im Unterschied zu gewerblichen Leasingnehmern nur teilweise zur Geltung.

Steuerliche Vorteile

In Deutschland sind die Leasingraten für die Einkommensteuer und Körperschaftsteuer als Betriebsausgaben steuerlich voll abziehbar, sofern der Leasingnehmer das Leasingobjekt nicht aktivieren muss. Damit wird durch die Nutzung des Leasingobjektes der Gewinn geschmälert, ohne dass sich der Betriebsbesitz verändert, was durch den Kauf eines Autos der Fall ist. Zudem ist die Abschreibung des Autos aus dem Betriebsvermögen ein komplizierterer Vorgang in der Buchhaltung.

Vorteile der Finanzierung

Das Leasing bietet jedoch nicht nur Vorteile gegenüber der Finanzierung des Fahrzeugs über einen Kredit – schließlich stellt das Fahrzeug lediglich eine Leihgabe dar.

Kein Erwerb von Eigentum

Der Leasingnehmer erwirbt kein Eigentum am Leasinggut und kann das Fahrzeug damit nicht bei Nichtnutzung oder Liquiditätsproblemen veräußern.

Wird das Fahrzeug innerhalb der Leasingvertragslaufzeit gestohlen oder in einen Unfall verwickelt, ersetzt zwar meist eine abgeschlossene Versicherung den Objektverlust, der Leasingnehmer muss aber für die vorzeitige Beendigung des Leasingvertrages Gebühren und Schadensersatz an die Leasinggesellschaft zahlen. Ähnliche Problematik gilt jedoch gleichermaßen bei der Finanzierung über Ratenkredite, da der Wertverlust mit der Neuanschaffung proportional höher ist, die Tilgung jedoch aufgrund des hohen Zinsanteils zu Beginn gering.

Ferner gibt es bei der Rückgabe von Leasingfahrzeugen häufig Streit um die Unterscheidung von normalem Verschleiß und vom Leasingnehmer zu tragenden Instandhaltungskosten. Während beim Kauf über die Finanzierung kleinere Mängel von einem Besitzer häufig akzeptiert und aus wirtschaftlichen Gründen nicht repariert werden, ist ein Leasingnehmer hingegen auch bei kleineren Mängeln an die Instandhaltungspflicht gebunden.

Verfügungsbeschränkungen und Verpflichtungen

Während ein Leasingauto ein Mietobjekt darstellt, geht ein über einen Kredit finanziertes Auto in den Besitz des Käufers über. Damit einher gehen für das Leasing Verpflichtungen wie die Einhaltung der Inspektionstermine und regelmäßige Wartung und Pflege, um am Ende der Vertragslaufzeit keinerlei Nachteile durch einen verminderten Restwert zu haben. Darüber hinaus sind bei Kilometerleasingverträgen Einschränkungen hinsichtlich der Laufleistung gegeben, sodass der Leasingnehmer nur wenige Sonderfahrten unternehmen kann. Ein Käufer ist hinsichtlich seiner Nutzungsmöglichkeiten weit weniger eingeschränkt.

Tatsächliche Kosten nur schwer einschätzbar

Durch die zahlreichen Forderungen zur Beseitigung von Mängeln sind die tatsächlichen Kosten am Ende der Laufzeit insbesondere eines Restwertleasingvertrags sehr schwer einschätzbar. Schließlich bilden Faktoren die Berechnungsgrundlage, die der Vertragsnehmer nicht beeinflussen kann: Der Restwert zum Zeitpunkt der Rückgabe stellt einen Vertragsbestandteil dar, was insbesondere dann unvorteilhaft erscheint, wenn das Auto einen Unfall hatte. Nach der Rückgabe des Fahrzeugs wird der Händler den Wagen zu einem möglichst hohen Preis veräußern, wobei jedoch die Gefahr besteht, dass der veranschlagte Restwert nicht erzielt wird. Für diese Verlustspanne ist der Käufer haftbar, wobei dies durch die eigenständige Suche nach einem Käufer behoben werden kann. Alternativ ist ein kilometerabhängiges Leasingprogramm sinnvoll, bei dem nach Ablauf des Vertrags lediglich die gefahrenen Kilometer berechnet werden – selbstverständlich müssen auch Schäden, die im Zeitraum der Vertragslaufzeit entstanden sind, behoben werden.

Verhandlungsspielraum

Beim Kauf eines Autos über einen Kredit besteht Verhandlungsspielraum für den Käufer hinsichtlich Boni und Rabatten, was es beim Leasing nicht gibt. Leasinggesellschaften bieten zwar immer wieder Aktionen an, in denen Nachlässe auf das Fahrzeug eingeräumt werden, diese sind allerdings für den Leasingnehmer nicht immer nachvollziehbar.

Fazit

Nach Meinung einiger Experten ist Privatleasing dann sinnvoll, wenn der Leasingnehmer von Beginn an die Rückgabe des Leasingobjektes zum Vertragsende plant. Welches Angebot für private Kunden das günstigste ist (Leasing, Finanzierung Herstellerbank, Finanzierung Hausbank, Barkauf), lässt sich relativ leicht durch Aufsummierung des Barwerts aller Kosten (Anzahlung, Summe der Raten, ggf. Abschlusszahlung) ermitteln. Ein Vergleichsrechner findet sich bei der Stiftung Warentest.

Autokäufer, die alle zwei bis drei Jahre ein neues Fahrzeug mit einer relaativ niedrigen monatlichen Rate bei gleichzeitig geringen Kosten für Wartungen, Inspektionen und Reparaturen haben wollen, sollten über das Leasing nachdenken. Autofahrer, die hingegen mehr als 15.000 Kilometer im Jahr unterwegs sind und den Erwerb von Eigentum anstreben sollten Sie sich für eine Finanzierung mithilfe eines Kredits entscheiden.

In Kooperation mit autokredit.net. Hier finden Sie auch weiterführende Informationen rund um die Autofinanzierung.

cbrauer

Celia Brauer

Ich blogge auf verschiedenen Blogs. Hier lasse ich mich über Themen rund ums Auto aus.

Meinungen zu Zum Wunschauto durch Kauf oder Leasing?

  1. Am:
    10.08.12
    Um:
    13:59
    Von:
    Auto Freak

    Danke für die guten Tipps, sehr netter Artikel.

  2. Am:
    13.08.12
    Um:
    23:24
    Von:
    Akbulut Yasin

    Hallo ich bin Taxiunternehmer in Tübingen. Seit letztes Jahr habe ich etwas neues in Visier…Da ich mich mehr um organisatorische Dinge kümmere in meinem Taxiunternehmen brauche ich natürlich auch einen fahrbaren Untersatz…Also erkundigte ich mich über einen Mercedes Neuwagen..Sollte ich es nun Kaufen oder Leasen? Kam ein kumpel fragte mich…warum nicht Mieten??? Dieses Thema war ziemlich Neuland für mich…Ich liess mir die Sache etwas näher erläuten…Tatsächlich sowas gab es bei Mercedes dass man sich sein Wunschauto mieten konnte für 1 Jahr für 2 Jahre…und monatlich ich nenne hier nicht den richtigen Preis ca 350€ um den dreh rum…warum sollte ich einen teueren Kreditaufnehmen mit einem vielleicht nicht so billigen Zinssatz? Warum sollte ich teuere Leasinggebühren zahlen??? und ich habe mal im Vertrag nachgeschaut, nur für etwas mehr Aufpreis kann man die Jahreskilometer Laufleistung hochstocken…
    Aber probieren sollte man es…
    Gruss aus dem Süden
    Taxi Tübingen Akbulut

  3. Am:
    22.08.12
    Um:
    16:41
    Von:
    fracht

    danke für den Hinweis!

  4. Am:
    30.12.13
    Um:
    13:29
    Von:
    Hannes K.

    Zunächst: Das ist ein ausgezeichneter Artikel, der einen guten Überblick über das Auto-Leasing gibt und kaum einen Blickwinkel auslässt.
    Ich bin auch der Meinung, dass Leasing finanziell nur für Firmen bzw. Selbstständige lukrativ ist.
    Aber einen Vorteil hat der private Leasingnehmer. Er kann das Fahrzeug ausgiebig lange testen und so feststellen, ob das Auto wirklich seinen Ansprüchen genügt. Der Kraftstoffverbrauch tatsächlich der Herstellerangabe entspricht und ob es nicht ein “Montagsauto” ist und mehr in der Autowerkstatt als auf der Strasse ist.
    So manch ein Fahrer eines Leasing Fahrzeug -ob Privat oder Firma- hat schon drei Kreuze gemacht, als er das Auto endlich wieder abgeben konnte.

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