Geschrieben am 22.01.2012 von .

Es riecht gar wunderBaumbar.

Ja, was riecht denn da jetzt schon wieder?

Kombi? Braucht man nicht?

Kombi? Braucht man nicht?

Ich habe mich schon zu früheren Zeiten als Freund der künstlichen Aromen geoutet. Seit ich im Paläozoikum des anfänglichen Zwanzigeralters bei einem Fähnchenhändler an der B76 in einen wahnwitzig großen Amischlitten glitt, der nicht nur plüschig und holzfurnierig war, sondern auch nach Vanille-Wunderbaum roch, bin ich den olfaktorischen Erlebnissen im Auto verfallen. Seit ich wiederum auf der Mercedes-Benz “Senses” Veranstaltung im Herbst erfahren habe, dass die handelsüblichen Riech-Derivate durchaus gesundheitsschädlich sein können stehe ich vor einem Dilemma: Wie ein Neuwagen werden meine Gebrauchs-Höhlen sowieso nie riechen, und der Supermarkt-Dufter ist nun verpönt. Also was mache ich jetzt?

Irgendwas riecht hier sehr intensiv.

Was riecht denn hier?

Was riecht denn hier?

Kaum bin ich in meinen Rudolf-Passat eingestiegen, umschmeichelt er mich. Ein Geruch nach unberührten Wäldern, nach Freiheit, Moos und Pilzen. Nicht nach den Pilzen, die sich im Fußraum der Autos meines Freundes Örg wiederfinden, wo auch durchaus mal Gras auf den feuchten Fußmatten wächst. Nein. Ich rede von den Pilzen, die einen anlächeln und die gegessen werden möchten. Unschuldige Rehe springen scheu über einen Wall aus Laub und Ästen, ein Kuckuck singt auf einem fernen Ast leise “Kuckuck” und ein Specht klopft seine einsame Ballade in einen morschen Stamm in der Hoffnung, der Rinde ein paar saftige Maden zu entlocken. Ja, so riecht es hier in meinem Auto. Das macht mich ein bisschen nervös, ich hatte maximal ein paar Nyancen Vanille von der frischen Schote erwartet, die ich auf Anraten meines halbfinnischen Fräulein Altonas naturbelassen und so gar nicht synthetisch in die Luftschlitze steckte.

irgendwo da hinten

irgendwo da hinten

Als Kind der 70er und 80er gucke ich natürlich immer zuerst einmal nach hinten, wenn ich in einem Auto sitze und das Gefühl habe, etwas ist anders als sonst. Wären wir in einem amerikanischen Film, vielleicht in dem amerikanischen Auto von damals (mit dem Vanille-Wunderbaum), dann spränge nun wahrscheinlich ein Serienkiller von dem geräumigen Rücksitz ins Bild und metzelte mich farbgewaltig weg. Oder ein Zombie, das gefiele dann SeineKleineSchwester besonders gut. Doch nein, es ist 2012, wir sind in Deutschland und ich sitze in einem durch und durch deutschen Auto, was einfach sehr doll nach Wald riecht. Warum habe ich eigentlich nicht die Papiertüte auf dem Kopf? Irgendwann breche ich noch mal mit ALLEN Vorsätzen, die ich mir je gemacht habe… Da ist ein Wunderbaum. In der Tat.

Die Quelle des Schnupperns

Die Quelle des Schnupperns

Geboren von einem harmlosen Tannenzapfen in einem nachhaltig geforsteten Wald, gelitten unter dem Förster Pilatus, gekreuzigt, gefällt und verkauft. Hinaufgestiegen in das Reich Altona. Nach vier Wochen auferstanden von den Weihnachtstraditionen. Eingelagert in den Kombi. Er sitzt zum Nacken Sandmanns, seines entmachteten Begleiters, unser Blogger. Von dort wird er riechen, für die Lebenden und die Fahrenden. Amen. Den habe ich ganz vergessen. Wir haben ihn zerschnibbelt, weil es irgendwie eines schönen Weihnachtsbaumes unwürdig ist, nach dem Fest am Straßenrand zu enden. Vielmehr soll es ein traditionelles Bikebrennen Ende Februar geben. Norddeutsche werden den Begriff kennen :-) Ja, also… Wie dem auch sei, ich fahre seit Tagen mit einem entweihnachteten Tannenbaum hinten im Kombi (braucht man nicht) herum, das hatte ich ganz vergessen…

Ach, das ist schon ganz okay

Ach, das ist schon ganz okay

Sie sind ja nun vermutlich schon ein bisschen länger an meiner Seite, deshalb werden Ihnen solche Begriffe wie Haptik, Akustik oder Olfaktorikinzwischen geläufig sein. Wenn nicht, googeln sie diese und geben Sie auf der nächsten Party im Smalltalk damit an. Dieser Baum riecht wunderbar. Es ist ein Wunderbaum. Ich muss ihn heute rausnehmen, weil ich sonst viele trockene Tannennadeln in allen erdenklichen Ritzen der hinteren zwei Meter meines Winterautos finden werde – und das über Jahre. Was für eine wundervolle Erfahrung, diese zerschnibbelte Natur zu riechen. Da kommt kein einziger Kassendisplay-Duft-Dispenser jemals mit. Nun ist er hinten im Garten. Und was mache ich nun? Haben Sie eine Idee? Ich denke da ja an eine kleine Blumenvase am Armaturenbrett…..

Vorschläge. Ich brauche Vorschläge :-)

Sandmann

Sandmann

Jens Tanz

Ich schreibe kein Tagebuch, sondern den regelmäßigen Wahnsinn im Alltag eines Autofahrers. Unterwegs im VW K70, Passat Kombi, Audi V8 und einigen anderen skurrilen Fahrzeugen, das prägt...

Meinungen zu Es riecht gar wunderBaumbar.

  1. Am:
    26.01.12
    Um:
    00:11
    Von:
    juny79

    waaaaaah, da verwirrt man sich nach laaaaanger abstinenz hierher und was seh ich??? nen kombi!!!!! :) )))))))))))

  2. Am:
    26.01.12
    Um:
    11:37

    Ay Juny,

    da kannst du mal sehen, was passiert, wenn man zu lange abwesend ist! Kombi – braucht man nicht, hat man aber nun als Winterauto irgendwie doch. Lange Geschichte… Ich arbeite daran, dass es wieder besser wird, versprochen :-)

    Sandmann

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