Zumindest das rechte Radlager von Rudolf…
Was haben Sie so zwischen den Tagen oder über Silvester gemacht? Oder gar am Heiligen Abend? Familienfeiern? Schöne Momente mit den Menschen, die Sie lieben? Na super, ich habe da eine Alternative der ganz besonderen Art: Radlagerwechsel an der Hinterachse eines 1996er Passat TDI, im seichten Nieselregen, ohne Halle oder Werkbank. Direkt am Straßenrand, am Morgen des Heiligen Abends. Damit das Fest stattfinden kann und der Jahreswechsel nicht unter dem Credo “Rad ab” stattfindet… Und das alles mit einer kräftigen Prise Symbolcharakter. Jungejunge…

Nein, das wird nun keine Reparaturanleitung für semiambitionierte Sich-Selbstmacher. Es gibt genügend Bücher darüber, wie das geht, da brauchen Sie mich nicht zu. Es ist vielmehr… die Absurdität des Augenblicks, die ich mal loswerden muss…
24. Dezember 2012, morgens um 9:00 Uhr. Draußen kann man es als hell bezeichnen, aber das ist dann auch schon alles. Ein kalter Nieselregen geht über Kiel nieder, so einer, der auf Sie wartet, während Sie noch drinnen an der warmen Heizung stehen und das Weihnachtsoratorium im Ohr haben. Einer, der Sie innerhalb von nur 10 Minuten nass bis auf die Haut machen kann. Über die Weihnachtstage habe ich ein paar größere Fahrten zu den oben angerissenen Verwandten und Geliebten geplant, und wie an anderer Stelle schon berichtet macht die unangetriebene Hinterachse meines rußdieselnden Pendel-Kombis rechtsseitig einen Haufen Krach. Einen so großen Haufen, dass ich es nicht mehr wage, auf mein Glück in Sachen “lange nicht mehr havariert” zu vertrauen, schließlich lese ich regelmäßig von Menschen, die ein Rad ab haben. Und gerade beim alten Passat hängt dieses nur an einem seidenen Faden in Form von zwei kleinen, runden Kugelringen, nicht größer als ein festliches Teelicht. Dass die überhaupt so einen größenwahnsinnigen Krawall machen können lässt mich in Ehrfurcht schaudern.
Und auch wenn ich IHNEN hier nicht jene Reparaturanleitung anbieten will – im ach so großartigen Netz finde ICH wahre Gruselgeschichten zum Thema. Mein erstes Radlager wechselte ich eigentlich schon vor über 20 Jahren an meinem Ford Taunus und weiß seit dem, dass manchmal ein Abzieher nötig ist, aber mindestens ein Dorn und ein Hammer, um die alten Lagerschalen auszutreiben. Und eine große Portion Fett. Und eine trockene Garage, eine saubere Werkbank und ein Schraubstock, um die neuen Lagerschalen einzupressen. Und Glück, dass sich alle relevanten Schrauben nach so vielen Jahren überhaupt lockern lassen. Anbieten kann ich ein paar massive Treppenstufen, einen matschigen Straßenrand, eine grüne Acryldecke und klassisches Schrauberwerkzeug. Wo mein Abzieher ist weiß der Gott, aber der ist heute bei der Geburt seines Sohnes irgendwo in einem Stall im nahen Osten und hat genug zu tun.
Im Netz schreiben sie von allen erdenklichen Varianten. Von “kein Problem, 08/15 und in 30 Minuten gemacht” bis hin zu “das ist der Horror, die alten Schrauben abgerissen, hat das ganze Wochenende gedauert!” ist alles dabei. Einig sind sich die Autoren dieser rechtschreibfehlerschwangeren Artikel in einer Tatsache: Bevor ich die Bremsscheibe, in die beide Lagerschalen lustigerweise eingepresst sind, runternehmen kann muss der Bremssattel ab. Okay. Der ist mit zwei Inbusschrauben am Achsschenkel befestigt. Inbusschrauben!!! Welcher Idiot hat sich denn sowas ausgedacht??? Wenn die nach 16 Jahren fest sind und sich rund gnabbeln ist das Wochenende gelaufen… das darf allerdings nicht passieren. Ich brauche dieses Auto in genau 5 Stunden, um mit meinen Kindern zur Kirche zu fahren. Sie erinnern sich – heute ist Heilig Abend… Santa sei Dank, ich kann diesbezüglich schon nach wenigen Minuten Entwarnung geben. Der energisch aufgesteckte Inbus mit dem Wagenheber-Hebel als Verlängerung irgendwo im Radkasten hinter dem Stoßdämpfer passt, und nach Anwendung kurzer, aber brachialer Gewalt (gepaart mit einem Urschrei des Gewaltanwendenden) knackt der Bolzen am Bremssattel mit einem Ruck aus seiner jahrealten Parkposition in einen gelösten Zustand. Dass mich das plötzlich freigelassene Drehmoment dieses *Knacks* einen großen Teil der Haut meiner linken Hand über den inneren Radkasten verteilen lässt ist ein vernachlässigbarer Kollateralschaden angesichts der Tatsache, nun die Bremsscheibe abnehmen zu können und das Radlager zu erreichen. Wunden verbinden kann ich später.
Auf den ehrwürdigen Treppenstufen am Straßenrand meines kleinen Häuschens Baujahr 1953 sitzt es sich eigentlich bei jedem Wetter recht bequem. Einige Nachbarn kommen kopfschüttelnd vorbei, aufgedonnert und geschminkt auf dem Weg zur Weihnachtsgans, zu Würstchen mit Kartoffelsalat oder zu Schmorbraten. Was man so heute Mittag geplant hat. Im stärker werdenden Regen setze ich einen Dorn mit dem Hammer Schlag für Schlag auf den Lagerschalen an und treibe sie aus ihrer langjährigen Beziehung zur Bremsscheibe raus. Das geht wie geplant und ist auch dringend nötig, denn das Krawall verursachende Lager entblößt sich bereits und gibt seine kleinen Kugeln aus dem Verbund des Ringes willenlos frei. Wenn ich daran denke, dass da ein gesamtes Autogewicht drehend drauf lag… na egal. Anscheinend ist mir der Heilige Geist hold, oder das schwindende Jahr zeigt sich doch noch unerwartet versöhnlich. Die alten sind raus, ich bin nicht nasser als vor 30 Minuten (was daran liegt, dass ich da schon durch nass war) und im Radio spielen sie Wham’s “Last Christmas”. Ich mag das ja. Und irgendwie macht der ganze Quatsch sogar ein bisschen Laune…
Denn Schrauben schockt, wenn Schrauben erfolgreich ist. Mit einer großen Stecknuss und den alten Lagerschalen treibe ich mit leicht irrem Blick und Weihnachtslieder schmetternd die neuen Schalen wieder in die gereinigte Bremsscheibe. Lege die Lager ein, schmiere große Mengen (irgendwie viel zu flüssiges) Fett in die Walzen und die Kappe und bau das Ding wieder zusammen. Reinige die Bremsscheibe und setze sie auf die Steckachse. Ziehe den Bremssattel fest. Stelle das Spiel ein und fixiere das Lager mit der Kronmutter und einem neuen Splint. Wie jetzt? Das geht alles einfach so? Hat 2011 etwa letztendlich doch kapituliert??? Ist der ganze Scheiß, der ganze Dreck und all das Leid dieses unglaublich stressigen Jahres etwa tatsächlich… zu Ende? Es ist Euch ein Heiland geboren. Lachen Sie meinetwegen über mich, aber in diesem rechten hinteren Radlager meines Passat Variant spiegelt sich ab heute alles, was ich vom Jahr 2012, welches inzwischen begonnen hat, erwarte.
2012 wird keinen Lärm mehr machen. Das Einläuten des neuen Jahres lief ohne große Probleme, und die Wunden aus dem letzten Jahr werden verheilen. Wenn ich dabei nass geworden bin – das trocknet wieder. Die lockeren Schrauben konnte ich fest ziehen, alle beweglichen Teile sind gut gefettet. Und vor allem wird das Ding eins tun - rund laufen und mich bis zum Horizont bringen. Dorthin, wo die Sonne aufgeht.
Was erwartet Ihr vom neuen Jahr? Schreibt es auf. Umfassend und wortgewaltig. Ich glaube an die Macht der Buchstaben und den kleinen Wunschbrunnen dieser fröhlichen Gemeinschaft hier. Prost!
Sandmann






09.01.12
22:24
ParadoX
Feiertagsschrauben rockt!
Ich hab mit meinem Bruder schon am 1. Weihnachtstag (allerdings schon ein paar jährchen her) sein neues Fahrwerk in den damaligen Fiesta gebaut. Sein Auto sollte tiefer, als Azubi war kein Geld da, Federn fürn Fiesta kosten nix, also gabs die zu Weihnachten von mir. Und am Tag danach war irgendwie langeweile… Als die Omis und Opis im feinen Zwirn zur Kirche fuhren, sind wir mit drekcigen Klamotten zur Halle gezwiebelt und ham gebastelt.
Zudem steht jedes Jahr an Neujahr im noch Restalkoholisierten Zustand ein obligatorischer Ölwechsel an. Das mache ich mit nem Kumpel schon seit jeher. Irgendein Auto ist immer fällig
An Silvester wird er schon in der Garage geparkt und an Neujahr gehts dann direkt dabei. Irgendwie muss man ja den Kater los werden *lach*
Die Restauration des 64er McCormick Treckers meines Kumpels begann an Heilig Abend. Am 23.12. kaufte er ihn und am 24. ham wir den erstmal aufgrund der bevorstehenden Restauration in der Mitte gertennt um an den KW-Simmerring zu kommen. 17 Uhr gabs Feierabendbier, 18 Uhr frisch geduscht am Essenstisch. Wat willste mehr?
10.01.12
19:11
Sandmann
Ay ParadoX,
dessen Name ich vor langer Zeit mal in einem Höschen las

Eure Feiertags-Traditionen sind angenehm schräg! Also dass man über Weihnachten noch mit den Weihnachtsgeschenken spielt (die Federn…) kann ich gut verstehen. Aber am Neujahrsmorgen einen traditionellen Ölwechsel machen ist in meinen Augen schon echt hart. Selbst wenn man sich nicht in Grund und Boden gesoffen hat (mit zunehmendem Alter wird man da ja ein bisschen ruhiger…) schätze ich persönlich da doch das kuschelige Bett, duftenden Kaffee und Croissants und ein bisschen brummelnde Körperwärme von jemandem neben mir, die NOCH länger schlafen will
Aber wenn ihr das jedes Jahr macht… gibt es bestimmt eine nette kleine Ölwechsel-Bildergalerie… hihi…
Sodenn
Sandmann
10.01.12
20:36
Lucero
Heya Sandmann
Dann wünsche ich ein geräuschloses und wohlwollendes 2012!
)
(Aber die Lager würde ich paarweise tauschen…
Lucero
11.01.12
09:14
Sandmann
Ay Lucero,
danke, das gebe ich ungebremst zurüüüüück!!!
Klar tauscht man die Lager eigentlich paarweise, bei einem Stückpreis von 20 Euro tut das auch nicht weh. Aber so weit wollte ich es am Heiligen Abend nicht treiben, da habe ich erst einmal das malade Brummelteil getauscht… Na ja, und du weißt ja wie das ist. Seit dem fällt kalter Nieselregen, und irgendwie habe ich momentan keine Lust
Mach ich aber noch, mach ich aber noch… Ich habe jetzt ja Übung.
Sandmann
11.01.12
22:56
ParadoX
Hey Sandmann, dessen Namen ich neulich noch auf nem LKW las.
Bildergalerie gibts leider keine zu den Neujahrsölwechseln. Da sind wir nich zu fähig… Meistens ist das eh ein rein in die Grube, Öl raus, Filter neu, Öl rein und fertich. *puuuh war das anstrengend*
Hinterher was fein fettiges aus der Friteuse zum ausnüchtern.
Dieses Jahr durfte ich allerdings kein Öl wechseln. Die besser Hälfte wollte ausschlafen und es gab ein Autoschraubverbot.
Weißt ja: Hier hat der Mann die Hosen an! Aber die Frau sagt welche!
Tjo… Hab ich halt auf meinem Geburtstag Ölwechsel gemacht. Und den Dieselfilter erneuert. Denn irgendwie muss Tradition gewahrt werden.
Wieso tauscht man Radlager immer paarweise? Bremsen, ja. Reifen, ja. Ich tausch immer nur das Lager welches grad krach macht.
Never touch a running System.
12.01.12
09:39
Sandmann
Ay Paradox,
okay, dann konzentriert euch auf’s Schrauben und die Elektrolyte. Ich hatte nur irgendwie lustige Bilder im Kopf von zerfeierten, stinkenden Männern, die mit sagenhaftem Leidensdruck unter einem Auto liegen und versuchen, sich an die vergangene Nacht zu erinnern. Könnte man glatt einen Kalender von machen
Klar muss man Radlager eigentlich nicht paarweise tauschen, aber es ist ja zu vermuten, dass beim Tod der einen Seite die andere auch nicht mehr lange auf sich warten lässt. Okay, man kann sie auch DANN machen. Ich sehe das ein bisschen wie die Wasserpumpe beim Zahnriemenwechsel, die wirfst du auch mit raus, obwohl sie vielleicht noch dicht ist. Auch wenn die Folgen hier wesentlich aufwändiger sind…
Wenn ich dem Wind zuhöre, der ums Haus pustet und den Regen sehe, der an die Fenster klatscht denke ich momentan allerdings auch, dass so ein Radlager erst dann dran sein könnte, wenn ich es höre. Und das ist heute definitiv nicht der Fall…
Sandmann
12.01.12
23:10
ParadoX
“zerfeierten, stinkenden Männern, die mit sagenhaftem Leidensdruck unter einem Auto liegen und versuchen, sich an die vergangene Nacht zu erinnern.”
Triffts eigentlich auf den Kopf! *lach*
So gut hätte ich das nicht beschreiben können!
22.02.12
21:30
Axim
Ich tausche die Radlager immer paarweise, aber ganz wichtig: ÜBER KREUZ! Also links hinten und rechts vorne, usw. usf. Bei den Scheibenwischern mache ich das auch so, deshalb haben meine Passats auch hinten je einen zweiten Wischer nachgerüstet bekommen. Mit der Kupplung bin ich mir über die nötige Erweiterung noch nicht ganz im Klaren. So eine Doppelkupplung kostet…
22.02.12
22:07
Sandmann
gniiihihi