Ein mal noch unter dem Stern über den Highway…
Und dann ist Schluss. Schluss mit Super Bleifrei! Bei aller Landstraßen-Romantik, aber ich habe die Kosten selbst bei einem für dieses Modell moderaten Verbrauch von gut 10 Litern auf 100 Kilometern unterschätzt. Auch wenn ich sie ganz leicht hätte ausrechnen können, aber so sind wir Männer nun mal. Spielkinder, die ihr Spielzeug bis kurz vor Walhalla verteidigen. Mit der A7 ist im Jahr 2012 für mich auch Schluss. Aber das ist eine andere Geschichte, heute geht es zunächst ein weiteres mal auf die beliebte Achse zwischen Kiel und Hamburg…
Silver Bells *dschingeling* Silver Beeeeeells *ringelding*
It’s Christmas-Tiiiiiime in the cityyyy… *hach* meine Weihnachts-CD mit den guten alten amerikanischen Liedern läuft seit mehr als 10 Jahren immer um diese Zeit in meinem Auto auf Heavy Rotation. Ich höre sie mir einfach nicht über
Doof nur, dass mein Radio inzwischen in den Rudolf, den Passat TDI, eingezogen ist. Vier weitere Radios mit Euro-Steckern liegen in meiner Garage, das sollte also kein Problem sein…? Von wegen. Das original Daimler Radio sagt SAFE und bittet um den Code. Hab ich nicht. Das vorher in den Rudolfeingebaute VW Beta sagt SAFE und bittet um den Code. Verdammt. Hab ich nicht. Ein weiteres VW Gamma will überheblicherweise auch einen Code und ein viertes ganz altes Blaupunkt geht erst gar nicht an. Na super. Und jetzt? Ich fahr doch nicht die ganze Strecke ohne Musik…?
Nö. Brauche ich auch nicht. Wenn man um 6:00 Uhr aufsteht, kann man parallel zum Kaffee kochen auch noch zwei oder drei Alben auf sein Telefon bügeln und diese anschließend über die Freisprecheinrichtung hören. Das ist angeblich noch nicht mal verboten. Wenn man aber um 6:00 Uhr aufsteht, wird einem bei dem aktuellen Wetteraußerdem das ganze Drama der Müdigkeit, der Dunkelheit und der Pendel-Verzweiflung bewusst. Als ich dieses Bild von mir sah, bekam ich ein bisschen Angst. Wie alt war ich doch gleich…? Egal – hallo A7. Heute einmal ohne Verkehrsfunk, aber da ist ja sowieso der klassische Stau wegen Nichts ab Quickborn. Des Daimlers Tank ist eigentlich wegen des angedachten Verkaufs schon schön leer gefahren, wer hätte gedacht, dass ich da nochmal was reinkippen muss?
Muss ich aber. Kalt ist es außerhalb des Wagens. So kalt, dass ich in der Dunkelheit fröstelnd wieder die letzten Verkehrsnachrichten aus meinem Küchenradio erinnere, die mir etwas von Frost, Glätte und einigen Unfällen erzählten. Jetzt stehe ich hier an der Autobahntankstelle, lasse Unmengen von überteuertem Autobahnsuper in den schier endlos großen Tank gluggern und besinne mich meines Heckantriebs und meiner Sommerreifen. Aber eigentlich ist dieses Auto jetzt ja auch gar nicht hier unterwegs, das war ja nur wegen dieses LKW, der am Freitag vor mir auf die Straße… und der Zulassungsstelle, die dann… aber hören wir auf. Wenn Sie brav auf Facebook mitgelesen haben (Sandmanns Welt) kennen Sie die Geschichte, freuen sich genau wie ich darüber, dass ich noch am Leben bin und finden dementsprechend genau wie ich Glätte und Sommerreifen vor diesem Hintergrund gar nicht so schlimm
*glugger*
Stop! Heute muss ich ja gar nicht für den Gegenwert des schweizer Bruttoinlandprodukts volltanken, heute reicht ja der mittlere Schluck, der mich die insgesamt 200 Kilometer überbrücken lässt. *klick* Vielleicht ein historisches Foto, gar nicht nur wegen der 42, sondern weil wir in einigen Jahren wahrscheinlich mal wieder über einen Literpreis von 1,59 schwärmen werden. Heute ist das TEUER! Aber was soll ich machen, ich habe erst ab morgen eine andere Wahl. Ich lege noch ein Käsebrötchen und zwei Croissants oben drauf und begebe mich wieder in die kuschelige Wärme des stuttgarter Sternenkreuzers. Besser, ich rutsche heute nicht mehr irgendwo gegen, der alte Herr ist bereits bei ebay beboten worden, es wäre mir sehr unangenehm, ihn nicht im beschriebenen Zustand abzugeben…
Nach und nach dämmert es im Norden. Den leichten Schneebesatz an den Rändern sehe ich gar nicht, und das Auto schnurrt elegant und geradeaus wie immer auf der heute einmal erstaunlich freien A7. Nur die Musik in meinen Ohren geht mir gewaltig auf den Keks, was habe ich da bloß für einen Mist raufkopiert? Und die Ohrstöpsel drücken. Also raus damit, so ein Reihensechszylinder hat ja an sich schon ein recht schönes Laufgeräusch, heute lasse ich das einmal als Synfonie der letzten Reise durchgehen. Und bemerke erst kurz vor Hamburg, dass ich trotzdem leise Weihnachtslieder summe. Es geht einfach nicht ohne Musik. Aber das verlangt ja auch niemand von mir.
Höhe Schnelsen Nord, also kurz vorm Dreieck Nord-West ist IMMER Stau, und so habe ich hier noch die Möglichkeit, einen Social Media Wunsch zu erfüllen. Ein Foto von mir, wie ich ein Foto von mir mache
Das Internet ist mindestens so verrückt wie dieses Auto, aber dem Internet werde ich treu bleiben. Ein bisschen Wehmut steckt schon in mir, denn dieser Daimler fährt sich für seine 24 Jahre und 400.000 Kilometer wunderbar erhaben und elegant. Er schnurrt wie am Gummiband gezogen vorwärts und hat eigentlich genau den Zweck erfüllt, zu dem ich ihn vor 4 Monaten gekauft habe: Er hat mich jeden einzelnen Tag sorgenfrei und bequem zwischen Kiel und Hamburg befördert, alles was er dafür als Gegenleistung haben wollte war ab und an ein Schluck Motoröl und etwas häufigen einen Tank voller Super. Allerbest. Er ist und bleibt unzerstörbar!
Hallo Morgensonne. Wo kommst du denn auf einmal her? Ich hasse die kalte Jahreszeit, in der ich diesen wunderbaren gelben Ball über der Elbe immer erst zu sehen bekomme, wenn ich schon an meinem Schreibtisch sitze. Und das warme Ding verschwindet außerdem schon wieder, lange bevor ich mich überhaupt in mein Auto setze und den Heimweg antrete. Das kann doch nicht gesund sein, oder? Aber was ist schon gesund in diesen Tagen? Der Mercedes, der ist gesund, und bei einer Wochenration von 1000 Kilometern sind auch so langsam alle Tankstellen zwischen Hamburg Othmarschen und Kiel Mitte gesund. Schön. Sandmann unterstützt vor sich hin kröpelnde Pächter und kurbelt die Mineralölindustrie nachhaltig an. Haha. Und *schnipps* ist der Arbeitstag auch schon wieder rum und ich gleite tatsächlich ein letztes mal auf den Federkernstuhl im Benz…
Auf den Rückstau in Richtung Norden zwischenBahrenfeld und Schnelsen-Nord, der auf genau so viel Nichts beruht wie der Hinstau, kann ich mich verlassen. Der wartet immer brav auf mich, wo soll er denn auch hin? Die butterweich schaltende Automatik werde ich ab morgen vermissen, der Passat hat ein 5-Gang-Getriebe und wird mich in diesen Situationen schön sportlich kuppeln und schalten lassen. Das ist sie also, meine letzte Fahrt in meinem ersten Mercedes. Unspektakulär. Beruhigend unaufgeregt. Sie können sich nach wie vor vermutlich nicht vorstellen, welche Gelassenheit mir ein Auto gibt, was einfach nur funktioniert. Weil Sie das von Ihren Autos wohl nicht anders gewohnt sind. In Sandmanns Welt ist das anders, aber das wissen Sie ja
Ich drehe den Schlüssel rum und ziehe ihn aus dem Schloss. Kiel. Das war’s. Du hast mir gute Dienste geleistet, mein lieber W124. Jetzt begib dich zu einem liebevollen Käufer, der deinen Wert zu schätzen weiß. Und du weißt ja – man sieht sich immer zwei mal im Leben…
Sandmann








