Freitag, 19. November 2010 Kennen Sie den: “Steht ein Elektroauto an der Tankstelle.” Haha, voll lustig, das mache ich nämlich auch gerade – mit dem Karabag 500E. Und ich t-a-n-k-e! Stinkendes, altertümliches Benzin! Das ist zwar schon paradox genug, wäre aber alles nur halb so schlimm, wenn auf der Heckscheibe nicht groß „ÄTSCH, ICH TANKE AN DER STECKDOSE“ prangen würde. Wie peinlich, der Hintermann grinst schon so blöde. Himmel, ich könnte im Boden versinken!
Was treibt mich nur dazu, ein Elektroauto mit Supersprit aufzufüllen? Die Routine? Das Hirn im Morgenmodus? Nein, das Wetter. Und die Betriebsanleitung des Karabag 500E. Gestern bei der Heimfahrt war es selbst nach fünf Kilometern drinnen noch so bitterkalt wie draußen, und über die Heizung des coolen Elektro-Fiat las ich schließlich folgende nüchterne Worte: „Beim Karabag 500E kommt ein elektrischer Zuheizer zum Einsatz. Dieser benötigt Benzin.“ Anders gesagt: Wer nicht tanken will, muss frieren.
Ich will aber nicht frieren. Zum Glück ist die denkwürdige Tankstellen-Szene am nächsten Morgen schon nach knapp sieben Litern vorbei, mehr passt nämlich nicht in den rollenden Taschenwärmer. Noch in Gedanken surre ich von der Zapfsäule los und fahre beinahe einen anderen Kunden über den Haufen. Rennt mir einfach vors Auto und … klar, und er dachte natürlich nicht im Traum daran, dass ihm ausgerechnet hier ein lautloses Elektroauto begegnen könnte. Ich merke schon, an diesem Erlebnis werde ich als Elektro-Fan noch lange knabbern.
Um auf andere Gedanken zu kommen, zähle ich die Sekunden, bis es warm wird. Nach sechzig Sekunden beschließe ich, lieber die Minuten zu zählen. Nach fünf Minuten probiere ich die andere Stellung des unscheinbaren Kippschalters in der Mittelkonsole. Immerhin, die gelbe Kraftstoff-LED leuchtet nicht mehr. Als ich am Verlag ankomme, strömt endlich muckelig warme Luft ins Cockpit. Für ein reines Kurzstreckenfahrzeug ist das natürlich nicht so toll. Kleiner Vorschlag zur Güte, liebe Experten von Karabag: Spendiert dem 500E doch eine Fernbedienung für die Standheizung, das macht den 50.000-Euro-Kohl auch nicht fett. Und der fröstelnde Pendler wird’s im Winter danken.
Am Wochenende geht’s zur Familie ins Wendland, nach Lüchow-Dannenberg. Wo vor Kurzem noch der Castor rollte. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass der Karabag bislang vermutlich konsequent mit Atomstrom betankt wurde. Ein echter Gewissenskonflikt: Zum einen will ich sauber unterwegs sein, zum anderen bitte nicht mit Kernenergie. Erst recht nicht im Wendland! Aber ich habe schon einen Plan. Und den passenden Aufkleber dazu …
19.11.10
18:49
500e
Lieber Herr Voss,
Sie haben vollkommen recht. Unsere benzinbetriebene Heizung steht im Konflikt zu unserem “Ökoanspruch” jedoch wenn man das Fahrzeug mit elektrischer Energie heizen täte, würde die Reichweite dramatisch in den Keller gehen. Um dennoch clean zu werden, verbauen wir ab Frühjahr kommenden Jahres ohne Aufpreis ein Heizung, die mit Bioethanol läuft. Dann sind wir auch da CO² frei.
Die Heizung bereits von zuhause aus per Fernbedienung zu starten, damit es kuschelig warm ist wen man ins Auto steigt, beduetet allerdings, dass man co² mehr oder weniger unnötig prduziert.
Welchen Strom die Energieriesen durch die Kabel schicken, können wir leider kaum beeinflussen. Das Konzept “vehicle to grid” wird allerdings dazu beitragen können, den Anteil sauberer Energie zu erhöhen.
Liebe Grüße
Sirri Karabag