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Stage 13: San Juan – Santa Rosa de la Pampa

Freitag, 15. Januar 2010 um 22:20 Uhr
von shoepfner

stage 13 015Worauf habe ich mich da nur eingelassen? "Ja gerne‚Äú, antwortete ich unüberlegt auf das Angebot, in einem Dakar-Buggy mitzufahren. Und das habe ich nun davon. Etwas beengt kauere ich auf dem Beifahrerplatz. Mein Puls rast schon vor der Abfahrt in die Höhe. Ein Teammitglied zurrt mich im Schalensitz fest. Philippe Gache (Foto, re.), Fahrer und Teamchef von SMG nimmt neben mir Platz und startet den Motor. Mit einem dumpfen Dröhnen erwacht der 3,0-Liter-Dieselmotor zum leben.
Wir verlassen das Camp und suchen nach einer geeigneten Offroadpassage, wo der SMG-Buggy sein ganzes Potential ausspielen kann. Philippe Gache ist sich sicher, dass 2009 in Biwaknähe eine Wertungsprüfung startete. Genau diese Stelle versuchen wir zu finden. Da wieder hunderte Menschen vor unserem Nachtlager die Straßen stürmen, wird dies allerdings zur Geduldprobe. Als wir die Zuscheuermenge hinter uns gelassen haben und auf einer Landstraße sind, tippt mein Fahrer leicht das Gaspedal an. Prompt drückt es mich in den Sitz. Dann lässt Gache den Fuß auf dem Pedal stehen und beschleunigt voll. Der Buggy federt¬† hinten ein und ich sehe durch die Frontscheibe in den Himmel. Nur mit Mühe kann ich mich aus den Tiefen meines Rennsitzes wieder nach vorne beugen. Überrascht von der ernormen Power frage ich den siebenmaligen Dakar-Teilnehmer nach dem Motor. Er erklärt: "Das Triebwerk stammt serienmäßig von BMW und wurde von der Rennsportfirma Oreca speziell für den Dakareinsatz weiterentwickelt. Jetzt leistet er 320 PS und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h.‚Äú Das Basismodell ist übrigens das Selbe, welches auch den X-Raid-BMW-Motoren als Grundlage dient.
stage 4 145Plötzlich legt Philippe Gache eine Vollbremsung hin, drückt eine Knopf ‚Äì es ist die Handbremse – und wendet mit stehenden Rädern. Er hat die Geländeeinfahrt erspäht. Vor uns liegt eine schmale sandige Hügelpiste. Wieder heult der Motor auf. Ich versuche mich noch irgendwo festzukrallen, doch es ist zu spät. Gache gibt Vollgas und reist einen Gang nach dem anderen in die Höhe. Dann die erste Kuppe, Bremse, kurzer Sprung und sofort wieder Vollgas um den Buggy zu stabilisieren. Links und rechts fliegen Steine an uns vorbei. Im Drift pflügen wir durch die flachen Büsche. Plötzlich rasen wir mit dem rechten Vorderrad in ein tiefes Loch. Ich werde völlig durchgeschüttelt und denke: "Jetzt ist das Rad ab.‚Äú Ich schaue zu Philippe Gache rüber. Doch dieser verzieht keine Miene. Er weiß was sein Buggy aushält, hat er ihn doch mit seinem Team selbst gebaut. Der enorme Federweg lässt den Buggy auch größte Unebenheiten problemlos wegstecken. Einziger Nachteil: Er wird nur über die beiden Hinterräder angetrieben, verfügt also über kein Allradsystem. Nach gut zehn Minuten beenden wir unseren Geländeausritt und kehren auf den Asphalt zurück. Auf meinem Gesicht hat sich ein breites "Dauergrinsen‚Äú eingestellt, dass noch den gesamten Rückweg anhält.
stage 13 017Jetzt weiß ich, warum die Rallye Dakar als härteste Offroad-Veranstaltung der Welt gilt. Hier wirken gewaltige Kräfte auf den Körper. Fahrer und Copilot müssen 100%ig fit sein um die mehrere Stunden andauernden Wertungsprüfungen durchstehen zu können. Dennoch kann ich jeden Teilnehmer verstehen, der hier am Start ist. Es ist einfach ein grandioses Gefühl mit einem Dakar-Boliden durch die Wildnis zu sprinten.
Am nächsten Morgen nehme ich wieder in unserer Mercedes-R-Klasse Platz. Nach meinem kleinen Ausflug kommt mir der Komfort unseres Einsatzfahrzeugs noch größer vor. Denn im SMG-Renner war die Beinfreiheit doch etwas beschränkt. Von San Rafael reisen wir zum letzten Nachtlager nach Santa Rosa de la Pampa. Und der Name unseres Zielorts ist Programm. Auf dem 547 km langen Weg verändert sich die Landschaft kaum merklich und Dörfer sind so selten wie bei einer Alaska-Expedition. Trotzdem genießen wir unsere Etappe.

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