Stage 11: Santiago de Chile – San Juan
Rückreise ins Land der Gauchos. Nach unserem neuntägigen Aufenthalt in Chile kehren wir heute über die Ruta 7 nach Argentinien zurück. Laut meines Reiseführers soll dies die meistbefahrene Verbindung zwischen beiden Ländern sein. Leider bestätigt sich diese Aussage. Das Verkehrsaufkommen ist hoch und wir kommen nur zäh voran. Zu allem Überdruss befinden sich auf dem Weg zahlreiche, nur einspurig befahrbare Baustellen, die den gesamten Dakar-Tross immer wieder ausbremsen. Einmal warten wir 25 Minuten ehe die Straße wieder freigegeben wird. Glücklicherweise haben wir keinen Zeitdruck, ganz anders als die mächtigen Renntrucks, die ihre Startzeit zur Wertungsprüfung einhalten müssen und nervös hinter uns von links nach rechts schaukeln.
Entschädigend ist wieder einmal die tolle Aussicht. Schon bei der Einfahrt ins Hochgebirge beginnt eine ehemalige Eisenbahntrasse. Die Schienenstränge sind immer wieder unterbrochen und die Tunnels sind zum größten Teil verfallen. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, wie die Menschen damals über diese Eisenbahnstrecke den Pass überquerten. Wir nehmen allerdings lieber unsere komfortable Mercedes-R-Klasse für den Anstieg auf über 3500 Meter. In endlosen Serpentinen schlängelt sich die Passstraße in die Höhe. Die Landschaft verändert sich innerhalb einer halben Stunde total. Im unteren Bereich schweift mein Blick durch ein äußerst lebendig wirkendes Tal. Dort schlängelt sich ein breiter Gebirgsfluss an der Straße entlang. Am Ufer gedeihen unterschiedlichste Pflanzenarten und majestätische Trauerweiden. Mit jedem Meter den wir aufsteigen, schwindet dann die Vegetation. Am Straßenrand wachsen nur noch kleine Büsche und in der Weite sehe ich nichts als Felsen. In diese sind in schwindelerregenden Höhen die alten Gleise der Bahnstrecke eingelassen. "Reisen war früher äußerst gefährlich‚Äú, denke ich mir bei dem Anblick und bin froh in unserer R-Klasse zu sitzen. Eine Sanierung der alten Bahnreiseroute ist übrigens schon seit Jahren in Planung.
Wenige Kilometer vor der chilenischen Grenze erreichen wir das Hotel Portillo und rasten. Beim Gang ins Restaurant werfe ich einen Blick auf die Rückseite des hohen Holzhauses. Plötzlich bin ich wie erstarrt und kann meine Augen nicht mehr abwenden. Hinter der Herberge erstreckt sich ein riesiger türkisblauer Gebirgssee vor einer Reihe schneebedeckter Andengipfel. Am Ufer hangelt sich ein Skilift in luftige Höhen. Während der Wintermonate (von Juni bis August) trainieren hier die Top-Stars der Skiszene. Im Gang hängen Autogramme sämtlicher Profiskifahrer und Mannschaften. Auch Hermann Maier und die Amerikanerin Lindsey Vonn haben sich schon verewigt.
Kurz darauf passieren wir problemlos erst die chilenische, dann die argentinische Grenze. Unseren nächsten Stopp legen wir am Fuße des höchsten Bergs Südamerikas ein. Mit 6962 Metern lockt der Aufstieg zum Aconcagua jährlich zahlreiche Besucher. Aber Vorsicht: Die Gipfelexpedition wir von Touristen häufig unterschätzt und fordert jährlich mehrere Todesopfer. Wir begnügen uns mit einem kurzen Rundgang um unsere Reise baldig fortzusetzen. Eigentlich liegt das heutige Ziel in San Juan. Wir entscheiden uns allerdings im 200 km entfernten Mendoza zu nächtigen, da die Rallye am nächsten Tag wieder dorthin zurückkehrt.
