Stage 10: La Serena – Santiago de Chile
Zurück in die Zivilisation. Die heutige Etappe bringt uns in die chilenische Hauptstadt Santiago de Chile. Rund sechs Millionen Einwohner leben in der größten Stadt des Landes. Da unser Camp 40 Kilometer außerhalb liegt, entscheiden wir uns, für diese Nacht in ein zentral gelegenes Hotel einzuchecken. Denn wir wollen den Flair Santiagos spüren. Bis wir das Hotel finden, vergeht allerdings einige Zeit. In den vielen verwinkelten Straßen verlieren wir schnell die Orientierung und irren hilflos hin und her. Als wir völlig vom richtigen Weg abgekommen sind, entscheiden wir an der Tankstelle nach dem Weg zu fragen. Der Tankwart steht an der Zapfsäule und ist im Gespräch mit einigen Freunden. Nach kurzen aussichtlosen Erklärungsversuchen springt einer der fünf Männer ins Auto und koordiniert uns zielgenau durch die belebten Straßen der Großstadt. "Allein hätten wir das nie gefunden‚Äú, denke ich. Nach rund zehn Minuten treffen wir am Hotel ein. Wir legen eine kleine Ruhepause ein, anschließend schlendern wir in das nahe gelegene Studentenviertel, indem es zahlreiche Restaurants und Cafes gibt. Wir geben der Versuchung nach, lassen uns auf einer einladenden Terrasse nieder und entspannen in der Sonne. Alle Strapazen der letzten Tage und Wochen sind plötzlich weit entfernt.
Allerdings war unser Weg von Copiapo nach Santiago de Chile nicht sehr anstrengend. Er führte größtenteils über eine zweispurige Autobahn. Stundenlang schaute ich aus dem Autofenster und bewunderte wieder einmal die schöne Landschaft Chiles. Lange führte uns der Highway am Meer entlang. Dort erstreckten sich weite Buchten mit tief blauem Wasser. Der starke Seegang setzte den Wellen kleine Schaumkronen auf, bevor sie mit gewaltiger Wucht auf die Felsküste trafen. Dieser Anblick erinnerte mich stark an die Küstenregion Südnorwegens. Mit der einen Ausnahme, dass es in Chile bedeutend wärmer ist um diese Jahreszeit. Auch heute hatten wir wieder deutlich über 20 Grad.
Rund 100 Kilometer vor Santiago durchfuhren wir eines der in der Gegend häufig vorkommenden Weingebiete. Auf den flachen Hängen ragen die Weinstöcke bis zum Gipfel. Plötzlich dachte ich im tiefsten Schwarzwald angekommen zu sein. Die abwechslungsreiche Natur in Südamerika hält immer wieder eine neue Überraschung bereit.
