Geschrieben am 11.01.2010 von .

Stage 8: Antofagasta – Copiapo

stage 8 050Na das geht ja gut los. Mitten in der Nacht werde ich von dem tyrannischen Dröhnen eines Rennauspuffs geweckt. Seit gut zehn Minuten raubt mir das Geräusch jetzt schon den Schlaf¬† und ich verliere langsam die Geduld. Ich reiße den Zelteingang auf, klettere ins Freie und will den Übeltäter zur Rede stellen. Genau in diesem Moment zeigt mir der Nissanfahrer die Rückleuchten seiner Krawallkiste und fährt zu seinem Stellplatz am anderen Campende. "Wenigstens ist jetzt wieder Ruhe‚Äú, denke ich mir und schlafe weiter. Um viertel vor sechs klingelt der Wecker, denn wir wollen heute früh los. Ich fühle mich wie gerädert, bin müde und habe Magenschmerzen. Diese beziehen sich auf eine kleine Schale Meeresfrüchte, die ich am Vorabend versehentlich bestellt und dann auch verspeist hatte. So lasse ich heute Morgen das Frühstück ausfallen und begnüge mich mit einer Tasse Kaffee, als Stärkung für den Weg nach Copiapo.
stage 8 122Gegen Mittag geht es mir deutlich besser und wir beschließen in Chaneral unsere obligatorische Kaffeepause einzulegen. Nach einer zweistündigen Tour durch die Trockenheit der Atacama-Wüste wirkt das beschauliche Küstendorf mit seinen diversen Grünflächen quicklebendig. Am gemauerten Kai erblicken wir ein kleines Häuschen, wovor eine Gruppe Menschen zusammensteht. Ich nehme das als Bestätigung, dass sich dort eine Cafeteria verbirgt und gehe beherzt voran. Als ich den Raum betrete, sehe ich einige Fischer, die ihren Tagesfang unter die Leute bringen. "Nicht schon wieder‚Äú, sprudelt es aus mir heraus. Nach der Übelkeit heute Morgen kann ich gerade einfach keinen Fisch riechen. Ich drehe mich auf dem Absatz um und schlendere zur Kaimauer. Als ich ins Meer blicke, hellt sich meine Miene schlagartig auf. "Das gibt es doch nicht‚Äú, murmele ich vor mich hin. Am Fuße der Felsküste, rund drei Meter unter mir betteln gut ein Dutzend Seelöwen nach Fischabfällen. Sie spielen miteinander und verjagen die gierigen Möwen. Solch einen Anblick kenne ich sonst nur aus dem Tiergarten. Diese Tiere in freier Natur zu sehen, ist überwältigend. Aus der Fisch-Cafeteria kommt ein Mann mit zwei Eimern in den Händen. Das Gejohle der Seelöwen wird lauter und als die Fischreste ins Meer plumpsen geht das Wettschwimmen um die besten Stücke los. Sechs Pelikane beobachten das hektische Treiben aus geringer Entfernung. Die Rallye Dakar ist einfach grandios. Immer wieder gibt es eine neue Überraschung.
stage 8 113So auch im Ziel der heutigen Wertungsprüfung, vier Kilometer außerhalb unseres Nachtlagers in Copiapo. Um einen guten Blick auf die Geschehnisse zu haben, müssen wir mit unserer Mercedes R-Klasse tief ins Gelände. Nicht nur die steinige Staubpiste meistert unser Allrad-Renner problemlos, er bringt uns sogar durch den weichen Sand bis auf die Spitze einer hohen Sanddüne. Nur die geringe Bodenfreiheit und elektronische Fahrhilfen schränken die Offroad-Tauglichkeit ein. Nach dem Ausflug ins Gelände braucht unser Einsatzfahrzeug nun jedoch eine umfangreiche Wäsche.

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