Rest Day: Antofagasta
Heute ist Rest Day. Also ein Tag Ruhepause vom stressigen Renntreiben. So bleibt mir Zeit um einmal ganz entspannt durchs Biwak zu schlendern. Das Camp erinnert mich an ein großes Ferienlager aus meiner Jugendzeit. In kleinen Gruppen stehen die Zelte der jeweiligen Teammitglieder zusammen. An der “Grundstücksgrenze” fachsimpeln sie mit ihren Kollegen der Gegenseite. Die Stimmung ist gut.
Morgens und abends trifft man sich im u-förmigen Versorgungszelt. Dort wird ein ausgewogenes Frühstück und Abendessen serviert. Zum Start in den Tag gibt es Rührei, Brötchen mit Wurst und Käse sowie Hörnchen mit Marmelade, Honig und auf chilenischer Seite sogar Nutella. Ergänzend kann man zwischen frischem Obst oder Müsli mit Joghurt wählen. Zum trinken gibt es Kaffee oder Tee. Wer viel Kraft für die nächste Etappe tanken möchte, kann schon morgens aus zwei verschiedenen Nudelgerichten wählen. Das wird vor allem von Motorradfahrern gern angenommen.
Ab ca. 19.00 Uhr wird ein täglich wechselndes Menü aufgetischt. Es besteht aus Vorspeise, Suppe, Hauptgang sowie je einem herzhaften als auch süßen Dessert. Den Durst stillt man mit Cola, Limonade oder Wasser. Bier und Wein ergänzen das flüssige Angebot. Rund um die Uhr werden die Teilnehmer so mit Nahrung versorgt. Die Auswahl ist groß und jeder wird satt. Auch geschmacklich gibt es bei den Gerichten keinen Grund zur Klage.
Zweitwichtigste Einrichtung neben dem Essenszelt sind die sanitären Anlagen. Der “Komfort” erweist sich allerdings je nach Location sehr unterschiedlich. In Cordoba, La Rioja oder Iquique griffen die Veranstalter auf vorinstallierte Toiletten- und Waschhäuser zurück. Das war recht angenehm. In den anderen Camps wurden Plastikhäuschen mit integrierten Duschen und Dixi-Klos aufgestellt. Rasieren und Zähneputzen erledugt man unter freiem Himmel. Die Rallye Dakar ist eben eine echte Expedition. Zusätzlich gibt es im Camp ein Medizinzelt zur Behandlung kleinerer Verletzungen, eine Herberge für die Organisation und das Pressezentrum.
Der größte Unterschied zum Jugendferienlager sind jedoch die zahllosen Rennfahrzeuge. Dafür hätte ich aber schon im Alter von zehn Jahren geschwärmt. Links steht der Monster-Hummer von Robby Gordon, rechts die VW Race Touareg und daneben die BMW X-Raid. Und ich bin mitten drin. Das ist einfach klasse. Kehrseite dieser Mittendrin-statt-nur-dabei-Situation, ist die Lärmbelästigung. Selbst in der Nacht surren die Stromaggregate und fleißige Mechaniker arbeiten lautstark mit Hammer und Bohrmaschine an den havarierten Rallyeboliden. Inzwischen schlafen wir immer in Grenznähe des Camps, um möglichst weit von den Ruhestörern entfernt zu sein.
Am heutigen Ruhetag lassen wir es ruhig angehen. Wir stehen erst um 8.30 Uhr auf, frühstücken und fahren anschließend zum bummeln an die Strandpromenade von Antofagasta.
