Abgelegt in Nachrichten-Archiv

Stage 7: Iquique – Antofagasta

Samstag, 9. Januar 2010 um 00:55 Uhr
von shoepfner

stage 6 081Heute ist Halbzeit unserer Dakar-Reise durch Südamerika und wir treten in unserer Mercedes R-Klasse die “Rückreise” an. Von Iquique geht es zurück in die Hafenstadt Antofagasta, in der wir bereits vor zwei Tagen unser Nachtlager errichtet haben. Unser Reiseführer verrät, dass die Tagesroute durch das trockenste Gebiet der Welt führt. Er bezeichnet diese Gegend sogar als “lebensfeindliche Wüste”. Und er behält Recht. Auf dem rund 380 km langen Weg in Richtung Süden, sehe ich keine einzige Grünpflanze. So stelle ich mir die Mondoberfläche vor. Gesplitterte Gesteinsbrocken bedecken das gesamte Areal. Auf der rechten Seite grenzt der Pazifische Ozean, links das Andenmassiv. stage 7 131Von der Küstenstraße gehen immer wieder kleine unbefestigte Wege in Richtung Meer ab, die sich abermals aufspalten und wieder kreuzen. Das Ganze wirkt wie eine präparierite Skipiste in den Alpen. Einziger Unterschied: Die Untergrundfarbe ist nicht weiß sondern eher rötlich braun. Die Temperatur liegt heute in Meeresnähe bei angenehmen 20 bis 25 Grad. Verantwortlich für diese im Vergleich zu Argentinien kühlen Temperaturen, ist der kalte Humboldtstrom. Arktische Wassermassen vermischen sich vor der chilenischen Küste mit ebenso kaltem Wasser aus der Tiefe des Peru-Grabens. Die Einheimischen verraten uns, dass die Wassertemperatur auch jetzt im Sommer nur elf Grad beträgt. Das werden wir am morgigen Ruhetag testen.
DSC00301 Als ich während der Fahrt aus dem Fenster blicke, sehe ich im Augenwinkel eine kleine versteckte Bucht. Über eine holprige Staubpiste gelangen wir dorthin. Bis vor kurzem scheint dieser Ort ein echtes Geheimziel für Urlauber gewesen zu sein. Direkt am steinigen Strand liegt eine einladend aussehende Pension. Leider ist sie geschlossen. Sonst hätten wir auf Veranda gerne eine kurze Kaffeepause eingelegt. Im “Hafen” laden gerade zwei Fischer, frisch gesammelte Algen von ihrem winzigen Ruderboot ab. Weiter draußen liegen drei weitere dieser Boote vor Anker. Am Kai entdecke ich einen alten Kahn, der an Land einbetoniert wurde. Es ist die Bahia Duendes. Sicherlich wurde dieses alte gut zwei Meter hohe und sechs Meter lange Wrack in seinen besten Jahren als Fischkutter genutzt. Heute dient das rote Holzboot als Wohnstätte. In den Bug wurde eine Türe gesägt, nebenan befindet sich ein kleines Fenster. Es fehlt an nichts. Sogar eine überdachte Terrasse ist vorhanden. Auf dem schmalen Holztisch steht ein leere Flasche Rotwein. Vermutlich lässt der Schiffsbewohner hier seine anstrengenden Fangtage ausklingen.
Leider bleibt unser Kaffeedurst in der romantischen Bucht ungestillt. Wenig später haben wir mehr Glück. Rund 100 km vor dem Tagesziel kehren wir in eine beschauliche Raststätte ein. Danach sind wir gestärkt für die letzten Kilometer bis ins Camp.

Sie wollen den Artikel kommentieren?

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.