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Stage 6: Antofagasta – Iquique

Freitag, 8. Januar 2010 um 02:35 Uhr
von shoepfner

DSC00255Am siebten Tag unserer Dakar-Reise erwachen wir am schönen Sandstrand des Pazifischen Ozeans. Das Camp ist herrlich gelegen. Nach dem Frühstück kommt es zur ersten Kontaktaufnahme mit der einheimischen Bevölkerung. Rund 200m außerhalb des Nachtlagers warten wir auf unseren Mitfahrer, der für eine Nacht, Schlafsack und Iso-Matte gegen ein gemütliches Hotelbett getauscht hat. Wegen Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Hotelpersonal und Taxifahrer, verspätet er sich deutlich. Als wir am Straßenrand ausharren, kommt eine kleine Gruppe Chilenen auf uns zu. Es entsteht ein interessantes Gespräch. Die Verständigung klappt mit Unterstützung einiger Gesten fast problemlos. Schnell geben die Südamerikaner ihre Zurückhaltung auf und wir machen gemeinsame Erinnerungsfotos. In diesem Land ist die Euphorie gegenüber der Rallye Dakar doch nicht so gering, wie ich zunächst fälschlicherweise annahm. Sie ist sogar sehr groß. Der einzige Unterschied im Vergleich zum Nachbarland: In Argentinien feiert mehr Menschen den Rallye-Tross.
stage 6 107 Als wir vollzählig sind, geht die Reise weiter nach Iquique, dem nördlichsten Punkt der Rallye Dakar 2010 los. 378 Kilometer stehen heute auf dem Tagesplan. Bei einer kleinen Cafeteria direkt am Meer rasten wir, genießen den schönen Ausblick und einen genüsslichen Pulverkaffee, den die betagte Wirtin direkt vor unseren Augen mit heißem Wasser zubereitet. Anschließend reisen wir zügig weiter zum Ziel der heutigen Wertungsprüfung (Special Stage).
Perfektes Timing: Gerade haben wir mit unserer Mercedes R-Klasse die sandige Parkplatzzufahrt durchquert ‚Äì diesmal ohne stecken zu bleiben ‚Äì schon kommt der erste Dakar-Renner die riesige Sanddüne ins Ziel heruntergeschossen. Es ist der Gesamtführende Carlos Sainz mit Beifahrer Lucas Cruz im VW Race Touareg. Wir warten auf die Verfolger. Unser Aussichtspunkt ist perfekt. Ich kann die Offroad-Renner mehrere hundert Meter bei ihrer sandigen Dünenabfahrt beobachten. Es ist ein spektakuläres Schauspiel. Der erste Renntruck erscheint am Hang. Im Gepäck hat er den Amerikaner Robby Gordon. Dieser schließt immer weiter auf. Kurz vor der Ziellinie beschleunigt Gordon und springt mit seinem schwarzen Hummer über eine Bodenwelle. Der Motor heult auf. Im Flug zieht er an dem Truck vorbei. Die Fans jubeln ausgelassen. Und auch ich bin sprachlos. So viel Action hatte ich bei der Zieleinfahrt nicht erwartet.
stage 6 169 Abends besuchen wir noch die verlassene Mine ‚ÄúOficina Santa Laura‚Äú. Früher wurde hier Salpeter gefördert. Heute pfeift der Wind durch die verrosteten Wellbleche. Der äußert freundliche Wärter Ramos führt uns zu den verfallenen Ruinen. Die Besichtigung ist abenteuerlich. Wir befinden uns in einer Geisterstadt, wie sie es hier in der Gegend einige gibt. Als 1918 in Deutschland der chemische Stickstoff erfunden wurde, sank die Nachfrage an chilenischem Salpeter in den Folgejahren gewaltig. Zahlreiche Minen mussten geschlossen werden. Heute gibt es in dem südamerikanischen Land wieder viele Förderstätten, hauptsächlich für Kupfer und Gold.

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