Alpenrallye: Wir haben den Dreh raus – fast…
Hallo, hier melden sich Walter Röhrl und Jochen Berger. Kleiner Gag. Die Namen stehen natürlich nur an den Türen unseres Opel Commodore B, mit dem wir die Kitzbüheler Alpenrallye fahren. Die Rennsport-Legenden Röhrl und Berger prügelten so einen Rallye-Commodore in jungen Jahren über sämtliche Pisten. Wir müssen gleichmäßig fahren, meist gleichmäßig langsam. Aber Wolfgang Scholz, Opel-Klassik-Sprecher und der Fahrer unseres roten Blitzes, und ich, der AUTO BILD-Reporter, haben Blut geleckt. Ja, so eine Rallye macht Spaß. Und wie!
Der Tag nach dem Prolog beginnt für uns mit einem Gang zur „Scheibe des Grauens“. Dort vermuteten wir schon beim Frühstück die bittere Wahrheit: „Letzter sind wir, was denn sonst?“, orakelte der Opel-Mann. Und grinste: „Na und? Dafür machen wir einen Höllenlärm.“ Also, los zum Organisationsraum der Rallye, an dessen Scheibe die Ergebnisse aushängen. Letzter? Quatsch! 58. sind wir nach den ersten Kilometern. Immerhin fahren auf der 22. Kitzbüheler Alpenrallye 182 Autos mit. Na ja, wenn auch nicht alle wie wir in der „Sport Trophy“. Stefan Vietor und Katrin Obry von Opel Klassik, die im Commodore A von 1970 unterwegs sind, haben sogar noch einen besseren Start erwischt: Platz 46. Hut ab! Aber kein Wunder: Die beiden reisen viel entspannter, mit Automatik-Getriebe und Plüschsesseln. Wir pressen uns in hautenge Schalensitze mit Hosenträgergurten, und das rote Rallye-Biest – es will Drehzahlen und keine Schleichtouren.
Unser Ziel für die 350 Kilometer lange „Chiemsee-Runde“: Jetzt rollen wir das Feld von (fast) hinten auf. Die erste Wertungsprüfung klappt prima, ja, wir können tatsächlich zwölf Kilometer lang Tempo 39,5 fahren und zur vorgegebenen Zeit ankommen. Geht da noch was? Ach, Papperlapapp! Auf dem Rundkurs des ÖAMTC in Saalfelden sind wir so gut wie Walter Röhrl mit leerem Tank. Zwei Runden sollen wir in vorgegebenen Zeiten fahren, nach der ersten machen wir schon Feierabend. Einfach so und ganz ohne Absicht, ohne die zweite Runde zu beginnen. Au weia, au weia!
Auf einem Parkplatz 20 Kilometer weiter treffen wir Stefan Vietor und Katrin Obry, die beiden aus dem Plüsch-Commodore. „Mensch“, schießen die beiden los, „uns ist eben was passiert. Wir haben die zweite Runde verpasst.“ „Ach“, sagt Opel-Mann Scholz, Ihr auch?“ Wir müssen herzhaft lachen. Fahren weiter, berechnen mit Stoppuhr und Roadbook in der Hand unsere Geschwindigkeit, verstehen das System Rallye immer besser. Und freuen uns über drei Dinge ganz besonders. Erstens: Das Alpen-Panorama ist mit so einem Oldtimer noch mal so schön. Zweitens: Die Zuschauer – überall beklatschen sie unseren Oldie, heben den Daumen, wenn sie den Sound hören. Drittens: Kurz nach der Zieleinfahrt hat Katrin Obry die ersten Ergebnisse parat: „Ihr habt garantiert zehn Plätze gut gemacht.“ Wir haben Blut geleckt!
