Reise in die 70er – Teil 2
Das Bilderbuch für große Autofans
Ay Gemeinde,
Jake und Elwood stehen noch immer am Anfang einer sentimentalen Reise. Nach einer guten Nacht im Doppelbett des Schlafzimmers meiner Eltern (früh morgens fängt Örg übrigends an zu schnarchen) sind heute die offiziellen Fotos für den Bericht in der Auto Bild Klassik angesetzt. Das bedeutet: früh aufstehen und für ein perfektes Outfit sorgen. Sowohl für uns beide als auch für den KaSi. Petrus scheint uns einigermaßen hold, obwohl wir gestern Abend nicht alles aufgegessen haben. Was schlicht unmöglich war, der gemeine Pfälzer scheint auch unter einem Kilogramm Fleisch oder Wurst nicht aufzugeben. Wir nahmen den Schinken mit aufs Zimmer und kühlten ihn unbürokratisch in der Minibar. Dienstag… hier sind wir!
Dank eines genetischen Fehlers in meinen Haarwurzeln, den ich auch heute noch meinen Eltern vorwerfe, würde mir bei selbst gezüchteten Koteletten rund ein Zentimeter fehlen. Da wächst einfach nichts. Weiß jemand Abhilfe? Bis dahin müssen wir mit Echthaarkotten von ebay auskommen, immerhin in meiner Haarfarbe und dauerhaft klebend. Die von Örg sehen zwar nicht so aus, sind aber echt! Kaum zu glauben. Direkt nach dem reichhaltigen pfälzer Frühstück wird der ehemalige Friseur-Abfall filigran angbaut. Und was soll ich sagen… es sieht unfassbar aus. Sehe ich nun aus wie mein Vater oder wie ich schon immer aussehen wollte? Ich denke noch darüber nach. Urteilen Sie auf kommenden Bildern selbst…
UE – KL 75. Ohne Plaketten und ohne Siegel, aber für den Fototermin rechtfertigt der Zweck die Mittel. Fahren ohne zugelassene Kennzeichen? Egal – schließlich soll auch der KaSi eine gute Figur machen. Und wenn man schon keine Bremse hat, fällt das mit den Schildern ohnehin unter den Tisch. Ein fotografisches Hauptproblem stellt der Eingangsbereich vom Landgasthof Schoner dar. Wo ich das eigentliche Aufhängerfoto machen will, stehen jetzt Blumenkübel vor einem neuen Backstein-Anbau. Aber hey – Blumenkübel lassen sich bewegen. Der Fotograf baut schon einmal sein Equipment auf, und wir beide machen unsere eigene Fotoserie…
Stüterhof ist nicht nur ein Wurmloch jenseits aller kartografischen Erwähnungen, nein, hier gibt es auch ein Verkehrsphänomen. In der Sackgasse, die in einem Feldweg mündet, stellen wir das Stativ auf. Da, wo Papa damals wohl gestanden haben muss. Und von diesem Moment an, als hätten sie sich abgesprochen und nur darauf gewartet, kommen sie, die Autos, Traktoren, Reisebusse und Tieflader. Wo wollen die alle hin??? Da oben ist doch nix…?
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Genaugenommen sehen Sie hier den Grund dieser Reise. Dieses Foto von 1973 in dem alten Album war der Grund, warum ich das alles hier machen wollte. Und jetzt sind wir da! Ich stehe, nein hocke wieder wie in einem anderen Leben lächelnd vor der Eingangstür. Örg übernimmt den Teil meiner Schwester Anita. Als die Massen von Autos und landwirtschaftlichen Fahrmaschinen in der Sackgasse verschwunden sind, ist das Bild im Kasten. Mit einer neueren leichten Gänsehaut denken wir über 35 Jahre nach, und wie wenig Zeit das eigentlich ist. Und wie viel sich in 35 Jahren ändern kann… Wie viel schon in 2 Jahren. Oder in 3 Monaten.
Sie mögen sich vielleicht am Rande schon gefragt haben, warum irgend jemand so eine Reise veranstaltet. Ist es eine Form der Vergangenheitsbewältigung? Gar das zusammenfegen der Scherben einer Ehe, die auf den Schultern der Kinder viel zu lange aufrecht erhalten wurde? Das Aufmucken der letzten Jahre einer Zeit, die während der Kindheit blauäugig als unbeschwert und ohne Probleme verbucht werden konnte? Oder betreiben wir reine Selbstdarstellung? Äh… ja, auch. Aber egal. Sehen die Koteletten nicht umwerfend charmant und bahnbrechend einlullend, ja nahezu aphrodisierend aus? Wo habe ich meine Gitarre? Na, lassen wir das. Der Fotograf will weitermachen.
Gif mol de Tang! Oder de Schruuvtrekker. Hier eine Frage an die Spezialisten: Der Solex hat zwei Gemischeinstellschrauben, für je zwei Zylinder eine. Wenn er jetzt nicht so rund läuft… muss man die dann heraus oder rein drehen? Wann wird er magerer, wann fetter? Bei Menschen ist das ganz einfach: Gute verliebte Zeiten: fetter. Kummer, Trennung und Frust: magerer. Aber wie ist das bei einem VW K70? Ich sollte weniger trinken. Kann uns da jemand helfen? Aktuell läuft der Motor ganz gut, aber wenn man den Choke reindrückt geht er aus. Na gut, das unterstützt die Motorbremse bei Bergabfahrten, da die normale Bremse ja nicht zu benutzen ist. Hat nicht jede Medallie zwei Seiten? Trotz allem lässt sich ein Selbstheilungsprozess beobachten: Jeden Tag springt der K70 besser an, läuft runder und auch die alten Reifen flattern nur noch ganz leicht.
Der 37 Jahre alte VW K70L fährt wie entfesselt. Mit Holger Neu, dem Fotografen aus Darmstadt, machen wir eine Fotoserie nach der nächsten. Bilder vor der Pension, Fahrfotos auf der Straße zum Stüterhof, Bilder beim Erklettern der Apfelbäume (und Äpfel klauen) und Bilder beim zeitgenössischen Rauchen im Auto. Bilder mit der Gitarre auf der Motorhaube und einfach nur coole Bilder mit dem sündigen Apfel der Verführung zwischen den Zähnen. Diese Koteletten fasse ich einfach nicht. Holger hat offensichtlich auch seinen Spaß, Örg und ich agieren eigentlich nur wie immer und er hält mit dem Objektiv drauf. Und irgendwie ist alles bunt, farbenfroh und sentimental-fröhlich gut. Ein komplett nicht vorhandener Handyempfang und ein irgendwann 2024 geplanter Internetzugang hier in der Region hinterlassen auch positive Eindrücke: Man besinnt sich auf das Wesentliche, redet miteinander und singt mal wieder selbst :-)
Als der Fotograf wieder in Richtung Darmstadt unterwegs ist, bricht die Sonne durch das Herbstlaub. Jake und Elwood beschließen, noch ein paar Kilometer im Pfälzer Herbstwald zu fahren und landen im Karlstal bei Trippstadt, wo übrigends NICHT die Kaiser-Wilhelm-Buche steht. Die finden wir (nicht) morgen an der B48 nach Annweiler. Aber Juny – huhu – wir haben an dich und deine Reiterferien gedacht. Außerdem gedenken wir weiterer Fotos in meinem alten Album, die da unten irgendwo im Tal gemacht wurden. Doch die Sonne sinkt langsam, und der Text muss irgendwie online gebracht werden, also geht es weiter.
Rückblickend: WAS für ein wunderschöner Tag. Und was für eine Arbeit. An jeder Kurve locken Fotomotive, ständig halten wir an, kramen das Stativ aus dem Kofferraum, hüpfen in knappen Selbstauslösersequenzen durch die schöne Landschaften und denken an gute Zeiten. Damals wie heute. Bei aller Geschäftigkeit habe ich das Gefühl, völlig unbeschwert wieder einmal einfach nur schwärmen, träumen und lachen zu können. Lachen. Wann habe ich das letzte mal so viel am Stück gelacht? Das muss lange her sein. Ich liebe die K-70er.
Abspann zweiter Teil.
Szenenwechsel. Wir treffen und mit Jürgen und Werner, beides aktive Mitglieder des AudiV8-Forums, im schönen abendlichen Annweiler. Zu der Jugendherberge hier gingen einige Klassenfahrten meines Papas. Der Weg dorthin führt von Johanniskreuz 25 Kilometer steil bergab zwischen Bäumen und Wildbächen und Felsen. Sehr spaßig, wenn man die Fußbremse leidlich nicht benutzen sollte. Ein gekonnter Mix aus runterschalten, kuppeln, lenken und Handbremse ziehen weckt in mir sportliche Höchstleistungen und in Örg salzige Schweißperlen in Anbetracht des leitplankenlosen Abgrunds. Irgendwann muss hier der Mittelpunkt des Planeten kommen, aber vorher biegen wir nach dem zweiten Tunnel in die Innenstadt ab.
Zentral, aber ohne UMTS-Netz sitzen drei Leute entspannt beim Bier und einer fluchend am Laptop. Nein, hier geht das nicht. Aber ich WILL! In Landau soll es einen Hotspot bei McDonald’s geben. Also Bier runtergestürzt und da hin gefahren. Fein, nicht nur den Hotspot gibt es dort, sondern auch UMTS, und mehr brauche ich gar nicht. Wissen Sie überhaupt, was das ist? Das ist das schnelle Datennetz, mit dem Sie über das Handy ins Internet kommen. So wie ich jetzt gerade. Okay, nicht gerade retro, sich mit einem Laptop über sein Telefon in einem McDonalds in einem weltweiten Datennetz rumztreiben. Ein paar ganz kleine Abstriche müssen wir machen.
Also ab mit den Koteletten, rein mit dem Fasfoodketten-Bierchen und raus mit den Textblöcken und Absätzen und verkleinerten Bildern. Opium für’s Volk? Vielleicht auch mein eigenes Opium, ich muss diesen Wahnsinn hier irgend jemandem mitteilen! Und das Absenden der Daten bringt so unglaubliche Entspannung… Spät ist es, als ich endlich ein paar Sätze mit unseren beiden Besuchern (oder sind WIR die Gäste? Schwer zu definieren) wechseln kann. Örg hat derweil für ausreichend Entertainment gesorgt, und alsbald lösen wir uns auch zur Nacht auf. Schließlich muss ich den KaSi noch den ganzen langen Berg, den wir heruntergefahren sind, wieder hochscheuchen.
Um 1.30 fallen Örg und ich ins urgemütliche, feste, flauschige Bett. Morgen rufen die Madenburg und Burg Trifels, wo 1980 das ultimativ letzte Foto von meiner Familie vor der Trennung entstanden ist… Wir lesen uns…
Sandmann und Örg

Verdammt lang her, verdammt lang… verdammt lang her (summ summ)
Hach. Wenn ich mir so das alte Kinderphoto und dann das Photo von heute mit Dir und dem Örg ansschaue, könnte man meinen, daß zwei Brüder auf Zeitreise sind, mal abgesehen davon, daß Örg dann ein Mädchen sein müßte laut Photo. Witzige Sache.
Im übrigen siehst Du mein Gutster von Sandmann mit Deinen künstlichen Kotletten richtig fesch aus. Schon mal über eine Haartransplantation nachgedacht? Hehe. Vergiss es Sandmann. Viel zu teuer.
Kalter Kaffe soll ja bekanntlich gegen Falten am Popo helfen. Vielleicht hilft er ja auch, Haare dort zu bekommen, wo man(n) sie sich wünscht. Aber denke daran. Das Zeug nicht trinken, sondern unter langsam kreisenden Bewegungen einmassieren (lach). Aber mal ernsthaft. Komme mir persönlich teilweise selber vor wie “Die Fliege”. Ich verliere Haare dort wo ich sie behalten will, dafür tauchen sie an anderer Stelle wieder auf. Natürlich dort wo kein man(n) sie haben möchte.
Mit Eurem Kasi kann ich Euch leider nicht weiterhelfen. Habe aber damals bei meinem Golf eins alles so “über Ohr” eingestellt. Hat bei mir zehn Minuten gedauert und er lief rund, mit und ohne Choke. Aber dies war ja auch ein anderer Vergaser.
Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Bericht von Euch beiden mitsamt stimmungsvollen Bildern.
Grüß mal den Örg so von mir
Nostalgische Grüße an Euch und schlaft schön
Markus
Ay Markus,
nein, keine Implantate. Aktuell versuch ich noch, den Kleber von der Haut wieder abzukriegen ;-)
Die Vergaserfrage haben wir unterdess selbst gelöst, auch dieses Phänomen ist im “Jetzt helf ich mir selbst” beschrieben: Schraube rein – magerer und Schraube raus – fetter. Das an beiden Schrauben nach Drehzahl praktizieren und mit der Leerlaufschraube abgleichen.
Erschwerend kommt nun leider ins Spiel, das die Fußdichtung des Vergasers selbst zwei tiefe Risse hat und Nebenluft zieht. Also ist das Gaswerk uneinstellbar. Ich werde eine neue ordern…
Sandmann
Nu drahi doar nich so full an de Vergohser rüm. Dat is n empfindlichet Ssstück Technik.
Und mit die Haare da anne Backe… Voll geil! Gefällt. Allerdings wirkt der Örg nen Tick originaler. Frisur, Hut, Kotletten, Klamotten, Brille… Als wäre es das aktuelle Trendmodell.
Ay paradox,
ich dreh nur so viel wie ich weiß. Selbst altgediente Profis raten von einem Zerlegen des KaSi Vergasers ab… Aber nun läuft er einigermaßen, er geht zumindest nicht mehr aus und zieht gut durch.
Örg kann anziehen, was er will. Der Kerl sieht irgendwie IMMER gut aus. Während ich mir vorkomme wie ein Paradiesvogel auf der Kirmes, könnte er mit seinen Kotten und Klamotten auch locker auf eine Dinnerparty gehen und jedem Jeck im Boss-Anzug die Show vermasseln! Beneidenswert.
Na ja *seufz* in seinem Schatten brennt die Sonne nicht so doll.
Sandmann
Hach, wat is das ne geile Story. Ich nominiere für 6 Oscars: Beste Story, beste Maske, beste Fotos und dreimal bester Hauptdarsteller! Ich bin begeistert. Das “vorher-nachher” Foto ist klasse. Vor allem die Bemühung um originalgetreue Haltung :D
Zum Vergaser: “Da muss ein Fachmann ran. Da kann nich jeder mit üm. Wir sind inne Innung…”
Und die Haarpracht ist sowieso der Hammer…
Machts gut,
Simon
Ay Simon,
danke für das Blümchen. Ich habe im Gegenzug die Bilder noch einmal hochgeladen, nun ist die Qualität besser.
Wenn ich mich berappelt habe, bringe ich morgen Abend den nächsten Teil online. Dann hagelt es sentimentale Momente. Bis dahin muss ich aber erst einmal die Bilder verdauen und meinen rechten Arm vom Bremsen erholen lassen…
Sandmann
Einfach nur willenlos :-)
vergesst Dernbach nicht auf dem Heimweg, die Ludolfs freuen sich
Ay Juny,
das lag auf dem Heimweg???
Mist. Schlieslich ist mein KaSi einer der Hauptdarsteller in der Folge “Design oder nicht sein”…
Dann müssen wir da wohl noch mal hin…
Ohnehin fehlen uns noch die Fotos aus dem Schwarzbachtal, vom Luidpoldturm, vom Bismarckturm und von der alten Dampflok.
*grübel*
Sandmann
Sandmann.
Tut das nicht weh, immer abens die Kotletten wieder abzureißen? Oder schläfst du mit denen? ;-) Bei welchem Handyanbieter bist du? Geht das problemlos so mit dem Handy ins Netz über das Notebook? Ich merk gerade, dass ich echt viele Fragen stelle, sorry, aber ich war lange nicht im Netz.
Und bin ganz platt von dieser geilen Geschichte. Es gibt noch echte Helden!
Abel
Ay calimero,
die Fragen nehmen kein Ende :-D
JAAAAA es tut sogar VERDAMMT weh, wenn man die Koteletten zärtlich abpult oder sie sich von einer betrunkenen Hamburgerin Ende 50 stumpf abreißen lässt (siehe Bericht). AUA.
Aber damit schlafen ist sicher nicht so gut, wenn ich möchte, dass da irgendwann noch mal Haare nachwachsen… ist ja schließlich Klebstoff…
Handy? Ich bin bei Vodafone, wobei ich denke, dass andere Anbieter das auch machen. Sofern du UMTS Netz hast und ein Handy, was das auch versteht kannst du sogenannte Websessions buchen, also Zeitfenster ohne Datentransferbegrenzung, die dann mit deiner Telefonrechnung abgebucht werden. 24 Stunden kosten in diesem Fall 5 Euro. Das war auch mal teurer, und das Netz geht echt gut ab… Wenn man es denn findet… das ging ja erst unten in Annweiler.
Ansonsten geht das supereinfach, Handy mit dem Rechner verbinden, Einwahlsoftware starten und los. Schöne neue Welt.
Sandmann