K70 – Na das kann was werden…
Morgen, Kinder, wird’s was geben. *hach*
Lange Zeit hat es für mich nicht so ausgesehen, ich muss an dieser Stelle eine gewisse Portion Pessimismus einfach mal zugeben. Fest gerostete Bremssättel am Kasi, verbeultes Blech und keine Zeit – wenig gute Komponenten, drei Tage vor Fahrtbeginn in den 700 Kilometer entfernten Pfälzer Wald! Die bestellten Jacken noch nicht da, kein Outfit im Schrank und immer weniger von dieser elendigen ZEIT. Aber hey – wenn Engel reisen wollen, fügt sich das Schicksal. Oder auch einfach der Örg, der gearbeitet hat wie ein Tier. Ich glaube, es kann losgehen. Urteilen Sie selbst:
Es fing alles harmlos an. Kurz die Bremssättel gangbar machen, die Frontschürze einschweißen und ein paar kosmetische Dinge richten, für den Fotografen. Ah ja. Wenn Sie selbst schrauben, wissen Sie, dass Sie grundsätzlich doppelt so viel Zeit einplanen sollten wie vorgesehen. Bei einem fast 40 Jahre alten Auto eher drei mal so viel. Zausi, seines Zeichens Vater von Örg, findet schon mal ein defektes Zündkabel und Risse in der Vergaserfußdichtung, noch bevor die zerbeulte Frontschürze rausgetrennt ist. Er richtet alles, stellt kurzerhand nach Gehör den Doppelvergaser ein und macht sich dann mit mir an die Zerlegung der vorderen Bremssättel.
Wenn man extra einen 55er Torx für die Bremssättel kauft und während der vierten und letzten Schraube merkt, dass sich genau diese nicht lockern lässt, weil es nämlich ein 10er Imbus ist… dann freut man sich auch drei Stunden später noch, dass der Örg gut ist im Anschweißen von Werkstücken an vergniedelten Schrauben… Als die Sättel raus sind, zeigt sich ein Bild des Grauens. Je Sattel vier festgerostete Kolben, die nur mit Mühe, reichlich Caramba “Super”¬†und Materialverlust wieder gangbar gemacht werden können. Irgendwann liegen vor Zausi und mir zwei überholte Bremsen, aber heute haben wir keine Lust mehr, irgend etwas wieder einzubauen… Zumal ich noch neue Schrauben kaufen muss. Na ja, übermorgen soll es erst los gehen. Immerhin ist die Frontschürze unter der Stoßstange schon raus. Örg ist ein Belchkünstler.
Während ich mich in der Innenstadt mit dem Anmischen von Volkswagen Originallacken beschäftige, richtet der metallverarbeitende Comiczeichner das Blech profimäßig, baut die maladen Bremssättel wieder ein und nimmt sich einiger unschöner Roststellen am K70 an, die zumindest für den Fototermin am Dienstag aufgehübscht werden sollen. Und wie immer liefert er perfekte Arbeit ab. Fast schon peinlich berührt verbringe ich den Samstag Nachmittag NICHT bei meinem Auto. Immerhin finde ich im Keller drei Fotoalben, die unser Reiseziel eindeutig umreißen. Und auch das Internet liefert den Retros gute Informationen zu den Tagesetappen, die Angesichts der 37 Jahre alten Straßenkarte ganz hilfreich sein könnten.
Gelobte Deutsche Spießigkeit! Während in einem namhaften Second Hand Laden in der Kieler Altstadt a) nichts mehr zu finden war und b) jedes Hemd ohnehin 20 Euro gekostet hätte, fahren wir kurzerhand, die Hände noch ganz ölig, zur Schatzkammer an der B4 nach Neumünster. Die Jungs entrümpeln Haushalte, und hier bekommt man ALLES. Meine persönliche Beute besteht aus einem großen alten Koffer, zwei schrecklichen Hosen, drei schrecklichen Hemden, drei schrecklichen Krawatten, einem braunen Cordhut, einem Strickwamms, diversen OriginalCasetten, einem Casettenrecorder und zwei orangen Thermoskannen. Alles zusammen für 12 Euro. Die Vergangenheit scheint hier recht preiswert. Aber zurück zum Auto.
Sonntag Nachmittag. Der Tag vor der Tour. Die Bremsen sind eingebaut, niemand weiß ob sie funktionieren. Alle optischen Roststellen sind behandelt und mit Originallack versiegelt, darauf kommt Klarlack (denn es ist ja Metalliclack, genauer gesagt¬†Inkagold…). Die Bremsen sind entlüftet, aber nicht wie im Buch angegeben. Wir haben grob fahrlässig und faul den lastabhängigen Bremskraftregler vorher nicht ausgehängt. Na, wir werden sehen. Und bremsen. Oder auch nicht. Ein zweiter Außenspiegel sitzt an seinem Platz, die fehlende Zierleiste auf dem Kofferraumdeckel ist wieder da und die zerbeulten Radkappen zeigen sich in Ermangelung der eigentlich bestellten neuen durchaus poliert.
Kennen Sie noch Felgensilber? Dieses Zeug, was ihrem Auto einen Neuwageneffekt verleiht? Natürlich vorausgesetzt, Sie haben keine Plastikradkappen aus dem Baumarkt oder Alufelgen. Dem KaSi steht ein neuer Anstrich extrem gut, während Örg die letzten Lackschichten setzt (und es natürlich draußen zu regnen anfängt) sorge ich für einwandfreie Stahlfelgen. Kosmetik ist alles. Vielleicht sind diese Aktionen ein wenig vergleichbar mit dem kleinen Pickel, den Sie haben aber der heute Abend echt verschwunden sein muss. Was sollen die Leute denken? Ich schöpfe einen homöopatischen Anteil Hoffnung, dass wir fertig werden könnten. Bei den neuen Stoßstangen und den Radkappen kommt erneut Caramba zum Einsatz, die Chrompolitur ist ein wahres Wundermittel! Alles funkelt…
Irgendwann ist aller Tage Abend. Die neue Frontschürze ist drin und lackiert, die nagelneuen Stoßstangen glänzen vorne wie hinten im Neonlicht, langsam können wir ans Aufräumen denken und irgendwie macht sich in mit Vorfreude breit. Wer hätte gedacht, dass es Tage gibt, die 42 Stunden haben? Ohne Örg hätte ich das hier NIE geschafft. Und jetzt ist das Auto reisefertig. Na ja, weitestgehend. Auf dem Weg zu mir nach Hause haben wir noch unter der Laterne eine neue Halterung für die Lichtmaschine konstruiert, und profilaktisch ist der Kofferraum voll mit Ersatzteilen und Werkzeug. Man kann ja¬†nie wissen. Er fährt, er bremst und er hört auch wieder auf zu bremsen. Pfälzer Wald… wir KOMMEN!
Ich packe meinen Koffer. Ich nehme mit: Drei schreckliche Hemden, drei Krawatten… aber das wissen Sie ja schon alles. Die International Wachsjacke von Barbour ist HEUTE in der Post. Geil. Natürlich sind auch das Laptop und der Fotoapparat dabei. Und das Handy. In jetzt ungefähr 8 Stunden geht es zum Stüterhof in den Pfälzer Wald. Wann stelle ich mir bloß den Wecker? Werde ich meine aktuell im Koffer schlafende Katze mitnehmen müssen? Bekommen Örg und ich überhaupt Nummernschilder? Mitte der kommenden Woche werde ich mal ein paar Daten durch mein Handy pressen und Sie und euch auf dem laufenden halten. Wir tauchen tief in meine Kindheit. Zu dem Ort, wo am Ende alles vorbei war. Wo ein Neuanfang eingeleitet wurde. Ich kann es kaum erwarten…
Sandmann

Hi Sandmann,
.
dann mal “Gute Pannenfreie Fahrt”.
Ist schon Wahnsinn,was Leute mit “Zeitüberschuß” so auf die Beine stellen
Viel Spaß euch beiden !!!
Gruß Tom
Ay Tom,
es ist wohl weniger ein Zeitüberschuss als mehr eine intensive Ausnutzung der Zeit
Andere sammeln Briefmarken oder haben eine Modelleisenbahn…
Oder stellen sich den Hof mit V8s voll.
Was geht denn so in Legan? Nach all dem Retro muss ich dringend mal mit dir auf die Suche nach einem gewissen Kühlwasserverlust gehen…
Grüße aus der Vergangenheit
Sandmann
Hoho,
der KaSi schaut ja auf den Fotos richtig schick aus. Die ausgeführten Arbeiten scheinen vom Feinsten zu sein. Meinen grössten Respekt an den Örg für Blech- und Lackierarbeiten.
Ich wünsch euch viel Spass auf eurer Tour, gute Fahrt, keine technischen Probleme und natürlich gutes Wetter. Kommt heile wieder!
Simon
Ay Simon,
danke für die problemfreie Hinfahrt
Hat nicht ganz geklappt, aber wir sind da. Kann man nun auch nachlesen…
Sandmann
Hey Ihr zwei Retros

Wie heißt es so schön: “Alles wird gut”. Und wie es scheint, hat¬¥s ja auch geklappt. Wettermäßig scheint es ja auch zu passen. Ihr wißt ja, daß ich vorher mit Petrus Rohrpost ausgetauscht habe
Über Eure Bremsen mache ich mir keine Gedanken, bis es soweit ist. Kühlen Kopf bewahren, langsam ausrollen lassen und hoffen, daß es nicht bergab geht, egal in welche Richtung!!!
Wünsche Dir und dem Örg ne geile und Pannenfreie Zeit. Wir schreiben uns und grüß mal unbekannterweise den Örg. Ihr Durchgeknallten
V8 mäßige Grüße mitsamt Kasitriebwerk für die Fensterheber unserer “Traumschiffe”
Markus
Ay Markus,
rollen lassen hat gut geklappt bis zu der Baustelle hinter der Kurve!
Na ja, ein ganzer Kofferraum voller Werkzeug ist schon was wert.
Und bergab hatten wir eben gerade (20.00 Uhr am 14.10.) für genau 20 Minuten non Stop. Wir dachten schon, der Mittelpunkt der Welt müsste bald kommen. Argh. Motorbremse und Handbremse und irgendwann waren wir mal in Anweiler…
Sandmann
Sandmann
Hey Sandmann!
ICh wünsche euch eine gute Fahrt und vorallem viel Spaß!
Schön sieht er aus dein KaSi. Da haben sich die vielen Stunden ja auf jeden fall gelohnt.
Die Klamotten sind genial, vorallem Örgs Hypnosehemd
Gruß
Sascha
Ay Sascha,
er sieht WUNDERschön aus, der Kasi! Besonders die neu lackierten Teile. *seufz* Aber da ist noch viel Arbeit.
Örgs Hemd ist eine einzige Bildstörung. Aber du solltest mich erstmal mit Koteletten sehen! Großartig.
Sandmann
Schaut gut aus. Und damit meine ich jetzt nicht nur den KaSi und euch beiden Verrückten. Nein. Als begeisterter Schrauber (der diesen Sonntag auch mal wieder am Auto verbrachte) fällt natürlich gleich die geile Schrauberbude der Örgs auf. Mitsamt den netten Autos.
Sowas gefällt auf den ersten Blick.
Na dann hoffe ich das der KaSi hält was er verspricht un dem Sandmann die Hasenohren nicht zu Kopf steigen
Viel Spass euch dreien!
Der KaSi hält. Bis jetzt. Nun endlich wieder Netz, und ich kann in Realzeit schreiben
Örgs Werkstatt ist genial, wenn auch ein wenig unaufgeräumt. Ich schreib das jetzt nur, weil er das nicht sieht und mit Schlunz und Werner Bier trinkt
Ich soll mal schlafen. Wir lesen uns!
Sandmann
Hallo ihr Verrückten,
was ist der Örg eigentlich von Beruf? Warum kann der sowas so gut? Das sieht ja super aus von vorne, der könnte glatt als Restaurator arbeiten. Oder macht er das schon?
Huh viel zu lesen. Klasse. Ich arbeite mich mal weiter voran, wann kommt das gedruckte Buch? Spannend.
Abel
Ay Abel (da ist er ja mal wieder),
Örg ist gelernter Schlosser, freiberuflicher Comiczeichner und Aushilfs-Bestatter. Schweißen hat er gelernt, auch aufgrund der Not, die Karren irgendwie tüven zu müssen. Und kreativ ist er allemal, da KANN ja nur ein Blechkünstler bei rauskommen
Was sage ich Künstler… ein VIRTUOSE. Hach.
Genug gelobt. Vielleicht erzählt er dir ja noch selbst, was er grad so schweißt…
Sandmann