Schön ist es in der Eifel ‚Äì sanfte Hügel, dunkle Seen in erloschenen Vulkanen, saftig grüne Vegetation allenthalben. Hier sucht man entweder beschauliche Ruhe auf Wanderungen durch die ausgedehnten Wälder, oder ist ‚Äì so ziemlich das perfekte Kontrastprogramm ‚Äì in Sachen Auto unterwegs. Als Stichwort dürfte in diesem Zusammenhang wohl “Nordschleife” reichen, um benzin- und gummigeruchgeschwängerte Assoziationen voller Vollgas, Drifts und schnellen Rundenzeiten am Limit zu wecken. Keine Frage, da kommt man als sportaffiner Motorjournalist immer wieder gerne hin. Und wenn dann auch noch der neue 500 Abarth aus seinem Doppelendrohr “Fahr’ mich!” brüllt, kann zumindest ich keine Sekunde zögern, mal wieder an den Ring zu fahren. Aber damit wir uns gleich richtig verstehen: Auf den Grand-Prix-Kurs oder gar auf die Nordschleife geht es mit der kleinen Rennsemmel nicht ‚Äì da öffnen zumindest heute auch gefühlte 100 Jahre Abarth-Rennsporttradition mit rund 10.000 Siegen nicht die Schranken zum geschichtsträchtigen Asphaltband der Begierde.
Soll man da etwa enttäuscht sein? Ach was! Nur ein bisschen, den Hauch einer Winzigkeit vielleicht. Denn was die abgesperrte Strecke der Rundfahrt auf öffentlichen Straßen voraushat: Man muss sich nur an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, wenn es die Fahrphysik erfordert. Und ich merke schnell, dass man in einem 500 Abarth ziemlich schnell zu schnell unterwegs ist ‚Äì in Sinne der Straßenverkehrsordnung, versteht sich. An der großen Baustelle, wo die Nürburgring GmbH gegenüber der Boxengasse gerade die alten Tribünen gegen eine multifunktionale neue Erlebniswelt austauscht, ist 60. Und ich fahre lässige 80 km/h. Klar, das ist nicht mörderisch viel zu schnell, aber für einen kleinen monetären Denkzettel würde es schon reichen. Schuld ist eindeutig das Auto! Hängt halt super am Gas, der knackige 500er im Sportornat, und er möchte so gerne, dass mein rechter Fuß sein Bodenblech küsst. Dabei könnte man die 135 PS auch ganz gemächlich galoppieren lassen. Aber das hier ist ja keine Sparfahrt.
Also fliegen lassen, den kleinen grauen Abarth mit der großen Motorsportgeschichte in den Genen. Hinter jedem Ortsausgangsschild darf es ruhig ein bisschen mehr sein: mehr Gas, mehr Geschwindigkeit, mehr Dynamik. Und die Streckenscouts haben gute Arbeit geleistet. Der kleine Kurs führt über Wiesemscheid, Bauler und Rothenbach ‚Äì drei kleine Eifeldörfer, verbunden durch eine Straße, die extra für den 500 Abarth in die Hügel asphaltiert zu sein scheint. Sehr, sehr schön zu fahren. Dritter Gang, Drehzahlmessernadel immer irgendwo zwischen 4500 und 5000 Touren, links, rechts, links, anbremsen, wieder beschleunigen, bergauf, bergab. Eine geschmeidige kleine Achterbahn, der eigentlich nur noch ein paar Auslaufzonen und Überholmöglichkeiten fehlen. Und die reichlich hochgewachsenen Mais-/Kornfelder, die die Einsicht in die Kurven stören, müssten natürlich auch ganz dringend gemäht werden. Da muss ich immer wieder sicherheitshalber Gas wegnehmen, wo der kleine Italiener noch ein bisschen mehr vertragen würde. Aber, wie bereits erwähnt, ich bin hier ja nicht auf der Rennstrecke, sondern bewege mich ‚Äì wenn auch ziemlich zügig ‚Äì im öffentlichen Vekehrsraum. Schade eigentlich. Oder auch nicht: Ich bin den Kurs fünf Mal gefahren…