Wenn es um ein Auto wie den KTM X-Bow geht, steht bereits der Frühstückstisch unter Spannung. Die österreichischen Autojournalisten reden sich warm. “Das erste Auto aus Österreich seit Pucherl.” Die legendären Pucherl hießen eigentlich Puch und werden seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut. Eine Verniedlichung dieser Art wird es für den Neuen sicherlich nicht geben. Das liegt auch am Namen X-Bow (Bowerl klingt einfach beknackt), mehr noch aber am Fahrzeugtyp. Ein reinrassiger Sportwagen.
Er ist nackt, hart und verzichtet auf alles, was die Automobilindustrie in den letzten Jahren an Sicherheit erfunden hat. Kein ESP, kein ABS, keine Airbags ‚Äì nicht mal eine Windschutzscheibe. Ein Wagen, neben dem ein 911er aussieht, als sei er für Best-Ager gebaut. Männer würden sagen: “ein echtes Männerauto.”
Frauen wie Catharina Felser sagen: “ein echtes Frauenauto.‚Äú Die 25-Jährige ist Rennfahrerin und lebt seit Januar als Testfahrerin quasi im X-Bow. Frauenauto? Mal schauen. Erst mal checken, was der Österreicher so auf dem Kasten hat. Nur 790 Kilo auf den Rippen, 240 PS, die als Vierzylinder quer vor der Hinterachse eingebaut sind. Klingt vielversprechend. Auch, dass er ein Carbon-Monocoque besitzt wie ein Rennwagen. Dabei wird er mit “Nummertafel”, wie es so schön in Österreich heißt, womöglich in lauen Sommernächten in Saint-Tropez parken.
Besitzer erkennt man am Helm auf dem Tresen. Aber das kommt später, ab August, wenn die ersten X-Bow ausgeliefert werden. Bis dahin: Rennstrecke, Ascari, Malaga. Nur dort darf der X-Bow bei seinem ersten Fahrtermin bewegt werde, weil die KTM-Verantwortlichen fürchten, den Journalisten brennt eine Sicherung durch. Mein Rettungsanker heißt Catharina Felser, sitzt auf dem Recaro-Beifahrersitz, und dirigiert mich über den 5,43 Kilometer langen Kurs mit 13 Rechts- und 13 Linkskurven. Der Sportwagen vermittelt so ein sicheres Gefühl, dass ich es in der zweiten Runde direkt schneller angehen lasse. Catharina befiehlt, langsamer zu fahren. “Das ist das Gefährliche am X-Bow. Man neigt dazu, ihn zu unterschätzen.‚Äú Weil sein Grenzbereich weit weg scheint ¬?‚Äì irgendwo, bloß nicht hier und heute.
In den Spitzkehren wird es dann eng, Fahrfehler verzeiht der Wagen nicht. Das Heck kommt, ich ins Schleudern. Dank einer Lenkung, die Gedanken auf die Straße übersetzt, ist der Sportwagen in VW-Polo-Größe leicht einzufangen. Das manuelle 6-Gang-Getriebe kommt wie der Motor von Audi. Die waren zu Beginn des Projekts an der Entwicklung beteiligt, bis es ihnen zu heiß wurde. Mir ist auch heiß. Im dicken Rennoveral schwitze ich bei 32 Grad und 5500 Touren. Darüber blinkt das Motorrad-Display in der Mitte rot. Bei jeder Kurve gucken die freistehenden Räder um die Ecke ‚Äì selten ist Technik so sichtbar wie bei diesem Wagen. Das wird sich auch bei künftigen Modellen nicht ändern. Eine R-Version mit 300 PS und Doppelkupplungsgetriebe folgt bereits 2009. Die wird dann aber über den 54.562 Euro liegen, die KTM für den X-Bow aufruft. Was für weiteren Gesprächsstoff am Frühstückstisch sorgen dürfte.