Geschrieben am 25.06.2008 von .

Die magische 3,5

platzregen-in-wien.JPGSchnitzel verputzt, im Stechschritt eilen wir durch den gigantischen Park von Schloss Schönbrunn gen Parkplatz. Es ist kurz vor 16 Uhr. Tiefschwarz schiebt sich eine Wolkenwand heran, tanzende Baumkronen läuten den Countdown fürs Unwetter ein. Mit den ersten fetten Tropfen erreichen wir das Auto. Dann geht es auch schon los: Aus dem Nichts fliegen uns Styroporplatten um die Ohren, kaum dass wir den Parkplatz verlassen haben. Binnen Sekunden kann man kaum noch bis zum Ende der Motorhaube sehen, so stark plattert es. Wasser steht auf der Hauptstraße. Heinrich Hau (50), braun gebrannt und wohl gelaunt, schaut dem Spektakel entspannt durch die Seitenscheibe seines weißen Audi A4 TDI zu. Jetzt losfahren? Bei dem Regen? Kommt Team 9 nicht in den Sinn. Kostet nur unnötig Sprit.

platzregen-autobahn.JPGEine ziemlich kluge Entscheidung, wie sich kurz darauf herausstellen soll. Auf der Autobahn ballern drei Zentimeter große Hagelkörner auf die Autos. Das gibt Beulen, ist mein erster Gedanke. Das macht die Scheibe nicht lange mit, ist mein zweiter. Beides soll sich als Irrtum erweisen. Mit 40 km/h geht es unter ohrenbetäubenden Einschlägen über die rechte Spur. Aquaplaning meldet das Radio. Empfehlung der Ö3-Sprecherin: "Wenn Sie aufschwimmen: Fuß vom Gas, auskuppeln und Lenkrad gerade halten.‚Äú Passt scho".

Keine zehn Minuten später ist der Spuk vorbei. Mit 80 km/h zuckeln wir auf der rechten Spur hinter Team 11 her, dem blauen Horizont entgegen. Im dichtesten Regen ist das Elfer-Team kurz zuvor an uns vorbeigerauscht. "Was ist denn in die gefahren?‚Äú, steht in der Sprechblase, die im Fahrgastraum hängt, als sich die entgeisterten Blicke von Audi-Mann Florian Urbitsch und mir treffen. Ausgerechnet die zwei? Die nix Schub-Schub-Hurra-Downhiller? Vollspeed? Im Platzregen? Beim Abendessen auf Schloss Hellbrunn folgt die Auflösung der Harakiri-Aktion: "Mit 40 km/h durch solche Wassermassen zuckeln, dasch’ doch Käse‚Äú, meint Fahrer Olli Hirn, "viel zu hoher Rollwiderstand.‚Äú 87 km/h hat er auf den ersten 1000 Kilometern als ideale Geschwindigkeit ausgemacht, und die fuhr er dann auch. Bis ihm Beifahrer Mathias fast an die Gurgel ging beim Ausbruchsversuch in Richtung besseres Wetter.

Ob die Wasserski-Aktion jetzt schlau war oder dämlich, wird die finale Auswertung der Benzinverbräuche zeigen. Kurz vorm Showdown am Mittwoch zeichnet sich ab: Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Und zwar fast aller Teilnehmer! 3,5 Liter ist der magische Wert, um den sich alle elf Teams scharren. "Dass der Wagen so leicht unter vier Liter zu drücken ist, hätte ich nie gedacht‚Äú, sagt Fahrlehrer Frank vom Team 2. Dass das alle Teilnehmer schaffen, hätte ich nie gedacht. Menschen, die teils gar kein Auto haben; die beruflich nichts mit Technik am Hut haben; die noch nie auf einem Eco-Fahrtraining waren, sondern lediglich 20 Minuten Einweisung ins Thema bekommen haben. Sie alle ‚Äì zusammen mit den teils passionierten, durchaus ambitionierten Spritsparern im Feld, die jeden unnötig verfahrenen Tropfen als persönliche Kränkung empfinden ‚Äì haben mal eben den angegeben Durchschnittsverbrauch eines Großserienfahrzeugs um gut 30 Prozent gesenkt!

a4-einparken.jpgKlar, niemand kann und wird ernsthaft verlangen wollen, dass künftig alle nur noch mit 90 km/h über die Autobahnen zuckeln (hoffe ich jedenfalls inständig!). Der konsequente Verzicht auf Klimaanlagen darf an dieser Stelle ebenfalls als weltfremd bezeichnet werden. Konsequente Leichtbauweise, ausgefeilte Unterboden-Aerodynamik und moderne Motorentechnik des neuen Audi A4 sind die technischen Säulen dieses Spritspar-Experiments. Nur marginal ins Gewicht dürfte die kraftstoffsparende Rangiererei per Hand fallen: Wer hat schon permanent drei fleißige Audi-Männer zur Hand? Gewisse Lehren, die so gar nicht wehtun, kann und sollte gleichwohl jeder aus dieser Effizienz-Fahrt ziehen. Die banalste: Fuß vom Gas zahlt sich immer aus. Einfach mal machen.

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