Geschrieben am 24.06.2008 von .

Schub, Schub, Hurra

effizienz4.JPGTag zwei der Effizienz-Fahrt von AUTO BILD und Audi. Österreichs Kleinwagenkutscher scheinen von unseren Spritsparern gehört zu haben: Die ersten Corsa und Punto rollen mit 90 km/h über die Autobahn. Da freuen wir uns doch fürs Klima. Eines der Effizienz-Teams signalisiert übermütig einen Verbrauch von 3,0 Litern, als wir in unserem Begleitfahrzeug an ihnen vorbeihuschen. Drei Liter? So weit runter geht der Durchschnittskonsum des 2.0 TDI dann doch nicht. Aber beachtliche 3,7 bis 3,5 Liter auf 100 Kilometer mit einer 4,70 Meter langen Limousine ‚Äì das haben gestern fast alle Teams erreicht! Bedeutet: Co2-Ausstoß runter von 134 Gramm pro Kilometer auf unter 100 g/km! Durch bloße Umstellung der Fahrweise. Ein guter Schuss Tollkühnheit gehört allerdings dazu, um solche Ergebnisse einzufahren. Der Lkw-Fahrer schätzt es bekanntlich nicht, langsameren Pkw ausweichen zu müssen. Lichthupe und Fanfare sind das kleinere Übel, Schneiden nach haarscharfem Überholvorgang das deutlich größere.

Aber was sollen sie machen, die wackeren Effizienz-Fahrt-Teilnehmer? Wer nicht die Nerven hat, sich mit 40-Tonnern um die besten Plätze auf der rechten Spur zu balgen, hat hier keine Chance. Tempo halten, Klimaanlage und sonstige Verbraucher aus ‚Äì effizientes Vorwärtskommen heißt Verzicht üben, solange es nicht bergab geht. Dann schlägt die Stunde der Schubabschaltung. Höchster Gang rein, Momentanverbrauch runter auf 0,0 ‚Äì Anzeigen wie diese lassen das Herz der Teilnehmer hüpfen. Und mal ganz kurz die Klimaanlage anmachen. Man muss sich ja auch mal belohnen.

12.40 Uhr, 53 Kilometer verbleiben noch bis Wien, 31 Grad zeigt das Außenthermometer. 410 km haben wir bis hierhin heute abgespult. 8,4 Liter beträgt der Tagesdurchschnittsdurst unseres Audi A4 3.2 FSI. Für den 265-PS-Sechszylinder ein akzeptabler Wert, aber eine Ohrfeige für jeden Sparfuchs.

hirn-und-hertel.JPGOliver Hirn ist so einer. Der Industrie-Designer hat vor Jahren bei der Entwicklung der Audi-Studie Steppenwolf mitgearbeitet, erzählt er en passant. Heute arbeitet der 44-Jährige bei einem Premium-Navi-Erstausrüster. "Olli‚Äú, wie ihn sein Beifahrer Mathias Hertel (im Foto rechts) nennt, kennt so ziemlich jeden Trick, wenn es darum geht, den Füllstand des Tanks möglichst langsam absinken zu lassen. Bergauf und bergab verfolgt er seine eigene Strategie: erst mit dem Tempomaten spielen, dann auskuppeln statt Schub, Schub, Hurra! "Das bremst zu sehr, lieber den Schwung ausnutzen‚Äú, erklärt er. Bergab sind er und Mathias dann gern mal mit 105 km/h unterwegs. Den minimalen Mehrverbrauch nimmt er in Kauf: “Kurz vorm Scheitelpunkt den Tempomat ein, zwei km/h runterregeln, dann rüber und rollen lassen, das ist optimal‚Äú, meint er. Mal sehen, ob sich das am Ende rechnet.

dietz-und-kroder.JPGClaudia Kroder setzt auf frühes Schalten und konsequentes Tempo. Nur die Lkw im Rückspiegel, an die mag sich die 38-jährige Köchin nicht gewöhnen. "Gestern hat uns einer die ganze Zeit angeblinkt im Tunnel. Unverschämt, da war 80 erlaut, und die sind wir auch strikt gefahren.‚Äú Die Strafe folgte auf dem Fuße: Am Ausgang des Tunnels hat die Polizei den Laster herausgewinkt, Claudia und Mitfahrer Dominik Dietz (im Foto links) durften unbehelligt weiterfahren.

13.20 Wien. Wendepunkt erreicht. Mittagessen in Schloss Schönbrunn steht an. Und bis dahin Stopp-and-go-Verkehr. Jetzt geht es noch mal um die Wurst. Unser Momentanverbrauch rauscht durch die Zehn-Liter-Grenze, bemerkt Kollege Urbitsch trocken. Oh oh, das wird der dieselnden Nachhut gar nicht gefallen. Spritfresser Stadtverkehr. Sollte in Wien schon eine Vorentscheidung fallen? Wer jetzt falsch abbiegt (wie wir), riskiert alles.

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