Geschrieben am 10.04.2008 von .

Ferrari Magic India Discovery Tour: Teil 5

dsc01345.jpgWelch eine Guten-Morgen-Lektüre: “Eine Tablette direkt nach dem Stuhlgang einnehmen,” steht auf dem labbrigen Beipackzettel geschrieben. Weitere Zitate sind an dieser Stelle wohl weder erwünscht noch vonnöten. Denn ja, es hat mich erwischt. Und wie! Das Obst von heute Mittag, der Fisch in Varanasi, das Hühnchen-Curry oder doch das etwas säuerlich schmeckende Risotto von Allahabad? Was auch immer, die Nacht verbrachte ich jedenfalls als Pendler zwischen Bett und Klosett. Nur Arzneimittelchemie kann jetzt noch helfen, die unplanmäßigen Boxenstopps während meiner letzten Ferrari-Fahrt im Rahmen der Magic India Discovery auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Ich muss gestehen, dass sich Erleichterung breitmachte, als ich am Frühstückstisch vornehmlich in blassgelbliche Gesichter guckte. dsc01300.jpgNur sehr vorsichtig wird dort von manchem Teammitglied am Tee genippt, im Wasserglas eines britischen Kollegen sprudeln Brausetabletten und auch Fabrizio springt zwischendurch hastig vom Stuhl um in Richtung Toilette zu hetzen. Denkbar schlechte Voraussetzungen also, für die bevorstehenden 330 Kilometer nach Lucknow.

dsc01318.jpgDie spektakuläre Landschaft mit ihren gigantischen Kokospalmen im Vordergrund und schroffem Gebirge am Horizont unterdrückt die Verdauungsprobleme so gut es eben geht. Immer wieder wird kurz angehalten. Und während sich manche eiligen Schrittes, mit westeuropäischem Toilettenpapier bewaffnet, in die Büsche schlagen, sichten die Unversehrten die Umgebung, verteilen Ferrari-Aufkleber an heranströmende Kinder oder machen sich über die Lunchpakete her.

dsc01311.jpgEin letztes Mal tasten wir uns durch die schmalen Buckelpisten kleiner Dörfer, röhren vorbei an gigantischen Steinbrüchen, quälen uns durch die rußenden LKW-Kolonnen und genießen die seltenen Momente bei freier Fahrt. Wie so oft versacken die Vollgas-Intermezzi jedoch allzu schnell im dichten Verkehr. Runterschalten und relaxen, heißt es also einmal mehr, als wir uns nach kräftezehrenden zwölf Stunden durch Rücklichtermeer Lucknows quälen.

Doch schon in ihren Randbereichen kontrastiert die Millionenstadt stark mit allem bisher Erlebten. Der Verkehr fließt geordneter, zumindest für indische Verhältnisse. dsc01445307.jpgUnd aus dem tristen Teppich aus Flachbauten und Ruinen ragt die wirtschaftliche Aufbruchstimmung: Blitzblank polierte Fassaden bekannter Unternehmensniederlassungen, mächtige Einkaufszentren und dazwischen Luxushotels mit ausladenden Parks lassen erahnen wo die Reise des Subkontinents hingeht. Die unsere geht schon morgen in Richtung Heimat. Trotz mancher Widrigkeit während der vergangenen zehn Tage, mischt sich Wehmut ins Unterbewusstsein. Soviel, dass sich sogar der leidgeprüfte Verdauungsapparat um einen Moment der Stille bemüht. Ciao Scaglietti, grazie Ferrari, forza India!

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