Es sollte ein echter Härtetest werden, heute auf der vierten Teiletappe von Allahabad nach Khajuraho. Zwar verheißt das Roadbook mit rund 300 Kilometer nicht gerade eine unlösbare Aufgabe – zumindest gemessen an den braven Autobahnpassagen der Vortage ‚Äì jedoch lässt die Route nun den, vielleicht nicht gerade samtigweichen aber immerhin akzeptablen, Fernstraßenasphalt hinter sich und schlängelt sich hinaus in die ländlichen Gebiete des Subkontinents. Dort, jenseits von Blechkolonnen und Schwerindustrie gibt Indien auch endlich seine wahre Schönheit preis. Drängten sich an den Hauptverkehrswegen noch schmuddelige Dörfer mit gigantischen LKW-Schrottplätzen und stinkenden Mülldeponien, offenbart sich längsseits der schmalen, baumgesäumten Landstraße nun die klischeehafte Seite des Landes.
Frauen und Kinder balancieren Wasserkrüge oder zu Bündeln zusammengezurrte Feldfrüchte auf ihren Köpfen, am Wegesrand kümmern sich Männer um leidgeprüftes Schuhwerk oder treiben Ziegenherden durch den Hüttensaum des Straßenrands. Am Horizont spielen sich erstmals auch vulkanähnliche Berge ins Blickfeld, immer wieder verdeckt vom Blattwerk meterhoher, uralter Bäume. Gemessen am Dieselduft-Ambiente der Vortage einfach nur hinreißend.
Mit dem landschaftlichen Reiz nimmt allerdings auch die Schlaglochdichte zu. Ein unüberlegtes Ausweichmanöver ins Bankett – etwa aufgrund eines heranbrausenden Trucks – und die Radaufhängung hätte wohl ihren Dienst getan. Zwischendurch reißt die löchrige Asphaltschicht sogar völlig auf. Dann lauert schroffes Gestein auf die Pirellis unserer langhaubigen Arbeitsgeräte. Und die Suche nach der besten Traverse wird zu der nach einer Nadel im Heuhaufen. Raus aus den Sesseln, rein ins Staubbad und vorneweg joggen, lautete demnach mehrmals heute die Devise. Immer wieder schubbert zwar Schotter an die vorsorglich verkleideten Unterböden, einem der zahlreichen Krater sind wir allerdings nicht in die Falle gegangen.
Lohn der Mühen war die erste Serpentinenstrecke nach mehreren Tagen. Wie schön doch Kurven sind, denkt sich da der Mitteleuropäer. Zwei Klicks am linken Lenkradpaddel und die 540 Cavalli fetzen samt Scaglietti und Besatzung auf die erste Haarnadel zu wie Kinder an Heiligabend in Richtung Weihnachtsbaum. Scheitelpunkt anvisieren, aufs Gas, und nebenbei den nächsten Gang einspannen. Großes Entertainment für die staugeplagten Seelen. Zumindest bis ein kleinwagengroßer Felsbrocken die Ideallinie blockiert. Lenkung öffnen, und dann geht es nur haarscharf vorbei am schroffen Spielverderber.
Nach der Durchquerung eines dicht bewaldeten Tigerreservats, die allerdings ohne Bekanntschaft mit der indischen Großkatze ausfallen musste, schockt uns kurz vor der Einfahrt nach Khajuraho noch ein Rudel Affen, das plötzlich von links auf die schmale Straße fetzt.
Fabrizio, der zu diesem Zeitpunkt chauffierte, traf das breite Alubremspedal allerdings noch rechtzeitig, so sausen die Languren wild kreischend und verdutzt guckend knapp an der Motorhaube vorbei. Fragen nach der abendlichen Laune im gediegenen Hotelambiente Khajurahos beantwortet indes ein Blick auf die Formel-1-Ergebnisse. Denn wenn ein Doppelsieg der Scuderia auf ein gutes Dutzend Tifosi trifft, braucht man sich um die Stimmung wirklich keine Sorgen zu machen.
09.04.08
14:22
timmse
Da is ja echt was los… Hauptsache, du kommst wieder gsund ham, Bou!