Presseveranstaltungen haben von Zeit zu Zeit durchaus ihren eigenen Reiz. Nehmen wir das Pre-Opening des 78. Genfer Salons, organisiert von Volkswagen, irgendwo in den industriellen Suburbs des Millionärs-Städtchens am Lac Léman. Rund 25 Minuten dauert die Fahrt aus der Innenstadt hierher. Exakt 25 Minuten später als geplant steigt dann auch die offizielle Sause; Stau allerorten. 19:55 Uhr, Konzern-PS-Flüsterer Stephan Grühsem betritt die improvisierte Bühne. Von ihm aus gesehen links werden in kurzen Abständen die Highlights des Konzerns hereinfahren, um dann von ihm aus rechts von der Bühne zu rollen. Durch ein Tor, das beim Skoda Superb Greenline ein paar Sekunden zu früh schließt und die Dachantenne abreißt. Schramm drüber.
Konzern-Chef Martin Winterkorn betritt die Bühne, frisch eingeflogen aus Schweden, wo er just die Scania-Übernahme klargemacht hat. Jetzt sind es neun statt acht Marken, die er verantwortet. “Ein zusätzliches Juwel”, nennt er es. Um gleich darauf Konzernsprecher Grühsem Antwort zu stehen auf die nächste News: “Porsche hat heute die Übernahme von VW angekündigt.” “Wir begrüßen das ausdrücklich.” Na denn.
Nach so viel Neuem darf sich die internationale Journalisten-Meute erst einmal zurücklehnen: Volkswagen goes Hollywood, steht jetzt auf dem Programm. Ein rasant geschnittener Film über die Neuheiten des Konzerns donnert über die Videoleinwände. Markenbosse werden in James-Bond-Anlehnung zu Qs persifliert. Wie immer sticht Lambo-Chef Stephan Winkelmann heraus. Nicht nur, weil sein Anzug gewohnt perfekt sitzt, auch sein Akzent ist lupenrein und plausibel, wie später auf der Bühne: “Sinnlichkeit, die Hand in Hand geht mit der angeborenen Aggressivität eines Lamborghini” – so beschreibt er die Neuauflage des erfolgreichsten Lambos aller Zeiten, des Gallardo. LP560-4 heißt der. Langfristig soll er 40 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre blasen. Minus 18 % CO2 g/km ist immerhin schon die kryptische Bilanz des 560-4. Geht doch, entfleucht es meinem Sitznachbarn. Vermutlich meint er die minus 0,3 Sekunden auf 100.
“Geneva Spring Nights” lautet das Motto des Abends. Und in der Tat darf sich der Volkswagen-Konzern rühmen, die fettesten Knospen am diesjährigen Frühlingsautostrauß gezüchtet zu haben. Audi A4 Avant, Bentley Brooklands, Seat Bocanegra, dazu der gasöse Caddy Maxi EcoFuel sowie der heftig beklatschte VW Scirocco und der von Violinen soufflierte Auftritt des Skoda Superb – der eine ein Sportwagen, der andere Luxuslimousine, beide zum Preis von unter 23.000 Euro. Wer jetzt von Autos für den kleinen Mann spricht, darf sich gehackt legen. Die werden was reißen, so viel scheint klar nach dem pompösen Pre-Opening, das – mal ehrlich – ein wenig aus der Not geboren wurde: Der erste freie Slot für eine große PK, den die Messe-Verantwortlichen VW zugestehen wollten, war “irgendwann nach 17 Uhr”, so Sprecher Hans-Gerd Bode. Drum die fette Vorab-Sause. Mit Presseunterlagen, TV-Footage und allem, was Abende wie diese l(i)ebenswert macht: Live-Mucke, Finger Food, Caipis – und spannende Autos. Morgen gibt es dafür keine zeitaufwendigen Enthüllungen, keine große PK. Wer zu VW kommt, kann drauflosfotografieren. Ätsch man bätsch, Erster!
Bewegte Bilder vom Abend und über die Neuigkeiten vom Genfer Salon gibt es bei autobild.tv!