EcoFuel Asia Tour: Teil 6
Was würde ich jetzt für eine heiße Tasse Tee und ein prasselndes Kaminfeuer geben! Aber nein, ich stehe bis zu den Knien im Wasser, es ist früh morgens, stockdunkel und eiskalt dazu. Wir sind im Himalaya, vier Kilometer hoch über dem Meeresspiegel und viele tausend Kilometer weg von Zuhause. Aber der Fluss, in dem ich gerade wate, ist die einzige Möglichkeit, hier weiterzukommen. Schritt für Schritt müssen mein Fotograf Franz und ich uns vortasten. Sonst wissen wir ja nicht, ob das Wasser zu tief für unseren VW Caddy ist. Die Brühe reicht bis zur Stoßstange. Aber man hatte uns ja vorgewarnt: Die Strecke nach Lhasa in Tibet hat ein paar echt heftige Passagen. Es ist das Härteste, was wir bisher auf unserer EcoFuel Asia Tour bewältigen mussten.
Der Grenzübertritt nach China ein paar Tage früher war dagegen erholsam. Unser Guide hatte uns schon mit seinem Geländewagen erwartet – ein chinesischer Führer ist Pflicht für alle, die mit dem eigenen Auto durchs Land fahren wollen. Die Zollformalitäten waren schnell erledigt – da müssen wir einfach ein dickes Lob loswerden an die Leute von Navo Tours, die alles organisiert haben. An der Grenze zur Autonomen Region Tibet herrschte hektisches Treiben. Dort kommen viele Himalaya-Expeditionen an und lassen von den einheimischen Führern, den Sherpas, schon mal ihre Sachen über die Grenze tragen.
Doch dann ging die Gewalttour los. Früh morgens um zwei Uhr sind wir aufgebrochen. Rauf auf 4000 Meter, eine 40 Kilometer lange Strecke voller Baustellen. Und eine Baustelle in Tibet besteht nicht etwa aus ein paar Schlaglöchern mit rotweißen Verkehrskegeln davor. Hier gibt es nur eine Spur, und die ist von schweren Brummis so ausgefahren, dass viele sich höchstens mit Offroad-Autos vorbei trauen. Manchmal haben wir uns Zentimeter für Zentimeter durch Stein und Geröll vorangetastet. Vier mal musste der chinesische Guide den Erdgas-Caddy mit seinem Geländewagen ein kurzes Stück abschleppen, weil die Bodenfreiheit des Autos einfach nicht ausreichte. Ein fieser Felsblock hat uns ein Schutzblech der unteren Gastanks abgerissen. Aber die Anlage wurde nicht beschädigt, so dass wir problemlos weiter fahren konnten. Dann kamen die beiden Flussdurchfahrten – alles noch in der Dunkelheit. Doch unser Caddy hat tapfer durchgehalten. Selbst die vier Reifenplatzer auf dieser mörderischen Geröllstrecke waren kein Problem: Reserverad aufziehen, kaputten Reifen flicken oder im nächsten größeren Ort einen neuen Pneu kaufen – das ist für uns schon zur Routine geworden.
Bei 4500 Metern Höhe wurde es dann hell. Die Sonne ging an einem wolkenlosen Himmel auf und gab den Blick frei auf die 8000er des Himalaya. Das war eine überragende Erfahrung – keine Postkarte kann diesen majestätischen Anblick einfangen. Leider konnten wir uns nicht nur darüber freuen, denn die Höhenkrankheit machte uns zu schaffen. Der Schädel brummt einem da ganz ordentlich. Als wir an den tibetanischen Dörfchen vorbei gefahren sind, war unser Erdgas-Caddy sofort ein echter Magnet. Viele kamen aus ihren Häusern und Hütten heraus und umringten neugierig das Auto. Auf der Schotterstraße nach Lhasa kamen uns dann sogar Mountainbiker aus Europa entgegen, denen die Abfahrten durch mitteleuropäische Gebirge wohl zu langweilig waren. In Lhasa haben wir uns natürlich den Potala-Palast angeschaut. Dieses Bauwerk sieht einfach fantastisch aus, war früher die offizielle Residenz des Dalai Lama. Außerdem haben wir das SOS-Kinderdorf in Lhasa besucht, um dort unsere zweite Spende abzugeben. Die erste hatte das SOS-Kinderdorf in Kathmandu bekommen.
Kurz vor der Fahrt ins Land der Han-Chinesen mussten wir dann noch einmal zittern. Nicht nur wegen der Kälte – in Tibet gab es in den Hotels kein warmes Wasser, und in den Zimmern hatte es wohl um die 7 Grad minus – sondern weil ein zugeschneiter Pass versperrt war. Das hätte Tagen, wenn nicht Wochen dauern können. Doch das Militär hat den Pass zum Glück schnell frei geräumt, und wir konnten den Weg Richtung Shanghai fortsetzen. In Chengdu hat unser Caddy endlich wieder Erdgas geschmeckt – durch Tibet mussten wir ja notgedrungen mit Benzin fahren. Und es war schön, wieder in einer Großstadt zu sein, wo man alles kaufen kann und alles zu essen bekommt. Und wir haben endlich unsere Windschutzscheibe gewechselt. Die hatte in Indien ja einen dicken Stein abbekommen.
Schließlich war unser vorletztes Etappenziel erreicht: Die Messe „Challenge Bibendum“ in Shanghai. Daran nehmen nur Autos mit umweltfreundlichen Antrieben teil. Unser VW Caddy war sofort von Besuchern umringt, die Kameras klickten, und wir wurden mit Fragen gelöchert. Unser Auto war allerdings auch eine Besonderheit auf der Messe. Er war nicht nur das erste europäische Erdgasauto in China, sondern auch das einzige, das auf seinen eigenen Rädern zur Veranstaltung gefahren ist. Nun wartet noch die letzte Etappe der EcoFuel Asia Tour auf uns, die Fahrt zur Erdgaskonferenz ANGVA in Bangkok.
