EcoFuel Asia Tour: Teil 5
Jetzt ist es also passiert. Wochenlang ist alles so gut gegangen auf der Erdgas-Tour mit unserem VW Caddy. Doch mitten im tiefsten Indien traf uns der Schlag ‚Äì im wahrsten Sinne des Wortes. Es gab einen Riesenknall, und die Windschutzscheibe war sofort blind. Mein Fotograf Franz und ich sind beide vor Schreck weiß angelaufen. Irgendjemand hat uns wohl einen Stein auf die Scheibe geschmissen. Glück im Unglück: Das Sicherheitsglas hat gehalten. Vor Franz breitet sich jetzt zwar ein gläsernes Spinnennetz aus, aber die Fahrerseite ist heil geblieben – ich kann zum Glück noch genug sehen.
Doch wir lassen uns nicht entmutigen. Denn die Schönheiten Indiens entschädigen für Vieles. Schon die wuselige Mega-Metropole Delhi ‚Äì da war die Scheibe noch heile – hat uns begeistert. Wir kannten Delhi ja von unserer EcoFuel World Tour im letzten Jahr. Im Zentrum gibt es viel weniger Smog als früher, weil alle Busse und Taxen mit Erdgas fahren. Sogar die kleinen Auto-Rikschas (Tuk-Tuks) laufen mit Gas. An den Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Die Riesenstadt bleibt aber ein Ort der Gegensätze: Das Geschäftsviertel Connaught Place (kurz CP) wirkt sehr westlich und aufgeräumt. In den Randgebieten von Delhi sahen wir dagegen viel Armut.
In Indien ist man außerdem nie allein. Sobald unser Caddy irgendwo auftauchte, bildeten sich Menschentrauben. Wenn man die Scheibe herunterfährt, stecken die Leute sofort ihre Köpfe hinein und befeuern einen mit Fragen. In Indien haben wir auch eine Fabrik von TATA Motors besucht, dem größten Autohersteller des Landes. Die Techniker haben unser Auto sofort auf die Bühne gehoben, alles fotografiert und viele Fragen zur Erdgastechnik gestellt. Wir durften auch die Fabrik besichtigen. “Just-in-time”-Produktion und “Lean Management” ‚Äì das sind dort offenbar Fremdworte. Jeder Schritt wird einzeln erledigt, an manchen Arbeitsplätzen liegen haufenweise Teile ungeordnet herum, es ist ein ziemliches Durcheinander. Aber trotzdem funktioniert es.
In der Millionenstadt Lucknow war unser letzter Erdgas-Tankstopp, bevor es über die Grenze nach Nepal ging. Wir haben lange mit dem Tankwart verhandelt, damit er uns den Tank mit 250 bar befüllt. Das hätte für eine riesige Strecke gereicht. Doch er hat sich nicht getraut, die Kompressoren so weit hochzufahren. So mussten wir uns mit 200 bar zufrieden geben.
In Nepal hat uns neben der traumhaften Landschaft vor allem eins sofort begeistert: Diese himmlische Ruhe. Es gibt nicht diese Menschenmassen wie in Indien, die Nepalesen wirken irgendwie cooler, relaxter. Und es gibt ständig skurrile Begegnungen: Der Mann in Kathmandu zum Beispiel, der mit einer traditionellen Kopfbedeckung und dazu einem Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft herumläuft. Oder der buddhistische Mönch in seiner gelbroten Kluft, der ein Mobiltelefon am Ohr hat. Franz knipst mit seiner Kamera begeistert einen Speicherchip nach dem anderen voll. Eins ist in Nepal aber äußerst dürftig: Die Benzinversorgung. Es gibt kilometerlange Schlangen vor den Tankstellen.
In Kathmandu haben wir auch eins der beiden SOS-Kinderdörfer besucht, die auf unserer langen Reiseroute nach Shanghai stehen. Es gab einen netten, herzlichen Empfang, und wir haben wie geplant unsere Spende von 2000 Euro übergeben. Das Dorf hat acht Häuser. In jedem leben etwa zehn Kinder ‚Äì Waisen oder Halbwaisen. Jede Gruppe wird von zwei Müttern betreut. Das ist wie eine Großfamilie. Wir haben den ganzen Tag mit den Kindern verbracht und mit den Mitarbeiterinnen des Dorfes gesprochen. Die Organisation ist einfach bewundernswert ‚Äì absolut unpolitisch, ihnen geht es nur darum, so vielen Kindern wie möglich zu helfen. Und man merkt, dass die Jungs und Mädchen sich dort wie zuhause fühlen.
Nun verlassen wir Nepal und brechen Richtung Tibet auf. Nach der Grenze geht es sofort hoch hinaus auf 4000 Meter hohe Gebirgspässe. Wir erwarten an der Grenze auch einen chinesischen Führer. Der ist Pflicht für alle, die mit dem eigenen Auto durch China fahren wollen. Unsere defekte Windschutzscheibe werden wir erst in Shanghai austauschen können ‚Äì hoffentlich geht bis dahin alles glatt. Denn unser VW Caddy soll ja ein Star der Erdgasmesse “Challenge Bibendum” in Shanghai werden.
