Geschrieben am 17.10.2007 von .

EcoFuel Asia Tour: Teil 4

build1.jpgBin ich froh, dass ich kein russischer Landwirt bin! Als wir Mütterchen Russland den Abschiedskuss auf die Backe drücken und gen Westen gondeln, breiten sich riesige Felder vor uns aus. Wer hier in der Kornkammer Russlands die Ernte einfährt, muss Zeit mitbringen. Die Felder haben solche Ausmaße, dass wahrscheinlich zehn deutsche Äcker hinein passen würden. Das gilt auch für die Traktoren: Gegen die rostigen russischen Stahlungeheuer aus den 60er Jahren wirken die Maschinen bei uns wie Playmobil-Trecker. Wir haben uns ein bisschen Zeit abgeknapst und sind auf eins der Monster geklettert. Der Fahrer war sicher froh über die Abwechslung von seiner tristen Pendelei. Hat uns stolz den Motor präsentiert ‚Äì der klingt wie bei einem uralten Panzer.

Über die russische Grenze ging es durch die Ukraine nach Moldawien und Rumänien. Vor allem Moldawien hat uns beeindruckt. Wir wussten gerade einmal, wie die Hauptstadt heißt ‚Äì Kischinau. Das kleine Land wirkte auf uns sehr europäisch. Das gilt auch für die frisch gebackenen EU-Mitglieder Rumänien und Bulgarien. Jeder, der an seinem Haus eine Nationalflagge hisst, hat gleich daneben die Europa-Flagge gehängt. Für uns als Weltenbummler ist das ein tolles Gefühl: Nach so vielen Jahren Ostblock haben viele Menschen auch in ihren Köpfen die Grenzen aufgemacht. Nur mit der Verständigung hapert es in Osteuropa noch häufig. Kaum einer spricht Englisch. Aber wir haben ja gelernt, uns mit Händen und Füßen zu unterhalten.

Leider ist in Rumänien und Bulgarien Erdgas praktisch unbekannt, hier ist LPG (Autogas) der große Hit. Also keine Tankstelle für unseren VW Caddy Ecofuel. Macht aber nichts, denn unser Schlitten fährt ja 3000 Kilometer weit. Wir konnten die Durststrecke bis in die Türkei also locker überwinden.bild3.jpg

Doch in der Türkei wurden unsere Augen plötzlich ganz groß: Drei Erdgastankstellen hintereinander waren defekt. Das zeigt das Problem der ganzen Tankstellen-Infrastruktur: Die Technik ist nun mal ziemlich komplex, und es braucht das entsprechende Know-how, um alles am Laufen zu halten. Von Istanbul bis Ankara mussten wir deshalb mit normalem Sprit fahren. Eigentlich haben wir den kleinen Benzintank ja nur eingebaut, weil wir über Tibet fahren werden und es dort nun einmal kein Erdgas gibt. Mit dem kleinen 13-Liter-Tank sind natürlich keine großen Reinweiten drin, so dass wir häufig nachzapfen mussten.

In Ankara gab es endlich wieder grünes Licht: Tankstelle in Ordnung. Dort gab es auch eine kleine Wiedersehens-Feier, denn wir waren bei unserer EcoFuel World Tour schon einmal dort. Im Verkaufsraum hängt noch das Bild, das die Jungs von der Tankstelle damals von unserem Caddy gemacht haben.bild4.jpg Viel Zeit blieb uns aber nicht ‚Äì der Zeitplan hängt uns immer im Nacken. Es ging Vollgas nach Süden, über Syrien und Jordanien Richtung Israel. Doch dort gingen die Probleme erst richtig los.

Eigentlich wollten wir das Jordan-Tal über die "Friendship Bridge‚Äú überqueren und nach Israel einreisen. Doch als die Grenzer unseren Erdgas-Caddy sahen, war es schnell vorbei mit der Freundschaft. Wir mussten ihn in eine Halle fahren, und das Auto ward nicht mehr gesehen. Die Israelis röntgen jedes Auto komplett durch und schrauben zur Kontrolle alles ab, was nicht niet- und nagelfest ist.

Schließlich kam einer der Grenzer zu uns und sagte: "Sorry, Sie dürfen nicht einreisen‚Äú. Vielleicht hatten sie Sorge, dass jemand auf den Gastank schießen könnte.bild2.jpg Die Sensibilität der Israelis ist eben sehr groß, die Anschlagsgefahr immer noch präsent. Selbst ein Kontakt zu VW Israel konnte uns nicht weiterhelfen. So mussten wir zähneknirschend Israel und Ägypten aus dem Reiseplan streichen. Die Alternative wäre eine Fähre von Jordanien nach Ägypten gewesen. Die kannten wir schon von der World Tour - der altersschwache Pott schleicht so langsam voran, dass man genauso gut schwimmen könnte.

Um den Zeitplan zu retten, haben wir lieber gleich den Rückwärtsgang eingelegt und sind nach Istanbul umgekehrt. Dort haben wir den Erdgas-Caddy wie geplant in einen DHL-Frachtflieger verladen und nach Delhi geschickt. Wir sind hinterhergeflogen. In der Mega-Metropole gönnen wir uns eine kurze Verschnaufpause, dann geht es weiter durch Indien Richtung Nepal und Tibet. Hoffentlich geht alles glatt. Denn dort erwarten uns zwei SOS-Kinderdörfer. Wir werden direkt vor Ort Spenden übergeben ‚Äì 20 Cent für jeden Kilometer unserer Tour.

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