Wie praktisch, wenn man eine eigene Tanke hat. Da kann man lustig experimentieren und Sachen herausfinden, die man schon immer wissen wollte. Ich wollte mal wissen: 1. Hat ein Auto mit Bioethanol (89 Cent/Liter) wirklich mehr Power als mit Benzin (1,48 Euro/Liter)? 2. Wieviel Bioethanol kann ich ohne Umrüstung zupanschen und die Karre läuft trotzdem? Schließlich haben wir durch die Zwangsbio-Beimischung seit dem 1.1.2007 sowieso schon alle 4,4 Prozent Bioethanol im Super bleifrei.
Auf die Idee gebracht hat mich ein Kunde mit seinem Uralt-Polo von 1991. Der Typ kommt regelmäßig zum Ethanol-Fassen. Nur: Mit mechanischer Einspritzanlage kann die Kiste definitiv nicht auf Bioethanol umgerüstet sein. Dafür braucht man mindestens eine Multi-Point-Benzineinspritzung (jeder Zylinder hat seine eigene, elektronisch gesteuerte Einspritzdüse), damit im Kaltstart und bei Volllast die Spritzufuhr um etwa 20 Prozent verlängert werden kann. Okay, manche erhöhen einfach den Benzindruck, was aber nicht wirklich förderlich ist, weil der Motor das Saufen anfängt und die Benzinpumpe das langfristig nicht mitmacht.
Zurück zum Polo: Der Typ erzählt mir: “Ich fahre seit einem Jahr nur noch Bioethanol, weil ich kein Geld für Benzin habe. Morgens muss ich etwa eine Minute orgeln, damit der Wagen anspringt. Wenn der Polo auf Drehzahl ist, läuft er wie Hulle. Allerdings muss man beim Anfahren und beim Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen immer zwei Sekunden warten, bis was passiert.” Meiner Meinung nach muss man dann zum Überholen hellseherische Fähigkeiten haben oder lebensmüde sein. Außerdem kann das auf Dauer nicht sonderlich gut für den Kat sein, wenn der Vierzylinder eine Minute lang läuft wie ein Sack Nüsse. Das ist es nicht wirklich.
Also mein Laborversuch: Nehmen wir einen alten Fiat Uno Turbo (100 PS, 780 Kilo) – den hatte ich für eine ARD-Ratgeber-Auto-Produktion extra angekauft (Beitrag: “Die Spritsparbüchse”, wer sich es ansehen will, hier der Beitrag) und tanken nach und nach so viel Bioethanol zum Benzin zu, bis er nicht mehr läuft. Dann tanken wir wieder Sprit nach, bis er wieder prima läuft und morgens gut anspringt. Vorher und nachher messen wir mit dem TomTom-Navi per GPS die Höchstgeschwindigkeit auf der A2.
Das Ergebnis des großen Biofuel24-Laborversuchs zeigt: a) Benzin 100% Vmax: 191 km/h, Tacho 200. Benzin. b) Benzin/Bioethanol 80/20: Vmax 191 km/h, Tacho 200. c) Benzin/Bioethanol: 50/50: Vmax: 206 km/h, Tacho 215 km/h. d) Benzin/Bioethanol: 20/ 80, Uno ruckelt, springt mies an, Vmax-Versuch abgebrochen, unterwegs Sprit nachgetankt, um den Kat nicht zu beschädigen. Zufallsergebnis oder nicht, Fakt ist: Als wir den Uno danach wieder mit 100 Prozent Benzin getankt haben, fühlte er sich an, als wäre die Handbremse angezogen. Tatsächlich rennt ein Turbo-Beziner mit E85 (110 Oktan) wie die Sau.
Beim Verbrauch konnten wir feststellen: Ab 50/50 Beimischung brauchte der Turbo 0,4 Liter mehr auf 100 km. Wichtig: Nach etwa 2000 Kilometern mal den Benzinfilter austauschen. Benzin ist Wasser unlöslich. Bioethanol löst das Kondenzwasser im Tank und damit den ganzen Dreck am Boden. Ruckzuck setzt sich dann der Filter zu (hatten wir schon fünf mal). Wer einmalig den Filter tauscht, hat für immer Ruhe.
Übrigens haben die Amis gerade einen 105.000 Meilen-Test mit Bioethanol und Benzin gemacht. Ergebnis: Der Benzin-Motor war durch Verkokungen mehr verschlissen, als das identische Bioethanol-Triebwerk. Die Spritleitungen waren sogar in erheblich besserem Zustand als mit Benzin. Hier mal der Link zum Film.
Aber: Wer selbst panscht, fährt natürlich auf eigenes Risiko. Natürlich übernimmt kein Hersteller mehr die Motorgarantie, wenn herauskommt, dass nicht das getankt wurde, was in der Betriebsanleitung vorgeschrieben wurde. Übrigens: Porsche hat für den neuen Cayenne gerade bis zu 20 Prozent Biobeimischung frei gegeben. Fazit: Jeder kann Bioethanol zutanken, allerdings auf eigene Gefahr. Habt ihr schon mal E85 zugetankt? Was sind eure Erfahrungen? Schreibt doch mal…
01.11.07
14:26
benzer
Hallo,
ich habe heute einmal den Fiat-Versuch fortgesetzt und einen Ford Focus Turnier, 1,6 Liter, Erstzulassung: 3/2003 ohne Steuerungsgerät betankt:
30 Liter Super, 20 Liter Bioethanol
Also von der Tankstelle bis zur Arbeit (2 km) ist alles gut gegangen. Werde morgen nach Hamburg fahren und berichten, wenn erwünscht.
benzer, der mit dem ford tanzt
01.11.07
14:35
Sandmann
Ay Olli,
ich mach das jetzt auch mal, laut deinem OVI-Papst solls ja auch gut für das LPG Steuergerät sein…
benzer begibt sich selbst und seine Umwelt übrigens in diesen Selbstversuch, weil du meine / unsere Mail nicht beantwortest. Oder stehst du schon WIEDER auf irgend einer Messe und schluckst das Bier hinterm Tresen weg???
TzTz
Sandmann
05.11.07
12:05
Oliver Lauter
Hey Biomixer,
war gerade 6 Tage in Berlin zum Klausuren schreiben für meinen lästigen MBA-Abschluss. Nein, nicht Abschuss – diesmal wars ganz seriös vor der Theke. Aber selbstverständlich bin ich gespannt wie ein Flitzebogen auf weitere Pansch-Ergebnisse. Unbedingt mitteilen, viele Grüße Olli
20.11.07
12:45
escortmk7
Hallo…
Ich fahre einen Ford Escort MK7 XR3i, ( 1,8L 16V mit 115PS serie, Plus chip und einige andere sachen.. Hat ca 135Ps) Also ich habe Ethanol zu 100% getankt, hatte morgens zwar das Problem das er sich beim Beschleunigen etwas gesträubt hat, und 2mal mehr gedreht hat zum anspringen, aber als er warm war, alles super… Derzeit tanke ich 70/30 Ethanol/ Super, und hab keine Probleme. Mehrverbrauch, iss nicht nennenswert (ca 0,7L auf 100km ) Er läuft definitiv besser vom anzug her viel Bissiger und auch der Tacho reicht mit 220Km/h jetzt nicht mehr… V.max laut Fahrzeugschein 196km/h, laut Navi mit Normal Super 190km/h mit Ethanol (70/30 Ethanol/ Super) 213Km/h.. Kann also nur Positives berichten und werde auch weiterhin Ethanol Tanken…
MFG Marcel
21.11.07
09:37
Oliver Lauter
Ay Marcel,
zwei kleine Ergänzungen zu Deinem XR3i. Ich habe keine Ahnung, ob das Modell schon gehärtete Ventilsitze hat. Laut Tuner Elia sollte man präventiv mal eine Keramik-Versiegelung für den Motor machen. Kostet nicht viel, gibt¬¥s im Autozubehör. Das machen die Amis im Rennsport übrigens auch. Dann wichtig: Wechsel zwischendurch mal Deinen Benzinfilter, so nach ca. 2000 km, weil E85 den ganzen Dreck löst und das Ding verstopfen kann. Mit Ethanol laufen die meisten Autos wie Sau, das Problem ist im Winter der Kaltstart. Wenn Du nicht umgerüstet hast, und dazu mixt, dann einfach ein paar Liter Benzin mehr in den Tank, wenn er ab unter 3 Grad schlechter anspringt. Viele Grüße, Olli
Ansonsten besten Dank für¬¥s Feedback!
24.11.07
00:21
escortmk7
Hallo Olli,
also der Benzinfilter iss neu, naja ich hatte ihn ca 3000 kilometer nachdem ich das erste mal ethanol getankt hatte neu gemacht… Eventuell soll Go-60 Kai noch meinen Kopf bearbeiten, denke mal dann kann er mir genaues Sagen ob ich das machen soll oder ob die schon gehärtet sind… Anspringen tut er eigentlich recht gut, Problme hab ich eigentlich nur, das er wenn er Arschkalt iss die Leerlaufdrehzal nich ganz halten kann.. Das aber ok, sobald er etwas Temperatur hat.. Ansonsten dir auch erstmal Besten dank..
Greetz Marcel