Geschrieben am 27.09.2007 von .

EcoFuel Asia Tour: Teil 2

erdgasverdichter_kapusany_s.jpgDeutschland ist nur noch eine ferne Erinnerung. Unser Erdgas-Caddy hat uns ohne Mucken nach Kapu?°any in der Slowakei gebracht. Dort war sofort Sightseeing angesagt, denn in Kapu?°any gibt es die größte Erdgas-Verdichterstation Europas. Gegen diesen Riesenbau wirkt die Station in Saya, die wir uns zuletzt angeschaut haben, wie Kinderspielzeug. Die Turbinenhalle von Kapu?°any ist so groß wie zwei Fußballfelder. Ein Gewirr von Rohren führt hinein. 26 Monster-Turbinen machen dem Gas ordentlich Druck, damit es brav weiter durch die Pipelines fließt. Das macht natürlich einen Riesen-Krach. Ohne Ohrenschützer läuft in der Turbinenhalle gar nichts.

Nach dieser Zwischenstation ging es weiter über die nächste Grenze in die Ukraine. Darauf hatten wir uns schon gefreut ‚Äì endlich wieder vernünftige Gastankstellen. Aber denkste! Der erste Tankstopp nach Deutschland wurde auch der erste Schock auf unserer Tour. Ein Gummiring der Zapfanlage war undicht. Erdgas ist über das Notventil ausgetreten.cng_station_tula_russia03.jpg Zum ersten Mal habe ich gesehen, wie so ein blauer Erdgasstrahl aussieht, der mit einem Druck von 200 bar herausschießt. Hätte da einer einen Glimmstängel in der Hand gehabt, wäre das wohl die berühmte letzte Zigarette gewesen. Aber die Leute von der Tankstelle haben die Anlage sofort abgestellt und den Dichtungsring repariert.

Wir gönnen uns kaum Pausen, sind gleich weiter Richtung Kiew gefahren. Und wir wollten unbedingt sehen, wie nahe man an Tschernobyl herankommt. Der Atom-GAU ist mehr als 20 Jahre her, Tschernobyl hat ihn aber noch längst nicht vergessen. 22 Kilometer vor dem Todesreaktor ist Schluss – Schlagbäume mit Militärposten, hier kommt keiner durch.tschernobyl06.jpg Ein Schild warnt auf Russisch und Englisch: "Hier beginnt eine radioaktiv verseuchte Zone‚Äú. Am Straßenrand finden wir eine alte Gasmaske. Uns läuft es kalt den Rücken herunter. Kaum zu glauben ‚Äì noch immer leben Menschen ganz dicht an der Sperrzone.

Nach der Ukraine stand Mütterchen Russland auf unserer Reiseroute. Am geplanten Grenzübergang wollte man uns nicht durchlassen. Den Umweg von 200 Kilometern haben wir gelassen hingenommen ‚Äì es wird nicht der letzte auf unserer Reise gewesen sein. Wenn uns mal der Gesprächsstoff ausgeht, können wir prima über die Straßen fluchen. Die sind in Russland oft genau so schlecht wie in Indien: Schlaglöcher so groß, dass Kinder darin baden könnten. Und als ob das noch nicht genug wäre, wurden wir schon viermal von der Polizei angehalten. Im Überholverbot hätten wir überholt oder wären zu schnell gefahren ‚Äì angeblich. Wissen tut man das nie genau. Denn Schilder zum jeweiligen Tempolimit gibt es kaum. Da hilft nur die alte Weltenbummler-Faustregel: Im Zweifel hat immer der Recht, der mit der Radarpistole herumfuchtelt.

Da wurden wir in Moskau schon viel netter aufgenommen. Wir haben der Zentrale von Gazprom einen Besuch abgestattet. Die Leute sprechen alle Deutsch, haben uns herzlich empfangen. Zwischen Moskau und Samara gab es dann ein Highlight, das ich und mein Fotograf noch nie gesehen haben: Wir konnten live miterleben, wie eine Gaspipeline erneuert wurde. Die tiefen Gräben werden ausgehoben, und tonnenschwere Kamatsu-Bagger bugsieren die Rohre in die Grube. Dann werden sie verschweißt.

piplineworker_near_samara06.jpgEin bisschen einsam fühlen wir uns schon in Russlands unendlichen Weiten. Kontakt zur Bevölkerung gibt es kaum, auch wegen der Sprachbarriere: Mehr als ein paar Brocken Englisch spricht kaum jemand. Dafür werden wir an den Gastankstellen immer sofort von Lkw- und Busfahrern umlagert. Sie interessieren sich für unsere "Ballons‚Äú. So heißen in Russland die Erdgastanks. Für uns ist nun Orenburg der nächste Zwischenstopp ‚Äì knapp 1500 Kilometer südöstlich von Moskau, kurz vor der Grenze zu Kasachstan. Und danach fängt das Abenteuer EcoFuel Asia Tour erst so richtig an.

 

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