Seit gestern parkt ein Chevrolet G20 Diesel Transcar 2000 in unserer Umbau-Werkstatt. Der V8-Ami soll auf Rapsöl-Technik umgebaut werden. Für mich die genialste Familenkutsche der Welt: Neunsitzer, grüne Captainchairs, TV-Video, Standheizung, Kühlschrank und richtig fett Platz. Unser Pflanzenöl-Guru Udo Puls sieht den Ami etwas anders: Der völlig verbaute V8-Diesel bringt ihn um den Verstand.
Sharan, T4 und die ganzen Pumpe-Düse-Möhrchen auf Pflanzenöl umbauen, das können sicher viele. Einen 2000er Chevy Transcar zuverlässig auf Raps zu trimmen, dazu gehört schon mehr.
Das Problem: Die amerikanischen V8-Verteiler-Pumpen sind super-empfindlich. Kaltes, zähflüssiges Pflanzenöl im Pumpensystem garantiert den Exitus des 800-Euro-Teils. Aus diesem Grund sollte man den Ami auch nie mit Biodiesel fahren. Wer den Unterschied nicht kennt: Biodiesel ist eine Mischung aus Pflanzenöl und (giftigem) Methanol. Eigentlich soll das Methanol dazu dienen die Fließfähigkeit zu erhöhen. Das klappt aber nur bedingt, weil viel gepanscht wird. Gleichzeitig zerfrisst Methanol die Gummidichtungen der Kraftstoffsysteme. Also Hände weg! Reines Pflanzenöl hingegen könnte man trinken.
Wichtig: Es muss ein zertifizierter Kraftstoff sein. Aldiöl ist verboten. Ein Kumpel von mir gab mir den Tipp, dass der Zoll derzeit im Raum Magedburg deftig kontrolliert: Wer mit Aldiöl erwischt wird, begeht Steuerhinterziehung und darf löhnen. Also, liebe Pöler, bewahrt immer eure Tankquittungen von der Rapsöltanke auf. Das zertifizierte Rapsöl wird übrigens mit Zitronensäure und einem Bleichmittel versetzt. Soweit der Exkurs.
Beim Diesel-Van kommt also nur ein Zweitanksystem in Frage. Das heißt, Udo baut einen Extra-Tank für Pflanzenöl in den Unterboden. Der V8 startet mit Diesel. Eine Bosch-Dieselheizung und ein beheizbarer Bosch-Filter heizen das Pflanzenöl auf den ersten zwei Kilometern auf.
Erst, wenn das Öl 50 Grad hat, wird auf Raps umgeschaltet. Ein bißchen Tim Mälzer für Motoren. Gleiches gilt fürs Abstellen: Gut Zwei Kilometer, bevor der Motor für den Rest des Tages abgestellt wird, stellt der Fahrer wieder auf Diesel, um das gesamte Kraftstoffsystem wieder vom Pflanzenöl frei zu spülen. Ziel ist es, zu erreichen, dass niemals kaltes, zähflüssiges Pflanzenöl in der Pumpe bleibt.
Und natürlich immer zu gewährleisten, dass die Karre auch bei Minus 40 Grad anspringt. Denn Pflanzenöl hat bekanntlich weniger Heizwert als Diesel. Ich muss dem System Energie zufügen, damit es brennt. Stellen wir uns vor, wir versuchen einen Endiviensalat mit Öl anzünden. Wird nix. Nach 3 Monaten landen wir in der Klappse. Stellen wir uns vor, wir versuchen eine heiße Bratpfanne zu entflammen: Brennt wie Zunder und wir landen wieder in der Klappse, weil wir so bescheuert waren, unsere Küche anzuzünden. Alles klar?
Das Problem bei dem Zweitanksystem ist der Umbau: Das gesamte Kraftstoffsystem muss nochmals installiert werden. Spritleitungen dick wie Gartenschäuche müssen rein. Dafür soll beim Transcar alles raus. Sitze, Teppiche, Verkleidungen. In unserem Fall will der Kunde mit dem V8 im Winter ins bis zu 30 Grad Minus kalte Masuren fahren.
Dafür werden zusätzlich noch einmal alle PÖL-Leitungen mit dickem Schaumstoff ummantelt. Udos Schimpftiraden auf meinen Lieblings-Van nehmen kein Ende. Der Platzmangel für die gesamten Teile macht ihm zu schaffen. Unterflurtank, Extra-Leitungen, Verkabelungen, zweite Tankanzeige, Umschalter im Cockpit, und, und, und. Klar wird die Karre in den nächsten 400.000 Kilometern durchhalten, aber mit den Billig-PÖL-Kits aus dem Internet werden wir mit dem Preis wohl nie mithalten können. Der Ebay-Schrott (Monotanksystem) kostet 600 bis 800 Euro, unser V8-Diesel-Umbau kommt auf 2200 Euro. Udo ist ein Hundertprozentiger.
Obwohl: Manchmal kann ich Udos Van-Hass verstehen: Zwei Fingernägel hat er heute verloren, frustiert zeigt er mir, wie die Kabel bei den Amis verlegt sind: “Jetzt guck’ dir diesen Mist an: Chevy schmeisst die Kabel einfach hinter die Kunstoff-Verkleidungen. Ohne Isolierung, ohne Alles. Das ist eine Frechheit. Kein Wunder, dass die Dinger alle Nase lang brennen.”
Trotzdem: Ganz ehrlich, ich will auch so’n Ding haben. Wenn jemand seinen guten Transcar Diesel (ab 1997) oder Dodge Ram LPG (ab 1995), für maximal 10.000-15.000 Euro verkaufen will, schickt mir doch mal ein Mail – ich weiß Udo, wenn der Ami später streikt, sagst Du mir wieder, ich hätte auf Dich hören sollen…
Die V8-Diesel rennen maximal 140-150 km/h und verbrauchen 9-13 Liter PÖL. Zwei Tage dauert der Umbau, dann rennt der V8 umweltfreundlich mit Pflanzenöl. Nahezu komplett CO2-neutral und mit feinstem Blubbersound. Übrigens noch ein Nachtrag: Es gab kürzlich eine Riesenaufregung, weil Pflanzenöl-Abgase angeblich viel Krebs erregender als Dieselabgase sein sollen. Da habe ich natürlich sofort mal nachgehakt. Was stellte sich heraus? Die Wissenschaftler haben einen Selbstzünder genommen, der einmal mit Diesel gestartet wurde, einmal mit PÖL. Natürlich ohne Umrüstung. Klar, dass die Dieselkarre da gestottert hat, weil er mit dem kalten PÖL nicht richtig angesprungen ist. Klar auch, dass solche schwachsinnigen Aktionen im Grunde wieder nur dazu dienen, um jede Art von Alternativkraftstoffen in Verruf zu bringen. Ganz ernsthaft frage ich mich, wer tatsächlich Auftraggeber von solchen Studien ist. Meinetwegen können sich die Jungs ja mal drei Tage vor einen Diesel-Auspuff stellen, vielleicht ist das ja gesünder…
13.03.08
18:01
Autowunsch » Blog Archive » Re: Kann mir einer sagen WISO man im fahrenden Auto … 210/120km/h - Der Piep im Ohr - das Handy im Auto
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