Als “Onliner” pflegt man bekanntlich ein sehr enges Verhältnis zu seinem Computer. Auch¬† im Auto-Journalismus wird von dieser Spezies statt des Lederlenkrads meist die Tastatur beackert. Schnelle Autos haben fast immer dieselbe Farbe: nämlich schwarz ‚Äì auf weißer PC-Oberfläche. Doch wie kommen sie dahin? Wer leistet die Vorarbeit? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich unsere “Track-Tester” von AUTOBILD SPORTSCARS zwei Tage bei Ihrer Arbeit begleitet ‚Äì mit sieben saustarken Spaßbringern auf der Rennstrecke der¬†Motorsport Arena Oschersleben.
Mit strahlend weißen T-Shirts und leuchtend roten Jacken mit dem Redaktions-Logo stehen sie in der Boxengasse (außer auf diesem Foto) ‚Äì in Sachen Corporate Identity sind¬† die Kollegen äußerst vorbildlich. Doch wie sieht es auf der Strecke aus? Ich will Reifen rauchen sehen und Bremsen quietschen hören. Werde aber zunächst enttäuscht. Wir sind ja schließlich nicht auf der Kirmes! Mir wird mitgeteilt, dass die junge, engagierte Fotografin mit ihren drei ebenso jungen, engagierten Redakteuren zuerst “hügeln” müsse. Cool, die sind ja locker drauf. “Ich will auch hügeln”, höre ich mich im Geiste sagen. Und ich darf!
Das beim SPORTSCARS-Team geflügelte Wort hügeln bedeutet, dass alle Autos, über die später im Heft berichtet wird, nacheinander aus acht verschiedenen Positionen fotografiert werden und daher von den Redakteuren in 45-Grad-Winkeln hin und her rangiert werden müssen. Und das alles möglichst auf einer Strecke mit leichtem Gefälle. Ergo am besten einem Hügel. Nachdem also 56 Mal kräftig gehügelt wurde (ich hügelte übrigens in einem metallic-blauen Porsche Cayman S mit dunkelbraunen Ledersitzen), starten wir endlich zur ersten Rundfahrt.
Ich darf einen Honda Civic pilotieren (konstant exakt 40 km/h schnell – was auf dem kurvigen Rundkurs gar nich so einfach ist), in dessen offenem Laderaum die arme Fotografin kauert (es regnet¬†in Strömen) , laute Kommandos gibt und wild mit den Händeln fuchtelt. Dahinter tut sich Erstaunliches: Die Fahrer-Brigade übt sich in vollendetem Formationsflug ‚Äì auf dem Boden, versteht sich. Stoßstange an Stoßstange, Heckspoiler an Frontspoiler werden die diffizilsten Muster gefahren und abfotografiert. Beeindruckend! Das ist echte “Handarbeit”.
Nachdem alle Fotos geschossen sind, startet mein behelmter Volontärs-Kollege Sebastian Schneider, der ein geübtes Rennfahrer-Händchen besitzt, mit den Tracktests. Ziel der Übung: Welcher Straßen-Sportler ist der Schnellste auf dem 3667 Meter langen Rundkurs nahe Magdeburg? In Gruppe A messen sich BMW Z4 M Coupé, Porsche Cayman S und Nissan 350Z, in der zweiten Gruppe (ich nenne sie schlicht “Champions League”) müssen sich Audi R8, Porsche Carrera 4S, Jaguar XKR und Corvette C6 beweisen. Wer die Nase vorn hatte, steht in Heft Nr. 9 der AUTOBILD SPORTSCARS.
Nach einem aufreibenden, anstrengenden und äußerst interessanten 14-Stunden-Tag sind alle Fotos und wichtige Daten im Kasten. Das Team zieht sich zum wohlverdienten Bierchen ins nahe gelegene Strecken-Hotel zurück. Am nächsten Morgen müssen noch ein paar fetzige Fahraufnahmen gemacht werden, bevor es mittags zurück in die Redaktion geht. Dort sitzen dann auch die SPORTSCARS-Jungs wieder an ihren Rechnern, um die ehemals bunten Renner zu “schwärzen” und sinnvoll und informativ auf Papier zu bringen.
18.07.07
10:16
Steve Tille » Konzentrierter Pistenzauber
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