Was für eine Nacht! Im La Melinas schläft man natürlich bei offenem Fenster und lässt sich von den Grillen bezirzen. Ansonsten: wunderbare Stille. Die pulsierende Heimat Hamburg scheint zehntausend Kilometer entfernt. Dort soll es immer noch regnen ‚Äì an dieser Stelle also eine Prise Mitleid in den hohen Norden. Und, liebe Kollegen, falls es Euch beruhigt: Heute werde ich trotz 30 Grad Außentemperatur bestimmt auch mal frösteln …
Mit dem Mega-Croissant von Mama Melinas im Bauch steigen wir nämlich hinab in die Tropfsteinhöhle südlich von Orgnac, den “Aven d’Orgnac”. 120 Meter geht es in die Tiefe, aber schon nach den ersten Schritten umhüllt uns ein eisiger Hauch von 11 Grad Celsius. Diese Temperatur herrscht überall in der Grotte. Und jetzt wird uns klar, warum Besucher nur in Begleitung eines Führers hier rein dürfen: Die Höhle ist ein großer Saal voll Prunk und Reichtum, entstanden aus Wasser und Kalk. Für den Waschmaschinenmann aus der Calgonwerbung muss so die Hölle aussehen. Für unsereins ist es das Paradies.
Wer sich nicht so gut mit der Entstehung von Tropfsteinhöhlen auskennt, freut sich über das Fachwissen des Experten. Gut, den Unterschied zwischen Stalagmiten und Stalagtiten kann ich dank einer Faustformel gerade noch aus dem Gedächtnis hervorkramen (nicht ganz jugendfrei, bei Interesse bitte Mail an den Autor). Aber was es bedeutet, wenn Wasser über Jahrtausende tropft, fließt oder spritzt, lässt sich am besten an diesem Ort erklären.
Einige Objekte muten an wie bizarre Skulpuren von HR Giger (“Alien”), andere erinnern in ihrem Arrangement an eine riesige Kirchenorgel. Letztere würde hier auch aus anderen Gründen hinpassen, denn die Akustik in der Grotte ist grandios. Zum Schluss der Führung gibt es eine kleine Lightshow mit musikalischer Untermalung, die anfangs recht kitschig wirkt, das Publikum aber überraschend schnell in eine andere Welt entführt. Aus der gibt es schließlich nur noch via Fahrstuhl ein Entrinnen. Binnen Sekunden scrollt die Anzeige von 110 (Meter) auf null, erst schmerzen die Ohren, dann brennen die Augen ‚Äì und das Tageslicht hat uns wieder!
Schade, das war die letzte spektakuläre Station auf unserem Trip durch Rhone-Alpes. Was jetzt kommt, gehört in die Pflicht-Kategorie “Kulinarische Andenken”: Auf dem Weg nach Avignon zur Autozug-Verladung stürmen wir den Supermarkt eines großen Einkaufszentrums. Während es die Kollegen in die Spirituosenabteilung zieht, schlendere ich die offenbar längste Kühltheke der Welt entlang. An der Esskultur der Franzosen habe ich in den vergangenen Tagen die Käseplatte lieben gelernt. Zugegeben, die reinste Kalorienbombe und die perfekte Ausrede für einen leckeren Roten dazu. Aber was tut man nicht alles für die lieben Kollegen zu Hause, die mich mit den eindringlichen Worten verabschiedet hatten: “Cabrio-Tour durch Frankreich? Du hast’s gut. Dann bring uns wenigstens was Schönes mit!”
Und da grinst sie mich an, die Käseplatte. Ich weiß noch nicht, wie ich sie bei diesen Temperaturen nach Hamburg kriegen soll ‚Äì aber irgendwas wird mir schon einfallen. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Peugeot: Die Idee mit dem gekühlten Handschuhfach ist prima. Zugegeben, ein offenes Cabrio mit Klimaanlage auf Anschlag ist nicht unbedingt die Krönung der CO2-Reduktion. Zum Ausgleich werde ich mit dem Fahrrad zum Live-Earth-Konzert strampeln. Versprochen!
Wer glaubt, in Avignon nach dem Verladen seines heiligen Blechs für die nächsten Stunden aufs Auto verzichten zu können, hat sich geschnitten. Der Verladebahnhof ist nämlich tatsächlich nur zum Verladen gedacht ‚Äì einsteigen darf man aus Sicherheitsgründen nur am Hauptbahnhof. Für die Fahrt dorthin sorgt ein Shuttlebus, mitten durch den abendlichen Berufsverkehr. Egal, wir sind entspannt. Unter anderem deshalb, weil unser Zug eine Stunde Verspätung hat. Da die Ankunftszeit in Düsseldorf davon nicht wirklich tangiert wird, ist uns das ziemlich schnurz. Charmant auch, wie man mich über die Verspätung informiert hat. Auf die Frage, wo ich denn meine Postkarten für die Lieben daheim loswerden könne, strahlte mich die nette Dame vom Verladebahnhof optimistisch an: “Am ‘auptbahnhof gibt es eine Briefkasten. Und keine Sorge, sie werden genug Zeit ‘aben, denn Ihr Zug ‘at eine Stünde Verspätung.” Na, wer könnte ihr da noch böse sein?
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Eine Stunde Wartezeit ‚Äì das reicht locker, um die Verladeprozedur zu erklären. Die besteht erfreulicherweise aus nur vier Schritten:
- Warten.
- Das Auto vom Personal penibel begutachten lassen, damit später kein Schaden auf den Transport geschoben werden kann. Sie werden sich wundern, denn hier kommt die Wahrheit ans Licht: Macken, die Sie nicht mal beim letzten Vollwaschgang entdeckt haben!
- Warten.
- Auffahren auf den Autowaggon. Keine Angst, das sieht spektakulärer aus, als es ist. Die routinierten Helfer sind so fit mit ihren Gesten, dass sie selbst einen Hummer in eine Sardinenbüchse einweisen könnten.
Adieu, Peugeot, wir sehen uns in Düsseldorf!