So sehr ich meinen schwarzen Peugeot 207 CC ins Herz geschlossen habe ‚Äì heute würde ich ihn nur zu gern gegen ein Kajak eintauschen. Zwischen Vallon-Pont-d’Arc und der Mündung in die Rhone bei Pont-St-Esprit bahnt sich auf 60 Kilometer Länge die Ardeche ihren Weg durch zum Teil 300 Meter tiefen Schluchten. An Bootsverleihern mangelt es hier nicht, und bei schönem Wetter kann man vor lauter buntem Plastik kaum noch das Wasser sehen. Doch Obacht, wer hier paddelt, sollte sich vorher den Wetterbericht anschauen, denn im Grunde ist die Ardeche-Schlucht ein gigantischer Regenwasser-Kanal, der binnen kürzester Zeit zum reißenden Fluss anschwellen kann. Wie sagt man so schön: Stille Wasser …
Wir folgen der Ardeche auf der D290 teils in, teils über der Schlucht und registrieren alle paar hundert Meter einen neuen Parkplatz mit grandiosem Ausblick. Entsprechend fließt der Verkehr hier nur zäh, und man muss aufpassen, dass nicht plötzlich ein holländischer Tourist oder ein Lama am Kühler klebt. Beide Arten wurden hier künstlich angesiedelt, die eine lebt auf Campingplätzen, die andere als Attraktion hinter Gittern. Tierparks locken mit den zotteligen Kameltieren und sogar mit bissigen Krokodilen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Kind in den Ferien unbedingt “zu Schnappi nach Frankreich” will. Nun ja, die knuddeligsten Eisbären leben ja auch in Berlin und nicht in der Arktis. Automatisch landen wir nach einer Weile in St. Martin d’Ardeche, das auch als zeitweiliger Wohnsitz des deutschen Malers Max Ernst bekannt ist. Wer mehr über das Schaffen des Surrealisten wissen will, bekommt im hiesigen Tourismusbüro reichlich Infos.
Wir werden dort mit einem ganzen Kommitee regionaler Prominenz empfangen und gleichwohl mit regionalen Köstlichkeiten wie lockeren Anekdoten versorgt. So erfahren wir etwa den süffisanten Spitznamen der Einwohner St. Martins, der ihnen einst von den geographisch höhergelegenen Nachbarn verliehen wurde ‚Äì “feuchte Ärsche”. Grund: St. Martin d’Ardeche wurde in der Vergangenheit wegen des launischen Flusses von verheerenden Hochwassern heimgesucht, die den Pegel nicht selten bis auf Höhe des Allerwertesten steigen ließen. Heute ist die nasse Gefahr durch Staudämme gebannt, und gelegentliche Nachbarschafts-Scharmützel werden nur noch spaßeshalber ausgetauscht.
In den vergangenen Tagen wohnten wir ausschließlich in Hotels, die natürlich noch in der abschließenden Reisereportage auf autobild.de erwähnt werden. Heute erwartet uns eine etwas andere Art von Herberge: Das Quartier La Melinas in Juste d’Ardeche wird von einer kleinen Familie betrieben und ist ein altes Steinhaus aus dem zwölften Jahrhundert.
Isabelle de Permentier und Marc Vandenberghe haben die vormals landwirtschaftlich genutzten Gemäuer zu einem gemütlichen Gästehaus umgebaut, dabei aber den historischen Charakter beibehalten. Wer will, nächtigt sogar in der eigenen Kapelle des Anwesens ‚Äì und immer mit Familienanschluss. Das heißt: Zum Essen sitzen alle ‚Äì Gäste und Familie ‚Äì an einem Tisch, erzählen Geschichten, blättern durch Fotoalben, erfahren alles über Haus und Umgebung und werden mit köstlicher regionaler Küche verwöhnt. Wer die wohl größten Croissants Frankreichs und Schokobrötchen im Handballformat probieren möchte, sollte hier unbedingt mal einkehren.
26.03.11
11:32
StarkPeggy24
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