Kennen Sie noch die Werbung für Drei Wetter Taft? Den 30-Sekünder zwischen Alf und A-Team? Aufgepasst, ich schaffe ihn in zehn Sekunden:
Hamburg, 18 Grad, Regen, die Frisur sitzt. Lyon, 18 Grad, Regen, perfekter Sitz.
Voila, fertig. Das mag zum einen am allgemeinen Klimawandel liegen, zum anderen an meinem pflegeleichten Resthaar-Arrangement. Wie auch immer, fest steht: Der Wettergott weilt zurzeit nicht in Frankreich. Und das, obwohl ich am Abend meinen Peugeot 207 CC in Empfang genommen habe! Im strömenden Regen ging es von Lyon via Autoroute nach Annecy.
Kleiner Tipp schon mal am Rande: Sparen Sie sich bei schönem Wetter ruhig die Autobahn-Maut, denn die Nebenstrecke am Lac du Bourget vorbei sei bereits das erste Highlight auf der Tour durch Rhone-Alpes, wie mir die mitreisenden Kollegen später versichern. Die sind bereits am frühen Morgen eingetroffen und warten jetzt in Talloires auf mein Eintreffen, um mit dem Abendessen zu beginnen. Ich muss mich also sputen, komme aber nicht daran vorbei, doch noch einen Blick in die zauberhafte Altstadt von Annecy zu werfen.
Unser Reisemotto “Retrocharme und Lebensart” nimmt hier erstmals Gestalt an. Kaum hat man den Mauerbogen zur Vieille Ville passiert, befindet man sich in einer anderen Welt. Historische Häuserfassaden mit morbidem Charme, enge Gassen, hübsche Brücken, wohin das Auge blickt. Nur keine Menschen. Stimmt, es regnet ja, außerdem ist es für die üblichen Touristenscharen wohl einen Tick zu kühl.
Wer hier wohnt, geht lieber zum Coiffeur oder setzt sich mit Regenschirm vor ein Café und genießt die seltene Ruhe. Eigentlich gar keine schlechte Idee, das könnte doch mit dem Cabrio auch funktionieren, denke ich und fahre ortsauswärts in die Berge. Wenigstens einmal das Dach öffnen, nur für ein Foto! Auf einem lauschigen Parkplatz steht ein Auto mit beschlagenen Scheiben. Was für ein Glück, denn sonst gibt es hier niemanden, der mich für den Aufmacher in Szene rücken könnte. Ich klopfe ans Fahrerfenster, und eine Frau schreit “NON!”, während sie ziemlich abweisend gestikuliert. Wenig später dann ein männliches “OUI”: ER löst sich zunächst aus ihrer Umklammerung und quetscht sich danach aus dem Kleinwagen. Längst hat Monsieur das Peugeot Cabrio erspäht, fachsimpelt irgendwas von “207 CC … nouveau … bonne voiture!” Kurzes Benzingespräch, Foto im Kasten, zurück zur quengelnden Liebsten, fertig ist die Szene. Wahrscheinlich war es dann doch noch für alle ein befriedigendes Erlebnis.
So, jetzt aber schnell weiter nach Talloires, wo die Kollegen aus reiner Höflichkeit schon den fünften Apéritif hinter sich haben. Am beschaulichen Ostufer des Lac d’Annecy reiht sich eine Nobelherberge an die andere, wir dürfen heute Küche und Schlafgemache der Auberge du Pere Bise ausprobieren. Die Fortsetzung folgt morgen im Autoreiseblog. Dann sollte es auch mehr Schönwetter-Fotos geben, denn Romain Raimbault vom Tourismusverband Rhone-Alpes hat extra für uns den Sommer bestellt. Daumen drücken!