Sandmann (das bin ich) fährt ein altes Auto. 14 Jahre haben die vier Ringe mittlerweile auf dem Blech. Auf den Markt kam das Modell 1988. Es war das Jahr, in dem Natalie Cole den “Pink Cadillac” besang und Yello mit “The Race” die Charts stürmten. Audi in Neckarsulm spielte hingegen den Blues, den Blues der Oberklasse.
Längs eingebauter V8-Motor aus Aluminium, 32 Ventile, vier oben liegende Nockenwellen, vierstufiger Automat von ZF, vollverzinktes Blech, permanenter Allradantrieb und eine Serienausstattung, die ihresgleichen suchte. Die Welt sah mit eingeschliffenem Blick einen dicken Audi 100 und fragte sich, warum der 120.000 Mark kosten soll.
19 Jahre nach der ersten Serie und 14 Jahre nach dem Neukauf meines Boliden hat sich die Welt verändert. Im Zeitalter der Klimaschutz-Diskussion finde ich mich als gebeuteltes Individuum wieder. Die Schere geht auseinander. Die Koreaner wollen ein 1,5-Liter-Auto auf den Markt werfen, woanders werden großvolumige W12-Motoren gezüchtet.
Heute ist es fast normal, in jedem Getz oder Matiz eine Klimaanlage, einen Bordcomputer oder einen Tempomaten zu haben. Damals zeugte es noch von Exklusivität, elektrische Sportledersitze mit Memory und Sitzheizung zu besitzen, einen Tacho zu sehen, der bis 280 geht, und einem Sound-System von Bose mit vier aktiven digitalen Endstufen zu lauschen, das über einen CD-Wechsler verfügte, als alle anderen noch an ihren Kassettenrekordern saßen, um die neuen Hits aus dem Radio aufzunehmen.
Audi hatte die Käuferliga damals ein wenig falsch eingeschätzt, das wird einem auch heute noch schmerzlich bewusst, wenn man mit seinem vermeintlichen Audi 200 vorfährt und kein Mechaniker so recht weiß, was er machen soll. (Der Nachfolger A8 sollte das alles erfolgreich gerade rücken.)
Ist es verrückt, ein Auto zu fahren, von dem sich zwischen 1988 und 1994 nur rund 21.000 Stück verkauften, dem damit der Exotenstatus schon in die Wiege gelegt wurde? Liegt es am Esprit des Understatements oder an der Gewissheit, faszinierende Technik, Komfort und Agilität zu beherrschen, die einem auch heute noch kaum ein vergleichbares Auto bietet?
Sagen wir mal so: Wenn man sich aufs schrauben versteht und einen guten Freund und V8-Retter mit einer Hebebühne hat, ist die Instandhaltung möglich. Und wenn man dann noch den Dampfer mit einer LPG-Anlage ausstattet, fortan 13 Liter LPG für 62 Cent tankt statt 14 Liter Super für 1,42 Euro, macht auch das Fahren großen Spaß. Und ist nicht ganz so schlimm für die Umwelt.
Zu guter Letzt sei noch die Teileversorgung erwähnt, die bei Audi und im Zubehörhandel zwar exklusiv, aber bezahlbar ist. Mehr zur langsam verschleißenden Technik im skurrilen Alltag von Sandmann und seinem Audi V8 4.2 lesen Sie in Kürze hier in diesem Blog.
Sandmann
07.06.07
13:38
daisy
Mein lieber Herr Sandmann!!
Endlich weiß jemand zu würdigen, was du uns schon seit so langer Zeit mit deinen Geschichten Gutes tust!
Hoffentlich wird es hier sehr viele, mehr oder weniger tiefgründige V8-und andere Weisheiten zu lesen geben, wie wir sie so lieben. Einige Arbeitskollegen habe ich schon mit dir angesteckt und sie freuen sie ebenso wie ich über jeden neuen Artikel von dir!
Ich auf jeden Fall werde dich mir gleich in die Favoriten legen, damit ich auch schön oft bei dir vorbeigucken kann!
Liebe Grüße an einem schönen, sonnigen Tag von der Eider
Daisy, du weißt schon wer *g*
07.06.07
14:18
Sandmann
Seine kleine Schwester,
ein salbendes Lob zur richtigen Zeit. Ich lese das gern. Schau auch mal in die anderen Blogs, du findest da durchaus Lesenswertes. Und das fast täglich neu. Wer braucht noch eine Tageszeitung???
Sandmann
07.06.07
17:09
tmueller
Hi,
die Geschichte des Autos hin-oder her, die V8¬¥s sind einfach Autos, die sich aus dem “derzeit normalen stromliniengünstigen Strassenbild” abheben. Man erkennt schon von weiten, wenn einem ein V8 entgegenkommt. Bei Golf o.ä. ist man da eher unsicher,…aber wem sage ich das!
Sorgen wir dafür, dass sie uns noch lange erhalten bleiben.
Gruß “der V8-Retter” – Thomas
08.06.07
08:08
kaiv8
Hallo Sandmann,
ist der Audi V8 eine Hassliebe?
Gute Frage. Ich kann sie für mich so gar nicht beantworten und ich tippe fast, Du auch nicht. Immer ist irgendetwas zu erneuern oder zu reparieren, aber trotzdem bringt einen der gute, alte Achtzylinder immer an¬¥s Ziel. Im Stich hat er mich noch nie gelassen. Und immer wenn ich wieder vor den zeitlosen Formen Innen und Aussen stehe, haben sich die Gedanken an einen Verkauf ganz schnell in Luft augelöst.
Sorgen macht mir im Moment weniger das Auto selber, sondern die Ersatzteilversorgung des damaligen Produzenten. Immer mehr Teile sind als “ersatzlos entfallen” beim Händler gelistet. Gerade für meine noch seltenere Langversion sind kaum noch spezielle Teile zu bekommen!
Ich persönlich habe schon viel durch den V8 gelernt. Aber dieses wünsche ich auch dem Hersteller. Um im Konzert der Grossen in der ersten Reihe zu sitzen, bedarf es nicht nur gute Autos zu bauen!
In diesem Sinne – freue mich auf weitere Berichte von Dir!
Gruß
KaiV8
08.06.07
08:42
Sandmann
Guten Morgen KaiV8,
den Hass habe ich hinter mir, jetzt ist es eine Liebe.
An der Teileversorgung bin ich bisher nur an kosmetischen Anbauteilen wie dem roten V8 für die Heckklappe gescheitert. Verschleißteile habe ich ausnahmslos auch im Zubehör bekommen, selbst für meine vorderen HP2 Bremsen (die ich statt der Ufos drin habe).
Ich schraube nun weiter regelmäßig auch die kleinen Macken weg, damit ich nicht wieder in einen Reparaturstau rutsche wie im Winter vor zwei Jahren.
Und ein Auto bleibt ja erfahrungsgemäß immer stehen, wenn es draußen 2 Grad und Nieselregen ist
Arbeiten wir weiter dran.
Ein sonniges und entspanntes Wochenende, aktuell aus Pinneberg!
Sandmann
09.06.07
07:18
rschloemmer
Hallo Sandmann,
warte, wie alle anderen auch, gespannt auf weitere Einträge und unterhaltsame Geschichten vom V8 und Lisa (so hieß sie doch?).
Bleibt zu hoffen, dass der Hersteller dank dieses Blogs darauf aufmerksam wird, dass es doch noch einige Enthusiasten gibt. Liebhaber die den wahnwitzigen Vorstoß in die mobile Oberklasse schätzen und nicht nur wegen seiner kleinen Macken hasslieben, sondern auch das mit der Karosserieform einhergehende Understatement und die wuchtige Souveränität schätzen.
Der V8 ist ein tolles Auto, welches weder technische Helferlein, noch die Möglichkeit, selbst zu schrauben, vermissen lässt. So wird z.B. dem Fahrer zuverlässig der Defekt einer Bremsleuchte mitgeteilt, jedoch nach erfolgtem Austausch nicht erwartet, dass die Neue dann auf elektronischem Wege initialisiert wird. So soll es sein.
Gruß
Roman
09.06.07
08:20
Sandmann
Guten Morgen Roman,
dem sei wenig hinzuzufügen.
Was ich vermisse ist die Möglichkeit, das piepende Brems-Symbol, welches mich jeden Morgen auf den ersten 200 Metern wachquiekt, auszuschalten. Alle Hydraulikstände sind okay, alle Geber sind gereinigt und die Beläge auch noch nicht verschlissen…
Na ich frag mal den V8-Retter
Lisa ist (beiläufig erwähnt) nur die Sprechstimme von meinem TomTom Navi… nicht dass da was verwechselt wird… Trotzdem eine souveräne Frau, die sich nicht unterbrechen lässt und mir echt zeigt, wo es lang geht.
Sandmann
26.06.07
15:45
auditypd11
Hallo Sandmann,
mein Vater selbst fährt auch einen V8 und einen Audi 100.
Ich finde es toll das endlich einer das mal gesagt hat.
Mach weiter so!
Adrian, 15 aus Hilden
26.06.07
22:38
Sandmann
Ay Adrian,
was hab ich gesagt…?
Das der Audi V8 ein feines Auto ist? Ja, es muss sowas in der Art gewesen sein.
Grüß mal deinen Vater, sowohl mit dem V8 als auch mit dem Audi 100 (hab ich auch gehabt, einen 5E von 1978 *seufz*) besitzt er zwei echte Wonnemobile, die langsam selten werden.
Und sei immer brav, weißt du, nur noch drei Jahre und wenn du es richtig anstellst greifst du einen von den beiden ab… Und bist um LÄNGEN cooler als jeder dieser Opel Astra oder Honda Civic Prolos mit Heckflügel und Hurratütenauspuff. Da schreib ich auch noch was zu, übermorgen oder so. Aber ist es nicht toll, an jedem einzelnen angetrieben Rad mehr PS zu haben als diese Jungs im ganzen Auto?
)
Ich mach weiter so. Du aber auch, okay???
Sandmann