Was für eine Schnapsidee. Irgendwann im Februar 2007 traf ich Elia-Vorstand Hans-Jörg Köninger beim Haxen essen in Langenzenn. Damals erzählte er mir stolz vom Renault Mégane RS, den Elia beim Tuner-GP in Hockenheim einsetzen wollte. Warum machen wir das Projekt nicht zusammen? Nach etlichen Hefeweizen hatte ich ihn überzeugt. Elia stiftet den Mégane RS inklusive Tuning, ich den Bioethanol aus unserer Kornbrennerei in Telgte. Die Umrüstung auf Bioethanol ist nicht nur denkbar einfach (die Einspritzzeiten werden 20 Prozent verlängert), sondern auch effektiv: Mit 110 Oktan lässt sich die Leistung noch um 10 bis 15 Prozent steigern. Fragt sich nur, ob der neue Renault-Motor die Bioethanoldusche dauerhaft aushält.
Die ersten Tests im Mai sind vielversprechend. Elia-Technik-Chef Walbrun erklärt mir: “Mit dem großen Ladeluftkühler kommen wir über 235 PS. Wenn wir euer Biofuel24 tanken, misst der Rollenprüfstand sogar 245 PS.” Na also, wer sagt denn hier, dass Biosprit nicht rennt?!
Jetzt mussten wir noch einen guten Fahrer finden. Unsere Wahl fiel auf Deutschlands schnellste Jurastudentin, Catharina Felser. Die 24-Jährige hat letztes Jahr im Lamborghini Gallardo GT den Männern auf der Rennstrecke gezeigt, was eine Harke ist. Noch dazu sieht sie verdammt gut aus; wichtig vor allem für die Fans an der Piste, schließlich wäre nichts übler, als eine Birkenstocktussi im Bioauto. Cathi ist ganz das Gegenteil und war von unserem Biofuel24-Auto sofort begeistert: “Saugeil, ich wusste vorher gar nicht, dass Autos überhaupt mit Schnaps fahren können. Finde ich richtig gut. Da bin ich sofort dabei.”
Der Schock kommt am Pfingstsamstag. Ich sehe zum ersten Mal unsere Konkurrenz: Fies motorisiert mit 360 PS (BMW 3er Compact CSL) und 460 PS (VW Golf R32). Für den ersten Platz wird es wohl nicht reichen. Außerdem haben wir ein Problem: Die Serienbremse vom Renault RS lässt schnell an Leistung nach. Dafür hält der Motor. Unser RS hat sich zum Wadenbeißer gemausert. Am Ende katapultiert uns Cathi auf den sechsten Platz. Mit einer Rundenzeit von 1:18 Minuten haben wir sogar die PS-gierige Konkurrenz geschlagen (CSL 1:23 min, R32: 1:28 min).
Die Motorkennwerte waren permantent im optimalen Bereich. Offenbar haben die um 20 Prozent längeren Einspritzzeiten nicht nur mehr Verbrauch, sondern auch bessere Thermik gebracht. Der Turbo wird mit Kraftstoff gekühlt. Cathi jedenfalls ist vom Schnaps-Auto richtig angefixt und überlegt, beim 24-Stunden-Rennen mit einem Biofuel24-Auto zu starten. Begeisterung und Achselzucken sind eins: Wie sollen wir so ein Mega-Projekt allein stemmen? Vielleicht müsste ich mal wieder Haxen essen gehen…