Zwei Autos, zwei Redakteure, zwei Meinungen. Es geht um Mini Cooper und Volvo C30. Stylish liegen beide ganz weit vorn, von einender Begeisterung kann aber keine Rede sein. Zumindest nicht im Hause AUTO BILD. Margret Hucko, redaktionsinterne Stil-Ikone, und Alex Cohrs, investigative Edelfeder, lassen es im aktuellen Heft “knallen”. Spießer-Auto mit Design-Heck, Schnösel-Schmuckstück für die To-Go-Gesellschaft, unfassbar schön oder blödsinnig hip – urteilen Sie selbst. Und geben Sie Ihren Senf dazu. Wenn Sie mögen.
Margret Hucko und der Mini
Hamburg-Winterhude, Samstag, 11 Uhr, Café Contigo. Um meine Mini-Abneigung zu verstehen, müssen Sie genau diesen Ort besuchen. Überall Mini-Fahrer mit dicken Sonnenbrillen, dickem Geldbeutel und großer Geschmacksverirrung. Jeder von denen glaubt, etwas Besonderes zu fahren, individueller als individuell zu sein. Dabei ist ein Mini mittlerweile so inflationär wie “Coffee to go”. Und ebenso absurd. Denn die Verpackung liegt vielleicht im Trend, aber wirklich praktisch ist sie nicht.
Ein Auto in Fox-Größe, zum Preis eines VW Golf mit dem Nutzwert eines Cabrios. In Mini-Form: klein, teuer, unpraktisch. Mini-Fahrer werden jetzt entgegnen: “Dafür ist er aber unfassbar schön.” Schön? Von außen vielleicht. Aber im Innenraum erinnert er mich ans Spielzeugparadies. Alles rund, aus praktischem Plastik, das aussieht, als könnten es sich Säuglinge in den Mund stecken. Da werden sie sich ganz schön die (ersten) Zähne ausbeißen. Denn hart ist der Kunststoff auch noch. Mit Pech macht er sogar Geräusche. In unserer Mittelkonsole zirpte es bei mittleren Drehzahlen.
Der Volvo dagegen ist mehr Auto als Spielzeug. Er braucht keine Menschen mit dicken Sonnenbrillen am Steuer. Er ist eben nicht hip wie der Mini, sondern hübsch. Mit einem schlichteren Cockpit, das auf kitschigen Christbaum-Chrom und klotzige Kugeln verzichtet. Für mich ist der C30 wie ein guter Espresso in der dickwandigen Porzellantasse. Geschmackvoller, für Genießer. Lieber den als einen hektischen “Coffee to go” in unpraktischer Mogelpackung.
Axel Cohrs und der C30
Die ersten Worte sollen Volvo-Chef Fredrik Arp gehören. “Der Volvo C30″, behauptet der Mann, “ist ein cooles Auto für junge Singles oder Paare, die einen intensiven, urbanen Lebensstil pflegen.” Ich sage: Nein, lieber Herr Arp, das eben gerade genau nicht. Die Marketingleute von Volvo mögen die Sex-and-the-City-Generation im Blick haben, vor meinem inneren Auge sehe ich als typischen C30-Fahrer einen Kunstlehrer an der gymnasialen Oberstufe. Jemanden, der sich über seine sauteure Bang-&-Olufsen-Stereoanlage definiert, diese aber mit seinem sicheren Beamtenlohn finanziert hat.
Ich meine, gucken wir uns das Auto doch nur an. Es hat eine langweilige Front und eine langweilige Seite. Eigentlich ein Spießerauto, an das ein durchdesigntes Heck gebastelt wurde – als würde man ein Reihenhaus zum Loft umbauen. Die Folge ist, dass man hinten nicht vernünftig sitzen kann, dass der Gepäckraum jeder Beschreibung spottet und dass durch die Glasklappe jeder meine Aldi-Tüten sehen kann. Was mich noch mehr nervt: Alle Welt jammert darüber, dass VW keine echten Volkswagen mehr baut. Dann kommt Volvo, stellt uns ein Auto hin, das bestimmt nicht besser fährt als ein Golf, bei gleicher Motorisierung aber deutlich teurer ist. Und das ist dann plötzlich cool? Nee, wirklich nicht. Dann doch lieber der Mini. Man hat zwar immer den Verdacht, dass eine Marketing-Assistentin am Steuer sitzt, die mittags mit ihrer Freundin “‘ne Latte” trinken geht. Aber dafür hat der Mini etwas, was dem C30 trotz aller Marketingsprüche abgeht: Charakter.
19.04.07
16:32
dennis30
Also mir gefällt der Mini ganz klar besser obwohl der Volvo auch seine Vorzüge hat. Aber das Heck finde ich scheußlich. Aber schön das mal einer Experimente macht.
20.04.07
11:38
Andreas
Erst einmal sind beide Autos unter dem Lifestyle-Aspekt lanciert und erfüllen diese Anforderung mit schickem Design und hohem Wiedererkennungswert gut. Nutzwert ist bei beiden nicht so wichtig, wer aber trotzdem mal mehr als einen Mitfahrer oder größeres Gepäck mitnehmen will, muss zum Volvo greifen. Das man hinten nicht vernünftig sitzen kann und der Gepäckraum jeder Beschreibung spottet, wie Herr Cohrs schreibt, gilt für den Mini doch erst recht, oder?
Mehr Charakter hat trotzdem der Mini, da stimme ich Herrn Cohrs zu, denn er steht für ein eigenes Konzept. Der Mini ist der Mini, als solcher designt und vor allem durchkonstruiert. Er ist einfach eigenständiger.
Der C30 ist lediglich ein neu eingekleideter Ford Focus, schicker zwar, aber mit weniger Nutzwert.
Welchen also kaufen? Als vollwertiges Erstauto würde ich den C30 nehmen. Als Zweitwagen, oder wenn der Partner schon ein Auto mit Nutzwert hat, würde ich den Mini wählen.
21.04.07
09:59
Am Ende des Tages
Autotest mal andersrum
Dennoch kann man Testergebnisse auch anders und dennoch interessant aufbereiten, wie Margret Hucko und Alex Cohrs in ihrem Test von Volvo C30 und Mini im Autobild Blog zeigen. Sie sprechen vor allem den Kritikern des jeweils anderem Autos aus der Seele…