Techno Classica 2007
Dicke Luft in den Hallen, aber Feinstaub war kein Thema. Das mag daran liegen, dass NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) zuvor verkündet hatte, man werde für Oldtimer “sicherlich Lösungen finden.” Die weltgrößte Oldtimermesse, die Techno Classica in Essen, jedenfalls sah ein strahlendes Frühlings-Wochenende mit ebensolchen Gesichtern bei einer Vielzahl der Aussteller, denn es wurde gekauft, als gäbe es morgen keine Oldtimer mehr. Und das in allen Preissegmenten.
Größter Zulauf erwartungsgemäß bei den Fahrzeugen bis 10.000 Euro. Das Angebot hielt sich zwar in Grenzen, doch die Mercedes S-Klasse W 126 in gewöhnungsbedürftigem Petrolmetallic für 4950 Euro lockte alle Schnäppchenjäger. Ebenso demnächst reif für den Klassikmarkt: W 124 T-Modell, gepflegte Limousinen und natürlich das Coupé. Die seltenen Cabrios dieser Baureihe indes verstecken sich mittlerweile komplett in Sammler-Garagen. Thomas Rosier, Chef der Rosier-Gruppe mit Hauptsitz in Oldenburg (Oldbg.), war in Essen nicht fündig geworden und sucht weiter nach einem E 320 möglichst als “final edition”, nähme aber auch jeden Vierzylinder dieser demnächst im Preis nach oben offenen Art.
Ebenfalls ganz oben, nämlich am anderen Ende der Preisskala, zählten wir fast zwei Dutzend “Verkauft”-Schilder hinter den Scheibenwischern von hochherrschaftlichen Engländern, Italienern und Deutschen – Sportwagen zumeist. Dabei offensichtlich begehrt: der 190 SL, ein 1960er Mercedes 300 SL-Roadster in (gnädig betrachtet) Zustand 3 soll für stolze 365.000 Euro den Besitzer gewechselt haben. Wieder eingepackt hat Mercedes-Leseberg, Hamburg, sein Traum-Trio in classic-weiß aus 560 SEL (Baujahr 90), 560 SEC (ebenfalls Bj. 1990) und 500 SL aus 85. Die Japan-Rückläufer der frischesten Art waren von mehreren Sammlern begutachtet worden, doch in keinem Fall wurde man sich über einen “Paketpreis” einig. Stattdessen gab es erfolgreiche Handschläge auf 280 SE 3.5 Cabrio für 75.000 im Zustand 3 und den echten Zweier-300 SL aus der Baureihe R 107, der für 35.000 Euro angeboten worden war.
Während die alten 107er-SL derzeit (mit zum Teil unrealistischen Forderungen) preislich stark nach oben tendieren, zeigte Essen topgepflegte TR6 zum Golf-Kurs. Mehr als 20.000 Euro scheint der Markt derzeit für den England-Klassiker nicht herzugeben, ein nach Optik perfekt restauriertes Exemplar von 1971 sank im Verlauf der Messe von 25.500 Euro auf 19.950. Und blieb trotzdem stehen. Zurückhaltung schien auch angebracht bei einigen Jaguar E-Exemplaren. Vor allem bei Roadstern der letzten Serie 3 passten Preisforderungen bis 85.000 Euro und Zustände häufig nicht zusammen.
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Ganz anders in diesem Jahr die Offerten von VW Klassik. Die Stiftung Automuseum hat die Gruppe der Hardcore-Schnäppchenjäger für sich entdeckt. Aus dem Fundus von der Wolfsburger Rudolf Diesel-Straße alles, was des Schraubers Herz begehrt: von der 55er-Typ 1-Bodengruppe zum Schätzpreis von 150 bis 250 Euro bis zur kompletten, aber fertigen Borgward Isabella TS für erhoffte 4 bis 5000 Euro kommt demnächst alles, was nur mit heftigem Aufwand wieder herstellbar sein wird, unter den Hammer. Glänzendes Gegenstück und einer der Stars in Essen war ebenfalls auf dem VW-Strand der zeitgenössisch orangefarbene Scirocco 1 von 1976. Einen besseren dürfte es derzeit nicht geben, der Wagen im nahezu Neuzustand war von seinem einzigen Vorbesitzer ausschließlich bei gutem Wetter bewegt worden. “Und wenn er doch mal feucht geworden war, hat ihn Opa mit dem Fön in der Garage trockengepustet”, wie der Geschäftsführer der Wolfsburger Autostadt Otto-Ferdinand Wachs schmunzelnd berichtete. Fast zu schön, um wahr zu sein, doch der makellose Zustand bestätigt die ungewöhnliche Vorgeschichte. Und am Ende klaute dieser Scirocco selbst dem kunstvoll restaurierten Lieferwägelchen Fridolin die Show.
Und war war sonst los in Essen? Starke Club-Präsenz, vor allem der Marke Mercedes, ein maximaler Mini-Boom, dessen Fan-Potential offenbar gigantisch ist, jedenfalls zeugten die vielen original Mini-Teilelieferanten und Modellverschönerer davon und eine erstaunliche rührige Fiat-Fördergemeinde, die mit sauberen Exponaten der 50er und 60er Jahre belegte, mit welch anspruchsvollem Material der italienische Autobauer einst den europäischen Käfer-/Enten-Einheitsmarkt beschickt hat. Gern schriebe ich an dieser Stelle auch von Ford. Doch sorry, die hab ich wohl übersehen, was außerordentlich schade ist. Ford hätte für mich einen ähnlichen Auftritt wie den von BMW verdient, die wie schon in den Jahren zuvor wieder eine ganze Halle belegten. Das interessante Stück dabei: der original 2000 tii, dessen blitzender Vierzylinder nach wesentlich mehr aussah als den damals serienmäßigen 130 PS.
