Am Montag nahm BILD mir auf dem Flug von Hamburg an den Genfer See das schlechte Umweltgewissen. “Sollen wir Deutsche die Erde alleine retten?”, fragt knallig Seite eins. “Nein”, antwortet da wohl jeder aus voller Überzeugung. Und auf Seite zwei erteilt Kolumnist Franz Josef Wagner unseren Autos die Absolution: “Liebes Auto, Du zählst zu den romantischsten Beziehungen meines Lebens …” Ja, klar, jubelt der Autoredakteur in mir. Wer will da noch von schnöden Abgasen reden?
Abends in Genf. Nissan lockt zur X-Trail-Vorabpräsentation in ein 50-Quadratmeter-Kabuff auf dem Messestand. Top secret, bitte keine Fotos. Wozu diese Eile? Morgen dürfen sich doch alle Objektive auf den neuen SUV richten. Von Abgas keine Spur. Es ist Frühling in Genf. Die Schweizer sind voll entspannt. Abgas-Diskussion? “Wozu?”, fragen sich die Eidgenossen. Die EU hat uns doch umzingelt, was brauchen wir da noch eigene Vorschriften?
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Zeitgleich mit den ersten zaghaft blühenden Forsythien und Himmelsschlüsselchen startet der jährliche Autosalon, sozusagen das Orakel für Europas Autokonjunktur des neuen Jahres. Da will, wie Nissan, jeder der Erste sein, will die Aufmerksamkeit der vielen hundert Journalisten erheischen. Die sich am Dienstag mächtig auf die Füße treten. Um 7.30 Uhr ist Einlass. Keine Minute früher werden die elektronischen Schranken geöffnet. Und plötzlich ist CO2 in aller Munde. Es raunt: Hast du schon gehört, Mercedes hat den CL 65 AMG in letzter Sekunde zurückgezogen. 380 Gramm CO2! Wer fährt denn noch sowas, wenn sogar Tuner Brabus im Mittel auf nur 179 Gramm kommt (dem Smart-Brabus sei Dank, hi, hi, hi…).
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Nicht zu übersehen: In Genf wimmelt’s von VW Polo Blue-Motion. 102 Stück sind es, nette symbolische Umsetzung der 102 Gramm CO2-Emission. VW hat sich schnell das Umweltmäntelchen angezogen. Denn als Fahrdienstwagen waren ursprünglich VW-Busse vorgesehen. Nur der Passat BlueMotion (136 Gramm CO2/km), der war von langer Hand geplant. VW-Chef Martin Winterkorn lobt sein gerade angetretenes Erbe: “Unsere Innovationskraft ist ungebremst! 78 VW-Modelle haben beim Verbrauch eine ’5′ als Literangabe!” Übrigens wurde nicht nur Aufsichtsrat-Chef Ferdinand Piech mit Applaus begrüßt, sondern auch dessen Gattin Ursula. Zeichen dafür, dass VW bald in Familienbesitz übergeht?
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Messeklatsch. BMW kommt mit einem richtig blau(weiß)en Auge davon. Während gegenüber bei Mercedes noch ein kastenförmiger Uralt-G 320 CDI steht, sonnen sich die Münchener bereits im Licht der CO2-Minimierung. Sagenhaft, was die Ingenieure erreichten (siehe AUTO BILD 10/2007), und das sogar bei mehr Leistung. Audi wirkt da schon etwas verkrampfter. Der Q7 könne ja mit der “ressourcenschonenden Synfuel-Alternative” betrieben werden. Der neue A5 soll die Situation retten, als 1.8 Turbo FSI mit 170 PS habe er tolle Leistung bei geringem Verbrauch und nähere sich den Grenzwerten, wie Audi-Chef Stadler betont.
Ich nähere mich Erfreulicherem, den Hostessen. Die Italiener schießen wieder den Vogel ab. Ob Alfa, Fiat oder Lancia, die Autos stören plötzlich. Nur Citroen sollte mal den Schneider wechseln. Die Marke mit dem Doppelwinkel ist topfit, die Kostüme der Mädels aber sind arg unmodern. ![]()
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