Abgelegt in Nachrichten-Archiv

Ja, wo träumen sie denn?

Mittwoch, 29. November 2006 um 13:21 Uhr

van.jpgJetzt, wo die Dunkelheit länger und die Sicht schlechter wird, gehen sie mir unendlich auf den Wecker: trödelnde SUV und Vans. Wie Mauern rollen die unförmigen Blechberge vor mir in der Schlange, breit und gefühlte drei Meter hoch. Ich kann nicht vorbei sehen, kann nicht durch ihre Fenster nach vorne peilen (da sie zu hoch liegen), kann nicht den Verkehr einschätzen. Geht es vorne flott weiter? Kann ich überholen? Die Spur wechseln? Hinter diesen rollenden Sichtblenden bin ich hilflos. Verlassen und verblödet.

Sie rauben mir, anders als normale Pkw, nicht nur Verkehrsfläche, sondern auch die Orientierung. Zumal ihre Fahrer, eingelullt von Masse und Diesel-Phlegma, lenken wie unter Valium: Behäbig kriechen sie auf grüne Ampeln zu oder trödeln auf der linken Spur. Ziehen sie nach gefühlten Stunden endlich rechts rüber, ist die Autobahn vor ihnen leer bis zum Horizont. Ihr eigenes USA-Feeling ( “Hey, Alter, keep cool, Man!” ) endet exakt an ihrer Nasenspitze. Sorry, da endet meine Toleranz. Ich fordere eine Sicht-Steuer für solche Autos: Nieder mit den SUV, freie Sicht bis Mailand!

5 Kommentare zu “Ja, wo träumen sie denn?”


  1. Andreas schrieb am 3. Dezember 2006 um 19:47

    Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich SUVs, SAVs und wie sie im Marketing-Jargon heißen mögen, nicht leiden kann. All diese Pseudo-Geländewagen für Leute mit gestörtem Selbstwertgefühl. Die mit ihren 255/45 R19-Pellen gerade mal einen Pferdeanhänger von der nassen Wiese ziehen können, bei 30 cm tiefen Schlammlöchern aber bereits von jedem Fiat Panda 4×4 oder Suzuki SJ Samurai abgehängt werden. Dabei aber Parkplätze im Bushaltestellenformat brauchen und Sprit saufen wie 5 Twingos.

    Diese Gefährte verkaufen sich leider immer besser. Deswegen ist das ZDF-Magazin Frontal vor einiger Zeit mal dem Phänomen nachgegangen, auch vor dem Hintergrund knapper Ressourcen und hoher Erdölpreise.

    Da wurde ein Mann befragt, der sich einen BMW X3 (= krass korrekter 3er BMW auf Geländewagen getrimmt) gekauft hat. Auf die Frage, warum er sich für dieses Modell entschieden hat entgegnete er: Ich mag das Design, der Wagen gefällt mir einfach gut, er ist komfortabel und spritzig. Auf die folgende Frage, warum er sich kein “normales” Auto gekauft hat, wo doch die Spritpreise so hoch sind und diese “Geländewagen” fast nie im Gelände gefahren werden aber viel Sprit verbrauchen, antwortete er: Der hat ¬¥nen Dieselmotor, der braucht ja nicht viel.

    Bei so viel Dummheit klappen mir die Zehnägel hoch! Es ist zwar richtig, dass moderne Common Rail-Dieselmotoren sehr sparsam geworden sind. Man muss sich vor dem Hintergrund der vom Käufer genannten Kaufargumente aber mal folgendes vor Augen führen:
    Den angesprochenen Dieselmotor gibt es auch im 3er, auf dessen Bodengruppe der X3 basiert. Der normale 3er mit dem gleichen Motor geht nicht nur deutlich besser (Stichwort spritziger X3), er verbraucht auch weniger, weil er die bessere Aerodynamik und das niedrigere Gewicht hat. Genauso komfortabel ist der 3er mit Sicherheit und ein gefälliges Design bietet auch er. Auch das Platzangebot ist in etwa gleich. Im Gelände würde er wohl nie fahren – so der Käufer. Also ist zuletzt auch der spritfressende Allradantrieb überflüssig.

    Als zusätzlich der Verkäufer des BMW-Autohauses zu der gleichen Thematik befragt wurde, entgegnete dieser ebenfalls sinngemäß: Die SUV-Modelle würden zu fast 90% mit Dieselmotoren ausgeliefert, damit seien diese mittlerweile relativ sparsam.

    Hallo! Merkt da noch einer was? Soll ich in Zukunft mit der Actros-Zugmaschine eines 40-Tonners herumfahren mit dem Argument “Der hat ¬¥nen Dieselmotor, dessen Wirkungsgrad jeden PKW-Diesel übertrifft, der verbraucht ja nicht so viel. Der ist ja relativ sparsam.” Die Aussage für sich ist sogar richtig, bezogen auf sein Gewicht ist ein Actros super sparsam. Absolut gesehen ist dieses Fahrzeug für Fahrten zur Arbeit und zum Brötchenholen völlig unangemessen, da es Diesel frisst wie 10 Golf TDI.

    Ich gehöre mit Sicherheit nicht zu den Leuten, die aus rein rationalen Gründen ein Auto kaufen und fahren, aber SUVs die nie im Gelände bewegt werden, sind absoluter Schwachsinn. Das wäre, als würde ich einen Sportwagen kaufen, obwohl ich nur in der Tempo 30er Zone fahre. Oder einen Bulli mit 8 Sitzplätzen, obwohl ich immer nur alleine fahre. Nur weil es halt schick erscheint. Emotionen beim Autokauf sind nichts schlechtes, aber das Gehirn ganz ausschalten ist nicht von Vorteil.

    SUV = Sonderbares Unnützes Vorzeigeauto

  2. ulliwolf schrieb am 5. Dezember 2006 um 19:44

    Regen Sie sich nicht so auf. Die SUV sind eine vorübergehende Automode, die sicher bald wieder aufhören wird, wenn die Fahrer gemerkt haben, dass es wirtschaftlichere Autos gibt.

  3. IngoK schrieb am 6. Dezember 2006 um 22:17

    Ich frage mich schon seit geraumer Zeit, wann endlich die Fachpresse beginnt, Hochdach Fahrzeuge, SUV¬¥s und Linienbusse (ähh Vans) kritischer aus ökologischer Sicht und sicherheitsbezogenen Aspekten gezielt zu bewerten.

    Der Klimawandel und die Endlichkeit unserer Rohstoffe ist für jeden spürbar und jeder kann seinen kleinen positiven Beitrag leisten.

    Fahreuge mit großer Stirnfläche, hohem Rollwiederstand bzw. übergewicht passen da überhaupt nicht mehr in das Bild. Nicht jeder hat einen Pferdeanhänger zu ziehen oder eine 6-köpfige Familie im heiligen Familienblech unterzubringen.

    Mir ist empirisch bewußt wie praktisch, entspannend und angenehm ein SUV oder Van zu fahren ist. Diese Fahrzeuggattungen sind nur nicht mehr zeitgemäß im 21. Jahrhundert.

    Es wird Zeit, die Bewertungsschemata im Rahmen von Fahrzeugtests um die Kriterien Umweltverträglichkeit erheblich zu erweitern, so dass im Ergebnis die genannten Fahrzeuge in diesem Bereich mit mangelhaft oder ungenügend aus der Wertung hervor gehen.

    Dem potenziellen Käufer sollte sehr deutlich vor Augen geführt werden, dass die Gesellschaft diese Fahrzeuge prinzipiell nicht mehr duldet und er sich mit dem Erwerb auf soziales Glatteis begibt.

    Dem Konsumenten ist die Brisanz dieses Themas sicherlich nicht im vollem Umfange bewußt. Das waren seinerzeit die Fragen zur passiven und aktiven Sicherheit im Fahrzeugbau am Anfang der 1990er Jahre aber auch nicht, bis die freie Presse eigene Crashtests eingeführt hat.

    Also bitte liebe AutoBild: übernehmt mehr redaktionelle Verantwortung, so wie ihr es auch zu Fragen der ESP-Systeme praktiziert.

    Ach ja: Diese Wagen schränken tatsächlich das Sichtfeld ungebührend ein.

  4. Hammelbein schrieb am 8. Dezember 2006 um 17:34

    Ihr habt ja alle Probleme!!!
    Habt ihr nichts anderes zu tun, als hier eure Meinungen in dieser epischen Breite kund zu tun? Das grenzt ja an religiösen Fanatismus. Leben und leben lassen, danach solltet ihr leben. Oder seid ihr neidisch, dass ihr nicht mit einem sau lässigen X5 über die Bahn blasen dürft?????

    Denn das macht hölle Spaß und man kommt so herrlich entspannt an – egal ob nach 100 oder 1000 Kilometern. Und selbst die Strecke Stockholm Mailand is in son nem schicken SUV auf der linken Spur ne echte Entspannung. Wenn doch nicht immer diese schweine langsamen Familienkrücken auf der Strecke wären.

  5. IngoK schrieb am 11. Dezember 2006 um 15:59

    Nö Hammelbein, dass hat weder mit fehlender Finanzkraft noch mit Neid zu tun.

    Ich bin 10 Jahre lang selbst aus beruflichen Gründen mit ML270 CDI, Pajero Sport, V-Klasse, Landcruiser u.v.m kreuz und quer durch Europa gefahren.

    Ich stimme dir zu: es macht Spass und es ist sehr entspannend. Nur ist die Zeit dieser Fahrzeuge für eine Massenverbreitung abgelaufen.

    Leben und leben lassen paßt da mal gar nicht, denn die ökologischen Schäden zahlt die Gemeinschaft und der Generationenvertrag wird nachhaltig beeinträchtigt, wenn wir das Benzin verballern. Und es geht hier nicht nur um SUV!

    Zumindest sollte die Klientel für SUV UND Vans für ökologische Themen stärker sensibilisiert werden. Wer dennoch Schrankwand fahren möchte, wird dies tun. Von Verboten ist ja keine Rede.

    Die selbstgesetzte CO2-Grenze der Automobilindistrie von 140g/Km schafft die deutsche Autoindustrie nicht, weil sich seit die Rahmenbedingungen verändert haben. Geänderte EU-Gesetzgebung (z.B. Fußgängerschutz) und anderes Anspruchsdenken der Verbraucher (Klimaanlage, Soundsystem & Co) sind gleichermassen dafür verantwortlich.

    Autos werden immer größer, komfortabler, schwerer (zum Glück auch sicherer), stärker und ganz wichtig: Luft- und Rollwiederstandswerte werden immer schlechter.

    Man erinnere sich einmal an die frühen 1980er Jahre, als Ford Sierra und Audi 100 begonnen mit günstigen CW-Werten ihre Produkte zu bewerben. 0,32 war seinerzeit üblich.

    Wo liegt denn bei dieser Betrachtung wohl im Jahre 2006 z.B. ein VW Sharan, Touran, Golfplus, ein Opel Zafira, Meriva, ein Renault Modus, Scenic, Espace oder ein Ford S-Max, C-Max, Fusion und warum kommunizieren die Hersteller heute die CW-Werte wohl nicht mehr…….? BMW X3 und Co lassen ich jetzt sogar einmal aussen vor.

    Ein durchschnittlicher VW Touran hat nach ca. 5 Km ein sattes Kilogramm CO2 in die Luft gepustet.

    Gehe einmal zum Metzger und bestelle dir 1 Kg Hackfleich, um dir die Menge zu verdeutlichen, die nach nur 5 Km schon freigesetzt wurde. Danach entferne 200g (z.B. Für Frikadellen) und dann hast du die produzierte CO2-Menge eines vergleichbaren VW Golf.

    Und dann schaue dir einmal die Daten für einen BMW X5 an und gehe noch einmal zum Metzger und mache den Hackfleischvergleich mit einem BMW 5er Touring.

    In einem vergleichbaren 5er Touring fährt man nicht schlechter. Falls dir der Sitz zu niedrig sein sollte empfehle ich dir die BMW SA456 “Komfortsitze elektrisch verstellbar mit Memory”. Die Sitze kannst du dann bequem nach ganz oben fahren und die Position sogar abspeichern. -:)

    Nix für ungut.



Sie wollen den Artikel kommentieren?

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.