Nicht wirklich ein Winterauto! K70 zu Hause.
Allen Unkenrufen zum Trotz habe ich mich entschieden, meinen Plan für das Wochenende durchzuziehen. Plan? Ja. Nach einigen mehr oder weniger interessanten Träumen, die samt und sonders in meiner Heimatstadt Uelzen in Niedersachsen spielten, will ich da nach langer Abstinenz einmal wieder hin. Mein kleines Töchterchen ist Feuer und Flamme (wohl ob der Schlüsselwörter “Schwimmhalle“, “Eis” und “Hotel“) und erklärt sich fröhlich zur offiziellen Beifahrerin. Schließlich habe sie noch nie in einem Hotel geschlafen, ihr Tigi auch nicht, und ein Papa/Tochter Ausflug sei schon längst wieder einmal dran. Okay. Das sehe ich auch so. Wenn da nicht die schwächelnde Lichtmaschine meines ansonsten treuen Audi V8 wäre. Mit dem können wir nicht fahren, sie ist zwar bestellt, aber noch nicht da und erst recht noch nicht eingebaut. Alternativen? Für den normal Sterblichen keine. Für uns? Nun… in der Garage schläft ein fast 40 Jahre alter, seit 7 Jahren abgemeldeter und seit 1 Jahr nicht bewegter Fronttriebler, eigentlich ein NSU, aber von VW gekauft. Gold. Prinzipiell fahrbereit. Hm… Sollen wir…?????


Unsere letzte Nacht im Camp war sehr ruhig. Fern von allen Stromaggregaten und arbeiteten Mechanikern zelteten wir direkt am nahen Seeufer. Gut erholt machen wir uns früh morgens auf den Weg nach Buenos Aires. Durch eine breite mehrere km lange Allee verlassen wir Santa Rosa de la Pampa. Ganz anders als am Vortag ist die Landschaft sehr grün. Auf den weitläufigen Wiesen und Feldern grasen hunderte Rinder und Pferde mit ihrem Nachwuchs.
Worauf habe ich mich da nur eingelassen? „Ja gerne“, antwortete ich unüberlegt auf das Angebot, in einem Dakar-Buggy mitzufahren. Und das habe ich nun davon. Etwas beengt kauere ich auf dem Beifahrerplatz. Mein Puls rast schon vor der Abfahrt in die Höhe. Ein Teammitglied zurrt mich im Schalensitz fest. Philippe Gache (Foto, re.), Fahrer und Teamchef von SMG nimmt neben mir Platz und startet den Motor. Mit einem dumpfen Dröhnen erwacht der 3,0-Liter-Dieselmotor zum leben.
Der Tag beginnt mir einer Irrfahrt durch Mendoza. Wie in allen südamerikanischen Städten, die wir bisher auf unserer Reise durchquert haben wimmelt es auch hier von Einbahnstraßen. Zusammen mit unserem dürftigen Kartenmaterial ergibt das eine Falschfahrgarantie. Dennoch schaffen wir es aus eigener Kraft die richtige Route nach San Rafael zu finden. Aufgrund eines Navigationsfehlers verfehlen wir das Ziel der Wertungsprüfung und erreichen bereits gegen Mittag das Camp. Das kommt mir sehr gelegen. So kann ich das erste Mal seit zwei Wochen richtig entspannen und die Seele baumeln lassen. Ich schlendere ins Versorgungszelt, genieße eine gekühlte Cola und lasse meine Gedanken schweifen.
Rückreise ins Land der Gauchos. Nach unserem neuntägigen Aufenthalt in Chile kehren wir heute über die Ruta 7 nach Argentinien zurück. Laut meines Reiseführers soll dies die meistbefahrene Verbindung zwischen beiden Ländern sein. Leider bestätigt sich diese Aussage. Das Verkehrsaufkommen ist hoch und wir kommen nur zäh voran. Zu allem Überdruss befinden sich auf dem Weg zahlreiche, nur einspurig befahrbare Baustellen, die den gesamten Dakar-Tross immer wieder ausbremsen. Einmal warten wir 25 Minuten ehe die Straße wieder freigegeben wird. Glücklicherweise haben wir keinen Zeitdruck, ganz anders als die mächtigen Renntrucks, die ihre Startzeit zur Wertungsprüfung einhalten müssen und nervös hinter uns von links nach rechts schaukeln.